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Gregor Herzog neuer Vorsitzender von GS1 in Europe

GS1 Austria: Herkunft und Circular Economy im Fokus

Im Interview mit GS1 Austria Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog erfahren wir, wie robust und somit hilfreich die Standardisierung wirklich ist.

Der langjährige GS1 Austria Geschäftsführer und nun neue GS1 in Europe Chairman Mag. Gregor Herzog ist mit seinem Team im März 2020 auch vor einem plötzlichen Novum gestanden: mit Lockdown I stand von einem Tag auf den anderen das ganze Land still. Nur EDI-Nachrichten haben sich standhaft dem Virus widersetzt: 300 Mio. sind es pro Jahr und die Expertise zeigt, dass auch in schwierigen Zeiten die Datenübertragung, die für Handel und Industrie so wichtig ist, reibungslos funktioniert. Noch mehr: es gab in den vergangenen Monaten einen zweistelligen Anstieg an GS1-Kunden in Österreich, weil viele große und kleine Händler und Produzenten auf die etablierten sowie neue Plattformen drängen. Und auch hier verspricht und hält GS1 Austria Robustheit.

„Es findet ein massiver Strukturwandel im Handel, aber in der gesamten Wirtschaft statt“, so Gregor Herzog. Vielerorts wird es 2021 schwierig werden für Unternehmen, dass sie so weitermachen können, wie vor der Corona-Krise. Ein Umdenken wird erforderlich sein. „Die gute Nachricht ist: die Lieferketten sind zwar sehr komplex, funktionieren aber für Lebensmittel ausgezeichnet. Das hat man schon alleine daran gesehen, mit welcher Geschwindigkeit von Seiten diverser Industriepartner reagiert wurde: Rohstofflieferanten, Verpackungslieferanten, die b2b-Ware war stets verfügbar“, lobt Herzog die Logistik der Zulieferindustrie. „Efficient replenishment“ nennt man es in der Fachsprache, es geht einfach gesagt darum, dass alles, was verkauft wird auch in time nachgeliefert wird. „Wir hatten überraschenderweise wenig ‚out-of-shelf‘-Situationen“, so Herzog. Alle Teilnehmer brachten in diesen schwierigen Situationen eine beachtliche Flexibilität ihrer Geschäftsmodelle ans Tageslicht.

Zwei große Themen: Circular Economy und Herkunft

Wenn der Notfall-Modus des Landes wieder vorbei ist, dann werden einige Themen sehr akut. Die meisten davon betreffen im weitesten Sinne die Nachhaltigkeit und zwei davon liegen GS1 Austria in der nächsten Zeit sehr am Herzen: Circular Economy und Herkunft/Regionalität.

Um eine gute Kreislaufwirtschaft zu leben, muss man wissen, WORAUS ein Produkt und seine Verpackung bestehen. All diese Infos sind bei GS1 Austria gebündelt: woraus besteht die Verpackung, wie muss sie entsorgt werden, wie kann sie wiederverwendet werden? „Dabei handelt es sich um sehr technische Daten, die aber enorm wichtig sind“, sieht Herzog in die Zukunft. „Nehmen wir als Beispiel ein modernes Gebäude, gebaut nach den aktuellen Smart Building-Standards. Es sind hochkomplexe Gebäude, die laufend gewartet werden müssen und somit eine echte Herausforderung darstellen. Nun muss angenommen ein eingebauter Ventilator ausgetauscht oder repariert werden. Hat man keine genauen Daten über dieses Produkt, so muss man mühselig alles auseinandernehmen, um zu den Infos zu kommen“, so Herzog. „Sind die Daten des Ventilators aber bereits vergeben und in einem synchronisierten Modul beschrieben, geht ein Austausch oder eine Reparatur sehr schnell und unaufwendig. So geht es, wenn die Daten bei GS1 genau hinterlegt sind: identifizieren, Infos einholen, bestellen“.

Und die Zeit rast. Ein gutes Beispiel ist die EU-Verordnung, die 2026 in Kraft tritt und die genaue Erfassung aller Art von Batterien vorgibt. Durch diese Erfassung weiß man wie die einzelnen Bestandteile wiederverwertet werden können.

„Circular Economy“ ist eine neue Ebene der Entsorgung, mit der Kreislaufwirtschaft drehe ich ein Produkt mehrmals und bleibe auf der gleichen Ebene. Was bedeutet das? „Künftig sollen Rohstoffe etwa einer Produktverpackung in möglichst derselben Qualität im Kreislauf gehalten werden. Dafür brauche ich Informationen über die einzelnen Rohstoffe und diese Stammdaten kann GS1 drehen – zum Beispiel über GS1 Sync. Die Info-Drehscheibe stellt schon heute Stammdaten zu 150.000 Endverbrauchereinheiten zur Verfügung. Diese sind einheitlich strukturiert und für die Effizienz ganz wichtig: überbetrieblich, d.h. sie stehen allen zur Verfügung.

Fakt ist: Circular Economy bedarf einer internationalen Standardisierung, auch weil viele Verpackungen importiert werden.

Herkunft, Regionalität und Rückverfolgbarkeit

Die Krise hat es ans Tageslicht gebracht: die Verbraucher wollen wissen, wo ihre Nahrung herkommt und steuern ganz bewusst auf regionale Herkunft zu. „Dieses Thema wollen wir aktiv bearbeiten“, meint Herzog. „Ausgangspunkt ist die Gemeinschaftsverpflegung. Wenn die Regierung aus dem Notfalls-Modus wieder rauskommt, dann erwarten wir hier schon, dass an diesem Thema, wie im Regierungsprogramm vorgesehen, gearbeitet wird“.

GS1 Austria bietet hier eine Art „Menükarte“, d.h. Lösungen je nach Kundenwunsch. Für den Fall, dass die Herkunft immer gleich bleibt, kann die Herkunftsangabe als Teil der Produktinformation im Stammdatenpool GS1 Sync abgebildet werden. Variieren Herkunftsangaben von Charge zu Charge, so können diese Informationen durch einen EDI-Lieferschein bereitgestellt werden. Soll jedoch die gesamte Lieferkette zwischen Herkunft und Endprodukt transparent sein, dann sind sogenannte Events zu dokumentieren: Wo und wann wurde wie produziert, geschlachtet, verarbeitet? Dafür eignet sich das Rückverfolgbarkeitsservice GS1 Trace. Dieses wird bereits im Fleisch- und Fischbereich erfolgreich angewandt. In nächster Zeit sollen Obst und Gemüse folgen.

„Monoprodukte wie Fleisch sind oft hochemotional und Rückverfolgbarkeit auch für den Konsumenten interessant. Verarbeitete Produkte sind nicht so im Fokus der Verbraucher. Nehmen wir Energy Drinks: da fragen nicht viele, woher die Zutaten kommen“, provoziert Herzog ein wenig.

Fakt ist auch hier: der Konsument ist bewusster geworden, wenn es um seine Nahrungskette geht. Deshalb wird hier mit GS1 Austria identifiziert bis ins kleinste Detail.

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Veröffentlicht am

22.01.2021