Corona verdrängt Umweltschutz

Gegen den Klimawandel hilft keine Impfung

Am heurigen Weltumwelttag (5. Juni) hat es die „Umwelt“ schwer: wenige sprechen über sie, da Corona für die Menschheit derzeit wichtiger ist.

Am 5. Juni war Weltumwelttag. „Fridays for Future“, Klimaschutz und Umweltschutz scheinen nur noch am Rand aufzutauchen, Corona hat ihnen den Themen-Rang abgeworben. GfK Austria hat erhoben: Das Coronavirus sowie die gesetzten Maßnahmen selbst haben dazu geführt, dass sich Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen unglaublich schnell ändern (mussten). Seit Anfang April konnte man eine Verschiebung der Wertigkeit der unterschiedlichen Sorgenfelder der Österreicher beobachten. Die Umweltverschmutzung gehörte für 44% der österreichischen Befragten vor der Pandemie zu den größten Sorgen – der Klimawandel für 41%. Inzwischen macht man sich zwar die größten Sorgen um Pandemien (40%), Rezession und Arbeitslosigkeit (22%). Der Klimaschutz spielt trotzdem für 23% der Österreicher die zweitwichtigste Rolle im persönlichen Wertegefüge.

Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich hat sich dazu Gedanken gemacht.

„Während in vielen Fairtrade-Anbauländern immer noch Ausgangssperren gelten und das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen gekommen ist, planen wir in Österreich bereits wieder, unsere Masken nach und nach abzulegen und öffnen bald wieder die Grenzen zu unseren Nachbarländern. Die erste Welle der Pandemie scheint weitgehend überstanden, nun gilt es die Lage unter Kontrolle zu halten. Jetzt ist es auch an der Zeit wieder in die Zukunft zu blicken. Bei den Corona Maßnahmen ist der Schutz der Risikogruppen, allen voran älteren Menschen im Fokus gestanden. Eines der drängendsten Themen, das für die nächsten Generationen von essentieller Bedeutung ist, wurde dabei in den Hintergrund gedrängt.

Gegen den Klimawandel hilft keine Maske und es wird auch nie eine Impfung geben. Wenn wir jetzt zögern, verspielen wir die Chance, Lebensgrundlagen für die Generation von Morgen zu sichern. Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit gibt es viele, aber auch die Unkenrufe jener, die von Schonzeiten und Schutzfristen für die globale Wirtschaft sprechen, nehmen zu. Es wäre fatal, jetzt Umweltschutzauflagen als Hindernis für die Wirtschaft zu sehen. Sie können vielmehr ein Motor für zukunftsorientiertes Wachstum sein, wenn man die Rahmenbedingungen dafür richtig setzt. Ebenso wäre es für die längerfristige politische Lage katastrophal, nun Arbeitnehmerrechte auszuhöhlen und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Gewerkschaften zu schwächen. 

Was es jetzt braucht, sind Unternehmen, die bereit sind, nach vorne zu blicken und die gestalten wollen anstatt reflexartig auf wenig zukunftsorientierte Konzepte zu setzen. Und politische Gestalterinnen und Gestalter, die das unterstützen. Die Zeit ist gekommen, schon lange geforderte Änderungen im Steuersystem anzupacken. Nach den unmittelbaren Unterstützungsmaßnahmen in der Krise, sollte nun eine Zeit der Reformierung folgen. 

Es gilt, unseren Standort zukunftsorientiert und dennoch wirtschaftsfreundlich auszurichten. Die Corona-Krise hat ihren Preis, das steht fest. Der Shutdown mit all seinen Konsequenzen hat unvorstellbar viel Geld gekostet, das lässt sich nicht mehr ändern und war ein notwendiges Übel, um Menschenleben zu retten. 

Wir können aber entscheiden, ob wir diesen Preis in erster Linie auf dem Rücken kleiner und mittlerer Einkommen und durch Schulden für künftige Generationen bezahlen möchten, oder über CO2-Steuern und Abgaben für Finanztransaktionen. Die Zeit ist gekommen, das Wohl Vieler über den Profit Weniger zu stellen und endlich anzupacken was viele Expertinnen und Experten seit Jahren fordern. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob die Krise tatsächlich eine Chance für unsere Gesellschaft ist oder aber ein Vergrößerungsglas für Ungerechtigkeiten, die immer weiter zunehmen. Wir haben es selber in der Hand, für Veränderung zu sorgen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.“

 

Veröffentlicht am

08.06.2020