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Erste Gemeinschaftskampagne des österreichischen Handels

Richtig gute Kampagne

Eine gemeinsame Kampagne des Handels bringt es auf den Punkt: Tu Gutes und rede darüber!

Man wirft dem Handel oft vor in stetiger Konkurrenz zu leben - im Geschäft ist das auch wichtig, wenn es aber um gemeinsame Anliegen geht, dann ist der gemeinsame Schulterschluss wichtig. Und gerade dann, wenn ausländische Online-Händler den heimischen Markt aufmischen wollen - und das auch noch mit unfairen Mitteln in Bezug auf Steuer und rechtlichen Themen - dann ist der Geduldsfaden bei vielen gerissen. Denn der heimische Handel kann viel, tut viel und wird nun auch in Zukunft darüber reden. 

Der Handel ist der umsatzstärkste Sektor des Landes, zweitgrößter Arbeitgeber und drittgrößter Lehrlingsausbilder. Der Handel steht für und in Österreich, denn alleine die 6.340 Standorte aus Lebensmittelhandel und Drogeriefachhandel ohne Sporthandel, Schuhhandel, Bekleidungshandel, Möbelhandel und alle anderen haben ihren Standort – in Österreich! Nun holt eine groß angelegte Kampagne alle Vorzüge vor den rot-weiß-rotem Vorhang: Steuerfairness, Regionalität und Wertschöpfung im Lande.  

Ab 8. Juli werden 6 Wochen lang 15.000 Plakate mit den Logos österreichischer Händler das Straßenbild Österreichs prägen, um ein gemeinsames Zeichen für Steuerfairness, Regionalität und Wertschöpfung in Österreich zu setzen. In allen Bundesländern und in jeder Region. Eine Anlehnung an die Kampagne der MAV ist zu erkennen, was aber nichts Negatives bedeutet, denn aus Erfahrung des Markenartikelverbandes weiß man, dass solche Kampagnen beim Konsumenten einschlagen.

Die Kampagne, die vom Handelsverband initiiert wurde, vereint 16 Mrd. Umsatzvolumen und somit die größten Händler in dieser ersten Tranche (Rewe, Hofer, Lidl und Unimarkt, Obi, Hartlauer, Conrad, MediaMarkt, Hervis, Tchibo/Eduscho, Tupperware, Dorotheum, Deichmann, C&A sowie Kastner & Öhler). Eingeladen zur Teilnahme an der Kampagne sind explizit auch kleine und mittelständische Händler (KMU), die sich im Rahmen der kostenfreien Initiative www.kmu-retail.at anschließen und die Sujets über diesen Weg für eigene Marketing-initiativen – vom POS-Material bis hin zum Homepage-Banner – schon ab 80 Euro erwerben können. 

Warum jetzt?

Man fragt sich, warum kommt die Kampagne jetzt veröffentlicht kommt: es ist immer und nie der richtige Zeitpunkt und aller Anfang ist wichtig. Und: 

Der Handel ist ein Rückgrat der österreichischen Volkswirtschaft ist. 

Er stellt die Nahversorgung von Millionen Menschen sicher und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität. Als Jobmotor stellt der Handel insgesamt – vom KMU bis zum Großkonzern – jeden 5. Arbeitsplatz in Österreich. Er bildet 15.000 Lehrlinge aus, offeriert flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten, Sicherheit und Zukunftschancen. Der Handel zahlt über 15 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben an den Staat und leistet einen entscheidenden Beitrag zur nationalen Binnenkonjunktur. Der Handel ist Auftraggeber für Bau, Infrastruktur, Landwirtschaft, Dienstleister, Produktions- und Verarbeitungsbetriebe. Betrachtet man alle ökonomischen Effekte, sichert allein der Lebensmitteleinzelhandel über 14 Milliarden Euro des BIP. Er investiert in Innovation, fördert Startups, treibt die Digitalisierung voran. Österreich ist Weltmeister im Bereich der Bio- Landwirtschaft. Alle Produkte unterliegen strengen Produktsicherheitsgesetzen auf nationaler oder EU-Ebene. Er setzt sich proaktiv für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. 

Das Kaufverhalten hat massive Auswirkungen auf die Gesellschaft

Mehr als 600.000 Menschen beschäftigt der Handel, er bietet vielfältige Anstellungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, sichert auch in Krisenphasen Jobs und Zukunftschancen. Allerdings fließen bereits 4,5 Mrd. Euro der Konsumausgaben der Österreicher ins Ausland ab, an digitale Giganten wie Amazon, Alibaba oder Wish. Das entspricht rund 25.000 Arbeitsplätzen, die dem heimischen Arbeitsmarkt jährlich entzogen werden, Tendenz steigend. Das Problem: Diese Digitalkonzerne zahlen im Schnitt nur 9% an Gewinnsteuern, während jedes österreichische Unternehmen mit ca. 23% besteuert wird. Diese Einnahmen fehlen dem heimischen Sozialsystem und damit unserer Bevölkerung. 

Die Kampagne ist auch ein Appell an die Politik, faire Rahmenbedingungen herzustellen. 

Das geänderte Kaufverhalten ist auch Resultat der unfairen regulativen Bedingungen, die zu Lasten der beschäftigungsintensiven heimischen Händler wirken und die von digitalen Unternehmen aus Drittländern strukturell ausgenutzt werden. Vielfach werden Verbraucherschutz-, Produktsicherheits- und Umweltschutzbestimmungen nicht eingehalten, Zoll- und Mehrwertsteuern umgangen oder Produktfälschungen verkauft. 

Wer ist österreichischer Händler?

Der Hauptsitz eines Handelsunternehmens spielt für die Initiative keinerlei Rolle, es wird nicht unterschieden, ob es sich um ein deutsches, französisches oder außereuropäisches Unternehmen handelt. „Wir holen nationale wie internationale Handelsunternehmen vor den Vorhang, die in Österreich Werte schöpfen, die Arbeitsplätze schaffen, die ausbilden, die hier Steuern, Abgaben und in die Sozial- und Pensionstöpfe einzahlen, innovativ und nachhaltig agieren und damit unser wunderbares Land stärken“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. „Auch der Vertriebskanal spielt keine Rolle: Wir lieben den stationären Handel und wir lieben eCommerce! Hauptsache fair und auch aus ökologischer Sicht möglichst regional.“ 

Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit der Werbeagentur Hello rund um Peter Hörlezeder. Die Kampagnenmechanik wurde in Kooperation mit der Mediaagentur Media1 entwickelt, eine der wenigen nationalen, von internationalen Medianetzwerken unabhängigen, Agenturen Österreichs. Zentrales Element der Kampagne ist auch die Kampagnen-Website www.gut-kaufen.at, die die wichtigsten Kennzahlen und Fakten zur Bedeutung des Handels als Rückgrat unserer Wirtschaft darlegt. 

Wertschöpfung

Eine Studie, die die Jahre 2017 und 2018 als Messgrößen hernimmt, besagt, dass der LEH mehr als 160.000 Arbeitsplätze sichert und Beitrag zum BIP von über 14,6 Milliarden Euro leistet. Die Einnahmen aus Abgaben, Steuern und aus Sozialversicherungsbeiträgen durch die Tätigkeiten des LEH belaufen sich auf insgesamt € 5,4 Milliarden Euro. Jene Branchen, die am stärksten von den indirekten Wertschöpfungseffekten des LEH profitieren, sind neben der öffentlichen Hand v.a. die Sachgütererzeugung (1,3 Mrd. Euro) und die Landwirtschaft (413 Mio. Euro). Dabei ist der durchschnittliche Ertrag des LH nicht gerade erfreulich, er liegt (laut KMU Forschung) bei 1,4%, während der durchschnittliche Ertrag des Handels bei 3,6% liegt. Den höchsten Wert erzielt der Elektrohandel mit 4,6%. 

Zu guter Letzt…

… gibt es einen internationalen Handel und der wird zur Zeit von der Diskussion rund um Mercosur geprägt. Zur Einigung der EU mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur auf ein Freihandelsabkommen sagt der Handelsverband: Wir sprechen uns naturgemäß für freien Handel und damit nicht grundsätzlich gegen Mercosur aus. Aber zwei Dinge sind wichtig: Erstens braucht es transparente Verhandlungen, damit eine breite öffentliche Diskussion über Freihandelsabkommen wie jenem zwischen der EU und Mercosur stattfinden kann und zweitens muss für jeden Abbau von Handelshemmnissen ein Gebot der Fairness gelten, d.h. die hohen europäischen und vor allem österreichischen Qualitätsstandards bei Lebensmitteln müssen unbedingt erhalten bleiben. Ein abschließendes Beispiel: "In vielen Bereichen, etwa bei Bio-Eigenmarken, sind die Standards der heimischen Lebensmittelhändler bereits heute höher als vom österreichischen Gesetz gefordert. Dieses hohe Niveau und die Top-Qualität unserer Produkte dürfen unter keinen Umständen konterkariert werden", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. 

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Veröffentlicht am

02.07.2019