Jugend Trend Monitor: der Konsument von Morgen

Jugend Trend Monitor: der Konsument von Morgen

Wer in Zukunft etwas verkaufen will, muss die Verbraucher von morgen kennen. Die 9. Auflage des Jugend Trend Monitors von DocLX und Marketagent zeichnet ein besorgniserregendes Bild über den Gemütszustand junger Menschen.

Im Jänner 2022 befragte Marketagent gemeinsam mit DocLX 2.500 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 24 Jahren, die repräsentativ für ihre Alterskohorte sind. Der neunte Jugend Trend Monitor beinhaltet vergleichende Zahlen mit dem Jahr 2020 und zeigt, dass sich die Qualität der Ausbildung während der zwei Pandemiejahre weiter verschlechtert hat und sich mentale Folgen manifestieren.

Junge Österreicher fühlen sich mit ihren Sorgen alleine gelassen und stellen der Politik ein schlechtes Zeugnis aus, wenn es um die Interessen ihrer Generation geht. Junge Frauen leiden wesentlich stärker unter den Einschränkungen und sind vom veränderten Alltag stärker belastet. Junge Menschen wünschen sich Reisen, Nachgastronomie und gemeinsame Erlebnisse mit Freunden, um Sorgen zu vergessen und frischen Lebensmut zu schöpfen. Die deutliche Mehrheit hat kein Verständnis für Impfverweigerer.

Covid-19 trifft die Jugend und stört das Liebesleben

Mehr als zwei Drittel sehen negative Auswirkungen durch die Pandemie auf ihre mentale Gesundheit, persönliche Lebenszufriedenheit und den Kontakt mit Freunden. Auch Amor hat es in Zeiten von Lockdowns und Verordnungschaos nicht immer leicht: 46 % geben an, dass die Pandemie auch ihr Liebesleben verschlechtert hat. Über 40 % erkennen Folgen für ihre körperliche Gesundheit und die Lebenszufriedenheit ihrer Eltern. Junge Frauen nehmen die Folgen des Virus deutlich stärker wahr und leiden signifikant stärker unter den Einschränkungen im Alltag.

Junge Österreicher können der Pandemie in Teilbereichen auch etwas Gutes abgewinnen. Immerhin 22,7 % sehen positive Auswirkungen auf ihre körperliche Gesundheit und haben vermutlich mehr Sport getrieben. 20,7 % hat Covid-19 die rosarote Brille aufgesetzt: Ihr Liebesleben hat sich positiv entwickelt. 18,6 % meinen auch, dass ihre Eltern zufriedener sind. Junge Männer nehmen die Folgen des Lebens im Pandemiealltag wesentlich optimistischer wahr.

Fernsehen und Video-Chats: Die Bildschirmzeit nimmt massiv zu

Während 84 % ihren Tagesablauf vor der Pandemie als geregelt empfanden, tun dies mittlerweile nur mehr 55,5 %. Deutlich mehr Zeit verbringen die jungen Österreich vor den Smartphone- und Computerbildschirmen (85,6 %), vor dem Fernseher (73,5 %) und in virtuellen Treffen mit Freunden via Video-Chat (44,5 %). 45,7 % helfen mehr im Haushalt mit, 34,5 % treiben mehr Sport und 32,3 % investieren mehr Zeit in das Lernen. Auch für Körperpflege (28,6 %) und Hobbys (28,2 %) wird mehr Zeit aufgewendet.

Sorgen bereiten den Jugendlichen vor allem ihre Zukunftspläne (60,6 %), ihre berufliche Zukunft (55,1 %) und die Gesundheit ihrer Familienmitglieder (50,3 %). Knapp der Hälfte bereiten die politische Lage in Österreich (47,1 %), ihre Ausbildung (45 %) und die wirtschaftliche Lage (41,6 %) Sorgenfalten. Zukunftsängste sind bei der jüngeren Aktivgruppe der 14- bis 19-Jährigen wesentlich stärker ausgeprägt als bei den 20- bis 24-Jährigen.

82 % der jungen Österreicher schöpfen Kraft durch die Fokussierung auf die guten Dinge im Leben. 78,5 % fehlt das gemeinsame Verreisen mit Freunden. 60,4 % versuchen sich mit permanenter Beschäftigung von bedrückenden Gedanken abzulenken und 55,2 % behalten ihre Probleme für sich, weil sie ihrer Familie keine Sorgen bereiten möchten. Trotz aller Belastungen blicken mehr als die Hälfte (55,3 %) der jungen Österreicher optimistisch in die Zukunft.

Ausbildungsqualität nimmt weiter ab

Die Pandemie hat die Bildungsproblematik weiter verschärft. Gaben 2020 noch 46,5 % an, dass sich die Qualität der Ausbildung verschlechtert hat, sind 2022 bereits 55,1 % dieser Meinung. Nur 21,8 % verorten eine steigende Qualität in der Ausbildung durch Distance Learning und den Einsatz digitaler Tools. Präsenzunterricht wird von 62 % der jungen Österreich eindeutig der Vorzug gegeben. 76,2 % entwickeln bei der Anwesenheit im Klassenzimmer ein besseres Verständnis für die Lerninhalte und können den Unterrichtsstoff leichter erfassen.

Beim Distance Learning fehlt vor allem der persönliche Kontakt mit Kollegen (59,9 %) und die Ablenkung zuhause (47,8 %) macht zu schaffen. 38,7 % fühlen sich mit dem Stoff alleine gelassen und 30,1 % haben das Gefühl, dass sich die Lehrer wenig Mühe geben oder mit der digitalen Wissensvermittlung überfordert sind. 29,4 % sehen wenig Unterstützung in den aufbereiteten Unterlagen und 27,4 % erschwert das Lernen in den eigenen vier Wänden eine mangelhafte Internetverbindung.

82,4 % werfen der Regierung vor, zu wenig an die Bedürfnisse von Schülern und Studenten zu denken. Ebenfalls über 82 % sind mit den nach wie vor chaotischen Zuständen an den Bildungseinrichtungen unzufrieden. Rund 80 % attestieren der Regierung wenig Fortschritte, um die beruflichen Perspektiven der Jugend zu verbessern, während die Chancen am Arbeitsmarkt zeitgleich sinken. Mehr als drei Viertel (77,7 %) sind mit der Erreichbarkeit des Lehrpersonals zufrieden, während 73,2 % wenig Unterstützung durch ihre Eltern erfahren. Knapp 60 % fürchten, dass ihr Abschluss unter Pandemiebedingungen weniger wert sein könnte. 57,8 % sprechen sich für eine Öffnung der Schulen und Universitäten auch während Lockdowns aus. Deutlich mehr junge Menschen haben Sorge, den Anschluss zu verlieren: Lag dieser Wert im Jahr 2020 noch bei 33,5 %, ist er zwei Jahre später auf 61,2 % angewachsen.

Spannend: Einstellung zur Impfung

Knapp 90 % der jungen Österreicher sind erleichtert, dass es eine Impfung gegen das Virus gibt und über 76 % verurteilen Anti-Covid-19-Demonstrationen als Ort der Clusterbildung. Mehr als zwei Drittel haben durch die millionenfache Erprobung der Impfung kein Verständnis für die Vorbehalte von Impfgegnern und bezeichnen diese als Belastung für das Gesundheitssystem. Über 60 % sind der Meinung, dass Ungeimpfte auf Intensivstationen nachgereiht werden sollten und machen sie für die anhaltenden Einschränkungen verantwortlich.

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Veröffentlicht am

04.05.2022