Gabriele Jiresch Kommentar

Romantische Gefühle kommen nicht auf

Kurze Gedanken zu aktuellen Situationen.

von Gabriele Jiresch

 

Die Corona Krise hatte völlig unterschiedliche Auswirkungen: so mancher entschleunigte, andere waren im Super-Stress mit Familie, Arbeit und Kindern und die nächsten hatten einfach Angst um ihr Leben. Für alle war es in jedem Fall „anders“ und wenn man davon absieht, dass Frischverliebte mehr Zeit miteinander verbringen konnten, so ist eines festzustellen: Romantik war keine Folge der Krise. Von wegen alles wird sich zum Besseren ändern, die Menschen werden nur mehr regional einkaufen, es wird weniger geflogen und die öffentlichen Verkehrsmittel werden verstärkt benutzt. Bis dato stehen die Sterne für diese Veränderung nicht sehr günstig.

Umso schlimmer: Der Skandal um die Mitarbeiter im Tönnies-Fleischwerk zeigte zwar auf, wie es um die europäische und weltweite Fleischproduktion bestellt ist. Doch auch wenn man von Managerseite her Stein und Bein schwört, ab nun anders arbeiten zu wollen, so sei dem erst Glauben geschenkt, wenn es tatsächlich so sein wird - bis dahin sollte man keiner Beteuerung Glauben schenken. 

Denn: In diesem Moment, wenn Otto-Normal-Verbraucher vor dem Regal steht und auf das Preisetikett starrt, dann sind ihm Tierwohl, Bio, Fleischqualität egal. Er will den besten Preis.

Wir haben alleine seit den 60er Jahren verschiedene Arten von Statussymbolen erlebt: das Auto, Pelzmäntel, TV-Geräte, Häuser, Yachten, Mobiltelefone. Leider war Fleisch nicht wirklich ein Teil dieser Liste und wenn, dann nur nach dem Krieg. Erst wenn Fleisch am Teller wieder als etwas Besonderes gilt und als Statussymbol betrachtet werden kann, dann werden romantische Gefühle wach und man kann sagen: die Corona-Krise hat etwas bewirkt.

Veröffentlicht am

30.06.2020