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MondayMemo

Kampf in der Wertschöpfungskette

Aktuelle Werbekampagnen von Lebensmittelhändlern wie Spar und Lidl verursachen bei so manchem Markenhersteller Schnappatmung. Die Stimmung war schon einmal besser.

In den auflagenstärksten Tagesmedien Österreichs wird ein Wettbewerb ausgetragen, den es in dieser Form noch nie gegeben hat: Marken gegen Eigenmarken. Plakative Doppelseiten stellen die Verkaufspreise von Eigenmarken wie S-Budget von Spar namhaften Markenartiklern gegenüber. Man will dem Konsumenten begreiflich machen, dass es beim Sparen auch anders geht: nämlich mit den preisgünstigen Marken der jeweiligen Lebensmittelhändler. Für den Endkunden erweitert das die Möglichkeit der Auswahl auch zu niedrigen Preisen in Zeiten der Inflation. Für die Beziehung zwischen Lebensmittelhandel und Markenartikelindustrie – die sowieso schon sehr strapaziert ist – bedeutet das eine Vertiefung des Grabens, der bereits besteht. Interessant ist auch, dass in den Kampf-Warenkörben fast ausschließlich Food-Produkte zu erkennen sind. Mit Non-Food scheint man sich in Zeiten wie diesen längst keine goldene Nase mehr zu verdienen, hier wurden die Grenzen zwischen Marken und Eigenmarken schon vor Jahren abgesteckt: Toilettenpapier, Taschentücher und Küchenrollen wurden von den Händlern schon längst geentert und mit ihren Namen und Logos versehen.

Wertschöpfung bei Food

Doch gerade bei den Nahrungsmitteln ist österreichische Wertschöpfung aus der gesamten Herstellungskette nicht mehr wegzudenken. Es ist auch ein großes Stück Verantwortung dem Land und seinen Beschäftigten gegenüber, heimische Produkte zu forcieren.
Auf der anderen Seite fühlt sich der Handel gefrotzelt, wenn er in Jahresberichten die Renditen einiger großer Unternehmen liest. Dass es dabei aber auch internationale Konzerne sind, die in Österreich eine Niederlassung haben, die möglicherweise nur einen kleinen Anteil an der gesamten Rendite hat, wird nachrangig gesehen. Man sieht, der Zwiespalt ist groß.

Handel oftmals unterschätzt

Fakt ist, dass der Einzelhandel in Österreich in vielen Diskussionen unterschätzt wird, wie auch Mag. Peter Voithofer vom Economia Institut bestätigt. Tatsächlich ist der österreichische Einzelhandel ein Wirtschaftsbereich mit großen Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekten, so sagt die jüngst veröffentlichte Studie des Instituts.

Die Beschäftigungskette sickert im optimalen Fall bis zur Ursprungs-Produktion durch, wenn das Produkte rot-weiß-rot ist. In Summe sind mit mehr als 380.000 Personen fast 9 % der Erwerbstätigen in Österreich im Einzelhandel beschäftigt. Zählt man auch hier die Beschäftigungseffekte bei den Zulieferern dazu, dann steigt der Anteil auf über 16 %. In Summe ist jeder sechste Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt vom Einzelhandel abhängig. Damit sind die Beschäftigungseffekte des Einzelhandels der Studie zufolge höher als die vieler anderer Branchen.

Mit jedem im Einzelhandel erwirtschafteten Euro werden weitere 1,56 Euro Wertschöpfung in anderen Wirtschaftssektoren ausgelöst.

Rund 61 % des Gesamteffekts werden in anderen Sektoren als dem Einzelhandel selbst wirksam. Der Wertschöpfungsmultiplikator, der definiert, um wieviel der gesamte Effekt den direkten Effekt im Einzelhandel übersteigt, liegt damit bei weit überdurchschnittlichen 2,56. Werden neben den direkten Effekten auch die Effekte in der vorgelagerten Wertschöpfungskette berücksichtigt, dann kommen weitere 7.360,9 Mio. Euro durch Vorleistungsbezüge und nochmals 14.894,5 Mio. Euro durch heimische Handelswaren hinzu. Der Gesamteffekt beläuft sich folglich auf 36.548,2 Mio. Euro, was einem Anteil von 10,28 Prozent der österreichweiten Wertschöpfung entspricht.

Aber warum dann die negativen Schlagzeilen, wenn es um Handel und Industrie geht? Mit ein Grund ist die Tatsache, dass der Einzelhandel nur durch Handelsspannen, die im Handel bei 2-3% liegen, und nicht über sein gesamtes Handelsvolumen abgebildet wird, wird dieser in seiner gesamtwirtschaftlichen Bedeutung deutlich unterschätzt wird. Und nicht zuletzt sind es auch Handel und Industrie gemeinsam, die viele Anstrengungen in Richtung Nachhaltigkeit unternehmen: Tierwohl, Recycling, Bio, CO2-Reduktion, Energiesparmaßnahmen, etc.

Betrachtet man es von einer übergeordneten Sichtweise, so sollten also alle das Ziel haben aus der Krise gemeinsam gut herauszukommen. Keine Branche profitiert von einer kranken anderen Branche, denn immer wieder geht es um fehlende, konsum-schlechtgelaunte Kunden. Die können Österreich sowie Europa akut nicht brauchen.

Gabriele Jiresch

 

Handel und Effekte in Österreich
Effekte in Zahlen

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Veröffentlicht am

26.09.2022