Henkel CEE Werk in Wien Erdberg

Henkel: Hürden werden genommen

Interview mit Jaroslava Haid-Jarkova, General Manager Österreich für Laundry & Home Care Henkel über die aktuelle Situation und das laufende Geschäft.

Jaroslava Haid-Jarkova, General Manager Österreich für Laundry & Home Care Henkel, hat die Agenden von Georg Grassl übernommen und startet gleich mit einer starken Herausforderung: der Corona-Krise. retailreport.at interviewt die Managerin.

retailreport.at: Welche Auswirkungen hatte die Coronavirus-Krise bislang für Henkel in Österreich?

Haid-Jarkova: In der aktuellen Situation hatte und hat weiterhin für uns die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unserer Kunden und unserer Geschäftspartner höchste Priorität. Wir haben dafür alle für uns möglichen Vorkehrungen getroffen. Wir haben Maßnahmen gesetzt, mit denen wir mithelfen, die Ausbreitung des Coronavirus hintanzuhalten, aber gleichzeitig unsere Geschäftstätigkeit aufrecht zu erhalten. Im Verwaltungsbereich arbeiten rund 95 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause. Im Rahmen unserer Produktionen wurde alles unternommen, den Sicherheitsabstand zwischen den arbeitenden Menschen durch verschiedene organisatorische Maßnahmen über das gesetzlich erforderliche Ausmaß hinaus zu erhöhen.

Ich möchte mich bei unseren Henkel-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern, aber auch jenen unserer Geschäftspartner, insbesondere unserer Handelspartner, für ihren Einsatz, die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, bedanken.

retailreport.at: Und was das Geschäft angeht?

Wir als Henkel tun alles, unseren Beitrag dafür zu leisten, wenn es um die Versorgung der Menschen mit Produkten aus unseren Warengruppen geht. Das betrifft Hygieneprodukte im Wasch-/Reinigungsmittelbereich als auch den Körperpflegebereich und Klebstoffprodukte. Wir sind mit Henkel-Klebstoffprodukten und technologischen Lösungen in vielen Industrien, etwa in puncto Instandhaltung von Betrieben, vertreten und helfen dadurch mit, wichtige Produktionen am Laufen zu halten. Im Moment - Stand heute - 20. März - laufen unsere Österreich-Werke Wien (Wasch- und Reinigungsmittel), unser Zentrallager Wien (Wasch- und Reinigungsmittel) und unser Klebstoff-Werk Dornbirn (Dichtstoffe) im Normalbetrieb. Das kann sich ändern, beispielsweise durch Grenzverzögerungen oder -schließungen – derzeit etwa in Richtung Kroatien, Serbien oder Ungarn. In solchen Fällen sind dann logistische Hürden zu bewältigen. Das betrifft sowohl uns als aber auch unsere Lieferanten. Wir setzen jedenfalls alle Hebel in Bewegung, diese Hürden bestmöglich zu meistern.

retailreport.at: Zu Ihrem Business: Sie haben das Wasch-, Putz- und Reinigungsgeschäft von Georg Grassl übernommen. Würden Sie bitte einen kurzen Abriss über die Segmente geben? Wie entwickeln sich die Märkte?

Wir sind in Österreich die Nummer 1 bei Waschen/Putzen/Reinigen (WPR). Besonders zufrieden waren wir mit unserer Entwicklung in den folgenden Kategorien: Spezialwaschmittel, Weichspüler, WC-Hygiene und WC-Reiniger. Hier konnten wir mit unseren Marken Silan, Fewa und Blue Star unsere Marktführerpositionen weiter stärken. Der Gesamtmarkt war mit 1,3 % positiv, speziell das Plus von 3,7 % bei Universalwaschmittel dank des prozentuell zweistelligen Wachstums der vordosierten Produkte, in unserem Fall etwa Persil Discs und Persil Caps, war sehr erfreulich.
Der Promotion-Druck und damit auch der Preiswettbewerb sind gerade in der größten Kategorie Universalwaschmittel unverändert hoch. Das heißt: Mit Innovationen, die nicht preissensibel sind, zu punkten ist für uns wichtiger denn je. 

retailreport.at: Welche Herausforderungen stehen Ihnen bevor, im Bereich Produktentwicklung oder bei Nachhaltigkeit?

Wie gesagt, wir müssen mit Innovationen punkten. Unsere Innovationsquote bei Wasch- und Reinigungsmittel ist mit 45 % konstant sehr hoch. Das heißt, wir machen 45 % unseres Umsatzes mit Produkten, die es vor 3 Jahren noch nicht am Markt gab.
Wenn ich mich auf Wasch- und Reinigungsmittel beziehe, so sind hier zum Beispiel für Österreich die Trends zu Premium, zu Convenience und zu Nachhaltigkeit gleichermaßen stark prägend. 

Premium heißt, unsere Marken einem kontinuierlich Upgrading zu unterwerfen. Ein Beispiel dafür sind unsere Blue Star DeLuxe-Varianten, die dem Konsumentenwunsch nach exquisiten Duft-Erlebnissen entgegenkommen.

Convenience wiederum bedeutet: Der Konsument möchte es beim Waschen, Putzen und Reinigen bequem, unkompliziert und äußerst praktisch haben. Convenience ist ja auch das Schlagwort für unsere Innovation der Persil Discs. Die vordosierten Persil-Tabs im 4-Kammern-System, die wir Mitte 2019 lanciert haben, wurden von den Konsumenten sehr gut angenommen. 

Zusätzlich berücksichtigen wir für alle unseren Neuentwicklungen den Nachhaltigkeitsaspekt, das ist der Trend Nummer 3. Wir machen das mit dem Tool „SustainabilityMaster#“, mit dem wir den Umwelt-Impact umfassend analysieren und bewerten können. Denn jede Innovation, die wir auf den Markt bringen, muss für uns zumindest einen ökologischen Vorteil zum vergleichbaren Vorgängerprodukt aufweisen. 

Zugleich bieten wir beispielsweise unter der Sub-Range Pro Nature spezielle Öko-Varianten unserer großen Marken Silan, Pril und Blue Star an.

retailreport.at: Verpackung ist kein Thema?

Verpackung ist ein Mega-Thema. Durch die öffentliche Kunststoffdiskussion wird Nachhaltigkeit im Speziellen von den Konsumenten vor allem im Verpackungsbereich eingefordert. Henkel hat sich daher unter anderem dazu verpflichtet, bis 2025 100 % seiner Verpackungen wiederverwendbar, kompostierbar oder wiederverwertbar zu machen. 

Außerdem wollen wir bis zum Jahr 2025 den Anteil an neuem Kunststoff aus fossilen Quellen in unseren Konsumgüterprodukten um 50 % senken. Wie schaffen wir das? Insgesamt weniger Kunststoff einsetzen - wie wir das bei unserer Verpackung für die Persil Duo-Caps bzw. Persil Discs-Packung, mit Greiner gemeinsam entwickelt, vorexerziert haben. Außerdem wollen wir den Anteil an Recycling-Kunststoff in unseren Verpackungen weiter erhöhen und vermehrt auch bio-basierte Kunststoff-Varianten einsetzen.

retailreport.at: Gibt es noch andere Beispiele?

Ja, unsere Pril-Flaschen und demnächst auch die Flaschen für unsere wichtigsten Silan-Varianten bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik. Fewa-Flaschen wiederum sind seit März zu 50 Prozent aus recyceltem Plastik. Im Fall von Pril Pro Nature mit 100 Prozent Recyclat-Einsatz für die Flasche liegt zusätzlich der Social Plastic-Anteil - hier arbeiten wir international mit der Plastic Bank zusammen - bei 25 %.

retailreport.at: Ist man in Europa/Österreich nicht in einem dermaßen gesättigten Markt, dass es schwierig ist, Wachstum zu generieren?

Nein, die Laundry & Home Care Kategorien sind keineswegs gesättigt. Das zeigen die Zahlen der Haushaltspenetration in bestimmten Produktkategorien. Ein Blick auf die GfK-Analyse der Käuferreichweite belegt beispielsweise, dass für Bad- oder Glasreiniger die Käuferreichweite unter 40 % liegt. Bei Desinfektionsmitteln beläuft sie sich auf knapp ein Viertel. Das wird sich jetzt sicher ändern. Auch bei WC-Hygiene (Beckensteine), bei WC-Reinigern und bei Weichspülern ist mit einer Quote von jeweils rund 50 % noch viel Luft nach oben vorhanden.

retailreport.at: Worauf wartet der Handel/der Konsument noch im Bereich WPR?

Der Handel erwartet von uns – und zwar im Normalbetrieb, das möchte ich angesichts der jetzigen Krisensituation ganz stark betonen - Impulse für die verschiedenen Kategorien, die wir durch Category Management und Shopper Insights abzudecken versuchen. Der Konsument wiederum erwartet – auch hier liegt meine Betonung: im Normalfall und nicht im Krisenmodus - für ihn Nutzen oder Zusatznutzen stiftende Innovationen. Das wollen wir durch unseren Fokus auf Premium, auf Convenience und auf Nachhaltigkeit in Form neuer, attraktiver Produktangebote umsetzen.

retailreport.at: Das Verhältnis zum Handel in Österreich ist teilweise angespannt (Jö, Aktionen,..). Wie kommt man als Henkel gut aus der Situation heraus? Gibt es heute noch Zusammenarbeit?

Natürlich. Bildhaft gesprochen sitzen der Handel und die Industrie in einem gemeinsamen Boot und wollen beide den Konsumenten mit auf die Reise nehmen. Gerade unsere aktuell so schwierige Situation zeigt, dass es grundsätzlich nur im Miteinander geht. Bei Henkel sprechen wir strategisch vom ganzheitlichen Wachstum, einem „Purposeful Growth“, ein Wachstum, das darauf abzielt, auch herausragende Werte für Kunden und Konsumenten zu schaffen oder beispielsweise den Aspekt Nachhaltigkeit ganz stark zu berücksichtigen.

retailreport.at: Ihre kurz- und langfristigen Ziele?

Im Moment sollte es vor allem unser Ziel als Gesellschaft sein, die Coronavirus-Krise gemeinsam zu bewältigen, als Menschen füreinander da zu sein und uns gegenseitig zu helfen. Das Allerwichtigste ist: gesund bleiben. 

Jaroslava Haid-Jarkova

Veröffentlicht am

20.03.2020