DI Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Österreichischen Post AG

Interview mit DI Peter Umundum

Nach der Zustimmung zur Übernahme der DHL Österreich durch die Post AG, stand Post-Vorstand Peter Umundum für ein Interview zur Verfügung.

retailreport.at: Die Wettbewerbsbehörde hat der Übernahme von DHL in Österreich zugestimmt. Was bedeutet das für die Österreichische Post und DHL konkret? Was wurde übernommen: Logistikstandorte? Bleibt das Logo/Firmenname erhalten oder wird es auf Post umbenannt?

DI Peter Umundum: Die Österreichische Post wird Zustellpartner der Deutschen Post DHL Group. Wir werden mit 1. August 2019 drei Logistikzentren in Wien, Wundschuh bei Graz und Enns sowie zehn Zustellbasen übernehmen – diese Standorte werden dann unser Logo tragen. DHL-Kundinnen und Kunden erhalten damit ihre Pakete nicht nur von der Österreichischen Post, sondern können auch alle Post-Services, wie unsere Abholstationen, Versandboxen, Empfangsboxen oder die vielseitigen Features unserer App nutzen.

retailreport.at: Wie groß ist das Geschäft der DHL in Österreich und wie sieht nun der Gesamtmarkt aus? Welche Verschiebungen in den Marktanteilen hat es gegeben? Werden die Mitarbeiter integriert?

DI Peter Umundum: DHL hat 2015 begonnen selbst in Österreich zuzustellen, zieht sich nun jedoch wieder aus dem österreichischen Markt zurück. So wie beim Eintritt wird es auch jetzt zu Verschiebungen am Markt kommen. Wir haben in den letzten Jahren unsere Marktanteile – trotz neuer Wettbewerber – ausgebaut und wuchsen in Bezug auf die steigenden Paketmengen zuletzt immer stärker als der Markt. Unser mittelfristiges Ziel ist eine Mengenentwicklung von 108 Millionen Pakete 2018 auf 150 Millionen in den nächsten Jahren. Mit der DHL-Kooperation bin ich zuversichtlich, dieses Ziel bereits früher zu erreichen. Im Zuge der Partnerschaft werden wir zu den genannten Standorten auch einen Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen.

retailreport.at: Was ist an der Art der Zustellung von DHL anders als bei der Post? Kann man von DHL „etwas lernen“?

DI Peter Umundum: Zum einen ist DHL Respekt zu zollen, was sie in den letzten Jahren in Österreich aufgebaut haben. Zum anderen bieten wir als Österreichische Post ein breites Leistungsportfolio und hohe Servicequalität mit einer flächendeckenden Zustellung und Filialabdeckung. Unsere Infrastruktur ist einzigartig in Österreich – nicht zuletzt auch deshalb, weil wir vor allem in den letzten Jahren sehr viel investiert haben. Für die kommenden Jahre haben wir ein Investitionsprogramm aufgesetzt, das 500 Millionen Euro umfasst, ein Großteil davon fließt in die Paketlogistik in Österreich. Wir verfolgen eine klare Linie und sind sehr gut aufgestellt. Natürlich beobachten wir aber auch den Markt genau und evaluieren, was wir für uns ableiten können.

retailreport.at: Worauf kommt es bei ecommerce/Zustellung an? Welche Assets sind wesentlich, um erfolgreich zu sein? 

DI Peter Umundum: Qualität und Laufzeit sind in der Zustellung von sehr großer Bedeutung. Die Erwartungen der Kundinnen und Kunden werden immer höher – diese verlangen heute mehr Komfort und Flexibilität. Wir versuchen deshalb das Empfangen und Versenden von Paketen so einfach wie möglich zu gestalten, beispielsweise über unsere Selbstbedienungszonen und 24/7-Kundenlösungen, über die 2018 bereits 11% der Paketmengen abgewickelt wurden. Früher wurde der Prozess ausschließlich vom Logistiker gesteuert, danach vom Versender. Heute greifen Empfänger immer stärker selbst in die Logistik ein. So können beispielsweise Pakete via App rasch und bequem umgeleitet werden. Zukünftig wird es noch stärker in Richtung Individualisierung und Kunden- bzw. Serviceorientierung gehen. 

retailreport.at: Ist es Ihnen wichtig, Zulieferstationen in eigener Hand zu haben (Filialen) oder geht es um den Transport an sich?

DI Peter Umundum: Wir stellen täglich direkt an alle Haushalte österreichweit zu – und das ist nach wie vor die bevorzugte Variante der Empfängerinnen und Empfänger. Gleichzeitig braucht es auch die nötigen Geschäftsstellen. Unsere Infrastruktur mit einem flächendeckenden Filialnetz zeichnet uns aus: Mit rund 1.800 Post-Geschäftsstellen in ganz Österreich sind wir im ganzen Land für unsere Kundinnen und Kunden erreichbar. Unser Netz besteht aus eigenbetriebenen Filialen und fremdbetriebenen Post Partnern. Mit dem bewährten Modell unserer Post Partner ist es uns möglich, ein derart dichtes Netz österreichweit aufrecht zu erhalten bzw. dieses auszubauen. In der Zustellung greifen wir vor allem in Spitzenzeiten auch auf Frächter zurück – beispielsweise in der Weihnachtszeit, in der wir teilweise doppelt so viele Pakete bearbeiten wie an durchschnittlichen Tagen. 

retailreport.at: amazon lässt immer wieder durchblicken, dass sie aufgrund der Bündelung bei den Lieferungen Kosten einsparen, sehen Sie das auch so?

DI Peter Umundum: Die Zustellung in weniger dicht besiedelten Gebieten ist natürlich teurer als in Ballungsräumen. Die Post stellt als Universaldienstleister österreichweit zu – für uns stellt sich diese Frage deshalb nicht.

retailreport.at: Sehen Sie einen Verlust Ihres Kerngeschäftes Paketzustellung seit Amazon Pakete selbst zustellt?

DI Peter Umundum: Wettbewerb am Paketmarkt ist nichts Neues. Wir spüren natürlich, dass Amazon im Großraum Wien selbst Pakete zustellt, haben dies jedoch vorab in unseren Plänen berücksichtigt. Amazon tritt zwar als neuer Wettbewerber auf, ist und bleibt jedoch auch wichtiger Partner und Kunde der Österreichischen Post.

retailreport.at: Bitte ein Blick in die Zukunft? Wie sieht eCommerce der Zukunft aus – und die damit verbundene Logistik?

DI Peter Umundum: Die Paketmengen steigen weiterhin rasant an und ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar. Dies bedeutet für uns, dass wir unsere Kapazitäten ausbauen werden – und das sollen auch unsere Kundinnen und Kunden spüren. Wir arbeiten stetig an der Erweiterung unseres Angebots. Im Frühjahr haben wir beispielsweise mit „AllesPost“ ein neues Service gelauncht, das der Markt in dieser Form noch nicht kannte. Des Weiteren beschäftigen wir uns kontinuierlich mit neuen Zustellformen, wie aktuell mit unserem Projekt „City Hub Wien“. In diesem Pilotprojekt testen wir eine nachhaltigere Form der Zustellung via E-Lastenräder. Insgesamt wird sicherlich der Automatisierungsgrad weiter zunehmen, vieles wird noch schnelllebiger werden. Zudem wird es zukünftig weniger darum gehen, dass der Kunde sein Paket findet, sondern vielmehr das Paket den Kunden. Die Digitalisierung eröffnet uns viele neue Möglichkeiten und diese sind, in so gut wie allen Bereichen, sehr vielseitig. Wenn wir die Anforderungen und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden weiterhin rasch erkennen und berücksichtigen, ist die Post für die Zukunft sehr gut gerüstet.

Veröffentlicht am

01.08.2019