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Jö Bonus Club droht Strafe

Ein Tiefschlag gegen Österreichs Digitalhändler

Laut der Tageszeitung „Der Standard“ liege gegen den jö Bonus Club ein Urteil der Datenschutzbehörde vor. Dr. Hanspeter Madlberger kommentiert.

Wie immer das juristische Geplänkel um den Strafantrag der behördlichen Datenschützer gegen den Jö Bonus Club der Rewe ausgeht. Diese Aktion ist ein Tiefschlag gegen den heimischen Handel, der sich gegen den stürmischen Vormarsch globaler Datenkraken verzweifelt zur Wehr setzt. Schadenfreude der Mitbewerber angesichts dieser Watsch`n für den rund vier Millionen Mitglieder zählenden Jö Bonus Club ist nicht am Platz. Denn man kann davon ausgehen, dass die Masters of Data Mining und daraus abgeleitetem, personalisiertem 1:1 Marketing in Seattle über genügend juristische Cleverness verfügen, um im pingeligen Europa derartige Datenschützer-Attacken abzuschmettern.

Natürlich kann man den Verantwortlichen des Jö Bonus Clubs den Vorwurf nicht ersparen, dass sie dem äußerst sensiblen Thema des persönlichen Datenschutzes von Karteninhabern nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt haben. Und so die Orientierung im Datenschutz- Gesetzesdschungel verloren haben, über die der Hauptkonkurrent Payback offenbar verfügt. Rewe Deutschland ist Mitglied bei Payback, weshalb möglicherweise die Kölner Rückendeckung für den Jö Bonus Club endenwollend ist.

Aus ökonomischer Sicht ist der möglicherweise selbstverschuldete Sach- und Imageschaden des Jö Bonus  Clubs eine mittlere Katastrophe. Digital gepowerte Kundenkarten sind ein Kernelement von connected retail, der Verschränkung von Online- und Offline-Verkauf. Ausländischen Onlinehändlern steht weiterhin die Tür zum kleinen österreichischen Markt sperrangelweit offen. Heimische digital Startups, die in großer Anzahl gegen Amazon, Zalando & Co antreten, sind viel zu schwach, um entscheidende Marktanteile zurück zu erobern. Es bedarf dazu großer im Markt etablierter Händler wie der Rewe, die sich bislang im Online/Offline-Hybrid Handel die ambitioniertesten Ziele gesetzt hat. Bleibt zu hoffen, dass im Interesse des gesamten österreichischen Handels die juristische Schwachstelle des Jö Bonus Clubs rasch repariert werden kann. (Hanspeter Madlberger)

Der Hintergrund

Wie der „Standard“ in seiner Dienstag-Ausgabe berichtete, liege ein Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vor. Starfausmaß wären 2 Millionen Euro. Der Club habe den Eindruck vermittelt, Kunden würden sich nur für Rabatte und Gutscheine anmelden. Sofern sie nach unten scrollten, hätten sie erfahren, dass sie sich zum sogenannten Profiling bereit erklären, also zur Weiterverwendung persönlicher Daten, um künftige Einkaufsprognosen zu treffen.

Beim Profiling handelt es sich um die Verwertung gesammelter personenbezogener Daten, um beispielsweise gezielte Werbekampagnen zu starten oder das Sortiment je nach Erkenntnissen über das Kaufverhalten einer großen Zahl von Kunden anzupassen.
Konkret beanstandet die Datenschutzbehörde laut Standard-Informationen die Formatierung auf der Webseite des Clubs sowie auf Anmeldeformularen. Eine Zustimmung zum Profiling soll nicht immer eindeutig ersichtlich gewesen sein. Das habe der Club nach einem ersten Verfahren auch eingesehen und geändert - die Daten von 2,3 Millionen Personen seien aber weiterverwendet worden.

Die Datenschutzbehörde sieht im Profiling ein besonderes Risiko, weil bestimmte Aspekte einer Person bewertet und eine Vorhersage über ihr Verhalten in der Zukunft getroffen werden kann. Werden diese Daten an Dritte weitergegeben, könne das zu Problemen für Betroffene führen. 

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Veröffentlicht am

03.08.2021