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MondayMemo

"Denke wie ein Landwirt"

Weniger der schnelle Aktionismus, sondern die konsequente Arbeit an Nachhaltigkeit ist Zukunftsträchtig.

Eine Power Point Folie geht viral und regt sehr zum Denken an: „Denke wie ein Landwirt: Schrei nicht mit deiner Ernte und beschuldige sie nicht, dass sie nicht schnell genug wächst! Entwurzle die Pflanze nicht, bevor sie die Chance hatte zu wachsen, pflege sie und entferne Unkraut. Und denke immer daran: es gibt gute Erntejahre und schlechte Erntejahre – Du kannst das Wetter nicht kontrollieren, nur darauf vorbereitet sein“. Warum diese Worte gerade jetzt von sehr großer Bedeutung sind? Weil mancherorts das Gefühl entsteht, dass trotz Covid-Krise und Auswirkungen des Krieges auf die Weltwirtschaft die Brisanz von Nachhaltigkeit und Umgang mit unseren Ressourcen noch immer nicht verinnerlicht wurde. Dass der CO2-Ausstoß beinahe wieder auf vor Krisen-Niveau liegt, war zu erwarten. Veränderungen in dieser Geschwindigkeit wären Utopie.

Doch eines haben die Krisen gebracht: ein konsequenteres Denken im Sinne der Nachhaltigkeit. Dazu beigetragen haben weniger die Hard-Core NGOs, die durch reinen Aktionismus Aufmerksamkeit erregen. Vielmehr sind es jene Organisationen, die seit Jahrzehnten eine solide, ehrliche und in der Qualität gleichbleibende Arbeit leisten, so wie in der Power Point Folie beschrieben. Eine dieser Organisationen ist Fairtrade, die in Österreich in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert. „Fairtrade zeigt seit 30 Jahren, dass fairer Handel ein Erfolgsmodell sein kann. Das hat uns aus der Nische in den Mainstream gebracht, mit Marktanteilen in einigen Warengruppen von bis zu 37 %. Ziel ist aber, dass der faire Handel endgültig zur Norm wird und Produkte, die keine Rücksicht auf das Wohl von Mensch und Umwelt nehmen, aus den Regalen verschwinden“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich anlässlich des Jubiläumsjahrs. 

In den letzten drei Jahrzehnten konnte schon viel erreicht werden – immer mehr Menschen profitieren von stabilen Mindestpreisen und zusätzlichen Prämien. Fairtrade ist auch Vorreiter im Ermitteln existenzsichernder Löhne und Einkommen und dem Erstellen langfristiger Pläne, um diese in den mittlerweile mehr als 70 Herkunftsländern zu erreichen. Das geschieht auch mittels guter Kampagnen, eine davon ist FAIRbruary: Mit Unterstützung aller Fairtrade-Partner aus Handel, Industrie und Gastronomie wird die Aufmerksamkeit gezielt auf die Stärkung und Bedeutung der Fairtrade-Marke gelegt. 

Und um mit jener Branche zu schließen, mit der wir auch hier gestartet haben, wollen wir Stephan Pernkopf zitieren, den Präsidenten des Ökosozialen Forums, das aktuell seine 70. Wintertagung abhält: „Wir müssen die landwirtschaftliche Produktion nachhaltig intensivieren, denn die Zahl der unterernährten Menschen steigt global seit 2019 wieder an. Europa muss daher seine Lebensmittel selbst produzieren und die Bäuerinnen und Bauern können das auch – wir müssen sie nur lassen. Das belegen die heimischen Betriebe, die im globalen Vergleich am ökologischsten und trotzdem effizient produzieren. Von der EU-Agrarpolitik, durch die wir weniger produzieren, halte ich wenig. In Europa haben wir gesehen, wie abhängig wir etwa bei Medikamenten geworden sind. Das darf bei Lebensmitteln nicht passieren. Das Ökosoziale Forum spricht sich zudem für eine Bevorratung wichtiger Produkte und Lebensmittel aus, um nicht erpressbar zu sein. Die Bundesregierung soll das auch im Krisensicherheitsgesetz verankern. Wir müssen auch weg von der Förderband- und hin zur Kreislaufwirtschaft.

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Veröffentlicht am

23.01.2023