Mag. Gregor Herzog, Geschäftsführer von GS1 Austria

Schaltstelle für Wissensvermittlung

GS1 Austria ist die zentrale Anlaufstelle bei Fragen zu Circular Economy. Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog im Interview.

Die Geschwindigkeit, mit der sich das Thema Verpackung ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Handel und Industrie gerückt hat, ist nahezu atemberaubend. Bis vor einigen Jahren hat man als Hersteller und Händler noch den Verpackungsfirmen die Entscheidung überlassen, in welche „Hülle“ ein Produkt kommt. Das hat sich um 180 Grad geändert: alle reden mit. Alle, das sind Händler, Hersteller, Verpackungsfirmen und die Politik.

Wo sieht sich GS1 Austria hier?

„Wir verstehen uns auch in diesem Bereich als diejenigen, die mit der ECR Initiative Wissen und Information auf höchster Qualitätsstufe zusammentragen und schließlich professionell weitergeben“, so GS1 Austria-Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog. Das hat bis dato bei vielen Projekten sehr gut funktioniert: Stammdaten, Logistikstandards, Nachrichten für den elektronischen Datenaustausch (EDI).

Bei Circular Economy wird diese probate Vorgehensweise etwas auf die Probe gestellt. Nicht, weil ECR etwa nicht soviel Augenmerk auf das Thema legt – nein, im Gegenteil: weil die ganze Thematik äußerst komplex ist. Wohl so komplex, wie kaum ein anderes Thema zuvor. Zahlreiche äußere Faktoren fließen in „Circular Economy“ hinein: von weltweiten politischen Regulierungen, über Untersuchungen und Studien der Wirtschaft an sich bis hin zu Aussagen der NGOs, die mittlerweile auf einem hohen Standard angelangt sind. „Wir sehen uns genau an diesem Punkt als Schaltstelle für Wissensvermittlung – wenn auch das Sammeln und Aufbereiten der Informationen viel Energie abverlangt“, so Herzog. Denn: wer hat recht bei diesem Thema? Nehmen wir das Thema Plastik und Glas, um nur eines der zahlreichen Diskussionsthemen wieder in den Mittelpunkt zu stellen: ist Plastik so schlecht, wie es oft beschrieben wird? Und Glas so gut? Auch wenn man EW-Glas hernimmt, ist Plastik trotzdem mit einem schlechteren CO2-Fußabdruck markiert? Welchen Einfluss haben Regionalität, Transport oder Sicherheit des Produktes? Wo setzt die Nachhaltigkeit tatsächlich ein und wie wissen die Konsumenten, wem sie vertrauen können?

Beim Nachdenken über all diese Themen könnte einem schwindelig werden. Damit das nicht passiert, geht man in den ECR Arbeitsgruppen systematisch, sachlich und unabhängig vor. 

Ein Raster über das Thema gelegt

Schritt für Schritt und ohne Materialstoff-Bashing geht man an die Sache heran. 

Woher kommt Circular Economy? Die international und vor allem europäische Politik hat das Thema aufgegriffen. Die Ursprünge liegen in den viel zitierten Recyclingquoten und somit hat man in der EU und auch in Österreich wieder das Thema „Einweg-Pfand“ aufs Tapet gebracht. Deshalb gehört hier wiederholt die Sinnhaftigkeit diskutiert, schon alleine deshalb, weil Verpackung nicht nur den Lebensmittelhandel, sondern auch den Handel mit Consumer Electronics und vielen mehr betrifft.

Re-Cycling oder De-Recycling: man startet in der Verpackung zu Beginn meist mit einem sehr hochwertigen Produkt. Nehmen wir Glas. Daraus wird wiederum Altglas,  recycled Glas oder Dämmstoff. Mit dem Rohstoff wird also länger und öfter etwas gemacht, die thermische Verwertung muss in die Bewertung von Verpackung miteinfließen. „Ein wesentlicher Punkt, der dabei unterstützend helfen kann, sind die GS1-Stammdaten. Mit Hilfe dieser kann man genau beschreiben, um welche Verpackung es sich handelt“, erklärt der GS1 Austria-Chef. 
Ein anderes Beispiel sind „gefährliche“ Abfälle Im EDM (Elektronisches Daten Management) des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus werden Entsorgungsunternehmen, Abfallarten mit GS1 Nummern wie der GTIN (Global Trade Item Number) identifiziert. . „GS1 bekommt nochmals eine neue Bedeutung, indem wir die Verpackungen miteinbeziehen. Der Anspruch heißt: den gesamten Warenstrom begleiten“, so Herzog. Das Interessante daran ist: früher hat der Warenfluss damit geendet, wenn der Konsument das Produkt gekauft hat. Heute geht man einen großen Schritt weiter – wie wird entsorgt? Nicht umsonst wurde die Arbeitsgruppe „Circular Packaging“ ins Leben gerufen.

Am anderen Ende des Warenstroms beobachtet man auch, woher die Energie zur Herstellung eines Produktes kommt. Woher kommt der Strom? Der Rohstoff?

Analyse für die Transparenz

ECR Austria und GS1 Austria arbeiten hier engmaschig zusammen. „Wir sammeln und strukturieren das Wissen nach dem letzten Stand der Wissenschaft und geben es weiter“, verspricht Gregor Herzog. Und die Experten bei ECR Austria und GS1 Austria greifen viele Branchen an und machen sie transparent: Handel, Gastro, Pharmazie , um nur einige zu nennen. Man könnte auch sagen: sie sind die Datendrehscheibe für Konsumgüter. Beim Konsumenten hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden, was Verpackung und Produkte anbelangt. Heute freut man sich über Alternativen wie „gelaserte Früchte“, um ein Beispiel aus der Praxis zu nehmen. Und es mündet vieles in einer anderen Form des Wettbewerbs im Handel, der nämlich häufig nicht mehr ausschließlich über die Preiskampagnen geht, sondern über Nachhaltigkeits-Kampagnen.

Die Stufen: Herkunft (ausschließlich woher kommt das Produkt), Rückverfolgbarkeit (jeder einzelne Schritt wird dokumentiert) bis hin zu Verpackung sind die großen Player in der Akzeptanz beim Kunden. Recycled, De-cycled, Verpackungsvermeidung, -wiederverwertung und -entsorgung sind jene Grundbegriffe, die uns noch lange Zeit beschäftigen werden. Mit der neuen ÖVP-Die Grünen-Regierung wahrscheinlich noch mehr als früher. 

Und umso größer wird die Bedeutung einer zentralen unabhängigen Stelle wie GS1 Austria, die aus Wissen und Information sachlich das Beste für Wirtschaft, Politik und Konsumenten herausholt.

Veröffentlicht am

22.01.2020