Anne Schumacher, Geschäftsbereichsleiterin Ernährung und Ernährungstechnologie der Koelnmesse

ISM 2021 findet „safe“ statt

Koelnmesse-Geschäftsbereichsleiterin für Ernährung und Ernährungstechnologie, Anne Schumacher, im Interview zu den bevorstehenden Messen.

Anne Schumacher erklärt im folgenden Interview, wie der aktuelle Status quo der Messe aussieht und welche umfassenden Maßnahmen die ISM ergreift, um einen sicheren Ablauf der Messe zu garantieren.

Rund vier Monate vor der Eröffnung der 51. ISM Ende Januar 2021 in Köln beeinträchtigt COVID-19 das Leben und die Wirtschaft immer noch stark. Wie ist der aktuelle Anmeldestand zur ISM 2021?

Schumacher: Zur 50. Ausgabe der ISM konnten wir einen neuen Ausstellerrekord verzeichnen. Diese Werte werden wir 2021 zwar sicherlich nicht wieder erreichen, aber schon jetzt sind 77 % der gesamten Veranstaltungsfläche der kommenden ISM vermietet. Das ist mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen und weiterhin anhaltenden Verunsicherungen sowie Reiserestriktionen ein sehr gutes Ergebnis. Bis auf wenige Absagen werden fast alle wichtigen Marktführer wieder teilnehmen. Insgesamt haben sich Aussteller aus 59 Ländern registriert. Aus Europa gehören neben Deutschland auch Italien, Belgien, Spanien, Großbritannien, Polen, Frankreich, Niederlande sowie Griechenland zu Ländern, die flächenmäßig am stärksten auf der ISM vertreten sein werden. Außereuropäisch haben wir beispielsweise Anmeldungen aus Australien, Thailand und Kanada.

Ein wichtiger Bestandteil der ISM sind die vielen Länderpavillons. Gibt es hier Absagen?

Schumacher: Auch bei den Länderpavillons können wir zum jetzigen Zeitpunkt ein positives Ergebnis vermelden. Nahezu alle Teilnehmer aus dem Vorjahr haben sich wieder – wenn auch teils im kleineren Rahmen – für die kommende ISM registriert. Besonders freuen wir uns über Neuzugänge aus Lettland, Portugal und Thailand. Auch aus den USA erwarten wir eher einen kleinen Länderpavillon vor allem mit Unternehmen, die eine Distributionsgesellschaft in Deutschland haben.

Wie schaut es mit neuen Ausstellern zur ISM 2021 aus?

Schumacher: Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen stellen wir fest, dass die ISM für eine Vielzahl an Unternehmen eine zentrale Plattform ist, um ihre Produkte einen breitem Fachpublikum vorzustellen, aber auch, um das Exportgeschäft voranzutreiben. Es freut uns daher besonders, dass sich bereits jetzt 33 Neuaussteller aus 23 Ländern angemeldet haben. Nennenswert sind hier insbesondere Neuzugänge aus Australien. Auch aus Europa gibt es neue Unternehmen aus Griechenland, Rumänien, Litauen oder Polen.

Die derzeit geltenden Reisebeschränkungen werden es den Fachbesuchern aus zuletzt über 140 Ländern nicht leicht machen nach Köln zu kommen. Wie wollen Sie die wahrscheinlich fehlende physische Präsenz von einigen internationalen Besuchern kompensieren?

Schumacher: Die ISM 2021 wird ihren Kunden im kommenden Jahr neue digitale Wege zur Unterstützung der Kontaktanbahnung und Produktpräsentation anbieten. Ergänzend zur physischen Messe bietet die weltgrößte Fachmesse für Süßwaren und Snacks eine neue Online-Plattform für registrierte Aussteller und Fachbesucher sowie für Medienvertreter. Mit „Matchmaking 365+“ können Aussteller der ISM damit auch Fachbesucher unabhängig vom physischen Messetermin der ISM 2021 erreichen. Neben den herkömmlichen Formen der Kontaktaufnahme ermöglicht die Plattform auch virtuelle Meetings per Video, Chat oder Audio. Dies eröffnet den Teilnehmern der Messe die Möglichkeit, bereits vor Messebeginn Geschäftskontakte zu knüpfen. Auch Produktpräsentationen sowie Neuheiten können innerhalb eines digitalen Aussteller-Showrooms in Form von Text, Bild oder Video-Inhalten präsentiert werden. Darüber hinaus stellt Matchmaking 365+ fachlichen Content in Form von Branchenwissen, Interviews oder auch Inhalten des Messe-Eventprogramms zur Verfügung. So können sich Fachbesucher wie Medienvertreter vor, während und nach der Messe über die neuesten Produkte und weitere Brancheninhalte der Unternehmen informieren. Der Zugang zur digitalen Matchmaking-Plattform der ISM ist für registrierte Fachbesucher wie Medienvertreter kostenlos. Mit Matchmaking 365+ wird die ISM 2021 erstmals seinen Kunden eine hybride Messeerfahrung bieten.

Haben Sie hier schon Erfahrungen mit anderen Messen? Wie soll das konkret geschehen? Wann startet diese digitale Plattform der ISM?

Schumacher: Bei der Koelnmesse haben wir bereits seit längerem erfolgreich Tools zur Kontaktanbahnung und Vernetzung im Einsatz, etwa bei der Kind + Jugend, der internationalen Leitmesse für hochwertige Baby- und Kleinkindausstattung. Für die ISM und die ProSweets Cologne 2021 werden wir den Ausstellern ab Oktober 2020 den Zugang zu Matchmaking 365+ anbieten. Über Messen wie die gamescom oder die DMEXCO testen wir weitere Tools und Plattformen. Mit der gamescom Ende August 2020 haben wir erstmals erfolgreich ein rein globales digitales Event geschaffen. Allein über 2 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten gleichzeitig die Eröffnungsshow gamescom: Opening Night Live. Auch die DMEXCO geht als zentraler Treffpunkt aller wichtigen Entscheidungsträger aus digitaler Wirtschaft, Marketing und Innovation in diesem Jahr ausschließlich digitale Wege. Ob Live Talks oder -Konferenzen, Learning Sessions, virtuelle Meeting-Räume, Treffpunkte zum gegenseitigen Austausch sowie Showrooms für Produktpräsentationen, alle Erkenntnisse zu digitalen Formaten lassen wir in die ISM einfließen. Darüber hinaus setzt die Koelnmesse auch im Ausland auf digitale Lösungen, etwa bei der anstehenden Thaifex Anuga Asia in diesem Monat, die im hybriden Format stattfinden wird oder der IDEM Singapur, die im August 2020 ausschließlich digital stattfand. Über den kontinuierlichen Erfahrungsaustausch mit den Kollegen und Kolleginnen, die erfolgreiche digitale Formate oder Tools einsetzen, gewinnen wir so regelmäßig neue Erkenntnisse, die wir in die Planungen weiteren Messen einfließen lassen.

Ein überaus wichtiger Punkt ist der Schutz der Aussteller und Besucher. Was müssen die Aussteller beachten bei den Meetings, der Platzierung der Exponate und generell beim Standbau?

Schumacher: Unter dem Hashtag #B-SAFE4business hat die Koelnmesse ein umfangreiches Maßnahmenpaket entwickelt, das einen sicheren Messeaufenthalt gewährleistet. Unter den vier Überschriften „visit safe“, „show safe“, „meet safe“ und „stay safe“ haben wir Maßnahmen zum Schutz von Ausstellern und Fachbesuchern zusammengefasst. Sie regeln unter anderem das sichere Miteinander auf der Messe und sorgen dafür, dass sich Unternehmen und Fachpublikum entspannt zu einer Teilnahme entschließen können. Für Aussteller bietet unsere Website einen Leitfaden, der konkrete Vorgaben zum Standbau beinhaltet. Wichtig für Aussteller ist, dass die Zahl der Besucher an den einzelnen Ständen nicht reglementiert ist, solange an dem Messestand Mindestabstände von 1,5 Metern zwischen den Besuchern bzw. dem Personal des Austellers gewährleistet sind. Produktinformationen unmittelbar an der Standgrenze sind unter Umständen nur eingeschränkt möglich, um Bewegungsmöglichkeiten in den Gängen rund um den Stand aufrechtzuerhalten und Menschenansammlungen zu vermeiden. Natürlich ist eine normale Standgestaltung mit entsprechender Dekoration möglich. Bei der Platzierung der Exponate ist es vor allem wichtig, dass ausreichend Freifläche vorhanden ist, um das Einhalten des Mindestabstands zu ermöglichen. Ein wesentliches Kriterium in den aktuellen Zeiten ist eine gute Belüftung der Messestände. Sowohl in unseren Messehallen als auch in unserem Messehochhaus wird die verbrauchte Luft nach außen abgeführt und 100% neue Frischluft zugeführt, sodass sich Aerosole über unsere Lüftungsanlagen nicht verbreiten können.

Auch die Bewirtung und die Verkostungen an den Ständen könnten ein Risiko darstellen?

Schumacher: Grundsätzlich sind Verkostungen am Messestand möglich und können entweder im Rahmen einer Besprechung an einem Tisch oder in Form von Geschmacksproben am Info-Counter erfolgen. Hier gilt allerdings, dass sowohl verpackte als auch unverpackte Geschmacksproben nur vom Standpersonal unter Einhaltung sämtlicher Hygienevorschriften ausgegeben werden dürfen. Die übliche Selbstbedienung, etwa aus einer Schale, können wir für die kommende ISM leider nicht zulassen, auch nicht bei verpackten Mustern. Showküchen beispielsweise sind aber weiterhin möglich, wenn diese durch einen entsprechenden Spuckschutz abgeschirmt sind. Die Messegastronomie steht ebenfalls unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen zur Verfügung.

Müssen sich die Fachbesucher auf besondere Vorsichtsmaßnahmen einstellen?

Schumacher: Auch für die Besucher gibt ein umfassendes Hygiene- und Sicherheitskonzept. Wichtig ist, dass sich alle Fachbesucher im Vorfeld der Messe auf der Website der ISM zu den Maßnahmen informieren. Alle Schutzmaßnahmen sind in unserem Konzept „#B-SAFE4business“ verankert. Für die ISM können diese unter https://www.ism-cologne.de/die-messe/ism/re-start-koelnmesse/b-safe4business. php abgerufen werden. Besonders erwähnenswert ist, dass der Ticketverkauf ausschließlich online stattfindet. Die Tickets sind mobil verfügbar und ermöglichen einen kontaktlosen Zutritt. Im Rahmen des Ticketkaufs findet zudem eine Vollregistrierung aller Teilnehmer statt, um sicherzustellen, dass wir im Falle einer Corona-Infektion Kontaktpersonen schnell identifizieren können. Weitere wichtige Vorsichtsmaßnahmen sind beispielsweise Desinfektionsspender an allen wesentlichen Stellen im Gelände, die regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Sanitäranlagen und anderen Kontaktflächen sowie der Einsatz von hochmodernen Lüftungsanlagen, die eine getrennte Zu- und Abluftschaltung ermöglichen. Zum Schutz aller Messeteilnehmer gilt zudem auf der ISM 2021 sowie der ProSweets Cologne 2021 für alle eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht - mit Ausnahme der Sitzplätze z. B. an Messeständen oder in der Gastronomie.

Könnte es beispielsweise zu Zugangsbeschränkungen in einzelne Hallen oder sogar zur Messe selbst insbesondere an den Top-Tagen, wie Montag und Dienstag, kommen?

Schumacher: Entsprechend der Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen müssen wir auf unseren Messen bestimmte Auflagen einhalten, dazu gehören u.a. ein Mindestabstand von 1,5 Metern auf unserem Gelände und damit einhergehend auch eine bestimmte Anzahl an Fachbesuchern. Aufgrund dieser Regelung haben wir auch den Ticketverkauf für die ISM angepasst, so dass es im kommenden Jahr nur Tagestickets geben wird. Durch die Online-Registrierung und Online-Tickets haben wir die Besucherzahlen immer im Blick und können so die Anzahl der Fachbesucher genau steuern.

Überlegt die Kölnmesse weitere zusätzliche Leistungen, welche die Sicherheit der Gäste erhöhen, anzubieten?

Schumacher: Wir beobachten die Entwicklungen rund um COVID-19 sehr genau, um unsere bisher geplanten Maßnahmen des „#B-SAFE4business“-Konzepts immer wieder neu zu bewerten und gegebenenfalls weitere Anpassungen vorzunehmen, die der Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmer der ISM 2021 dienlich sind. Darüber hinaus befinden wir uns in regelmäßigen Austausch mit Stadt, Land und den Gesundheitsbehörden, um sicherzustellen, dass wir alle gesetzlichen Bestimmungen gerecht werden. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Aussteller und Besucher hat oberste Priorität. Daher werden wir unser bestmöglichstes tun, um eine Corona- konforme und sichere ISM 2021 zu veranstalten. Es ist aber wichtig, den Erwartungen unserer Kunden gerecht zu werden. Industrie und Handel spiegeln uns beispielsweise, dass das Geschäft auch mit COVID-19 weitergehen muss und sie sich nach dieser langen Zeit ohne Messen wieder auf face-face-Gespräche freuen, denn ohne diese kommen langfristig Geschäftsbeziehungen nicht aus. Darüber hinaus ist das Probieren der Produkte für Einkäufer essenziell für ihre Entscheidungsfindung. Denn wer möchte sich schon gern Süßwaren und Snacks nur digital anschauen.

Veröffentlicht am

02.11.2020