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"Retail Navy Seals"

Fritz Seher denkt über Eliteeinheiten und Kaderschmieden für Führungskräfte nach - anhand des Beispiels Hofer.

"The only easy day was yesterday" ("Der einzig leichte Tag war gestern"). Dieser Leitspruch der US Navy Seals, einer Eliteeinheit der amerikanischen Armee, könnte auch für den österreichischen Handel, insbesondere für einige herausragende Leitbetriebe gelten. Diese Unternehmen auf Ihrer Suche nach exzellenter Performance sind die Handelselite – die retail navy seals. Was bedeutet Elite? Als Elite benennt man eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen, die, ausgestattet mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein, Leistungswillen, Innovationskraft und bedingungsloser Loyalität zum Unternehmen, als best practise Beispiel gelten darf.

Der Erfolg einzelner Unternehmen hat keine Geheimnisse sondern beruht auf gelebten Prinzipien. Am Beispiel des Einzelhändlers Hofer sind nachfolgend nur einige wenige Beispiele  herausgegriffen:

  1. Ehrliche Liebe zum Kunden. Von einer über Jahrzehnte tatsächlich gelebten Reklamationskultur („Der Kunde hat immer recht!“) bis hin zur vertrauensbildenden Interaktion ( social media ) mit Kunden reicht der Bogen. Kundenverärgerung kommt bei Hofer gleich nach einem Eigentumsdelikt, was die Konsequenzen betrifft. Und jeder Mitarbeiter weiß dies auch. Das Narrativ „Was wäre unsere Geschichte ohne die ihre?“ ist ein schönes Beispiel, wie man Kunden ins Boot holt, sie zu emotionalen Teilhabern und letztlich ganz subtil damit auch zu Siegern macht. Wenn das Gerücht, Kunden hätten den genialen Werbespruch „Da bin ich mir sicher“ geliefert, nicht stimmen sollte, dann ist es gut und sehr glaubhaft erfunden.
  2. Gesellschaftspolitisches Engagement.Frühzeitige Themenbesetzung schafft den first mover advantage. Nicht wenn der Zug bildlich schon rollt und alle aufgesprungen sind, sondern wenn er noch im Bahnhof steht, wird Stellung bezogen und professionell kampagnisiert. Nicht Nachahmer sondern Trendsetter sein, ist das Ziel. Ob Co2 –Neutralität, Bienen  oder andere klientelbewegende Themen, teure Werbeaufwendungen  werden dafür großzügig gewidmet.
  3. Starke Innovationskraft und Antizipation von zukünftigen Entwicklungen. Bestes Beispiel dafür ist die Mitarbeitersituation. Es ist paradox, dass das Handelsunternehmen mit den niedrigsten Personalkosten gleichzeitig die höchsten Gehälter bezahlen kann. Damit ist jedenfalls gesichert, dass Mitarbeitermangel nicht zur Wachstumsbremse werden kann. Trotzdem setzt man einen nächsten, zukunftsweisenden Schritt. Am Standort Eberstalzell, unweit der österreichischen Hauptzentrale in Sattledt, entsteht mit „Alpha Retail Network“ eine Kaderschmiede für künftige Führungskräfte. Eine Kombination aus Beruf und Studium auf 16.000 qm. In Zusammenarbeit mit universitären Einrichtungen wurde ein Studienzweig eingerichtet, der nicht neben sondern inder Arbeit den Erwerb eines akademischen Grades ermöglicht. Die Auswahl der besten Köpfe wird auf den frühestmöglichen Zeitpunkt vorverlegt und ermöglicht hautnahe Potentialbeobachtung. Dass diese Entwicklung auch unmittelbar mit dem Kampf stationärer Handel gegen den online Handel und mit der forcierten Digitalisierung zu tun hat, ist keine vage Vermutung.
  4. Umsetzungsstarke Führungsstruktur und Vorbildwirkung.. Es gibt drei wesentliche Entscheidungsachsen: a) die GF´s und die HGF´s (Landesgeschäftsführer) die“ Offiziere“, b) den Verwaltungsrat in Mühlheim, den „Generalstab“ und c) den Eigentümer, „Oberbefehlshaber“. Der Oberbefehlshaber ist der Enkelsohn des legendären Firmengründers Karl Albrecht. Warum eine Generation übersprungen wurde, ist nur Insidern bekannt. Die erste Gruppe – mit einem unfassbar niedrigen Durchschnittsalter – scheint mit dem Eigentümer eine gute Wellenlänge und sehr gute Kommunikation zu haben, nicht zuletzt infolge seines korrelierenden Alters. Der „Generalstab“, ältere, sehr erfahrene Manager, überwacht penibel den Geschäftsgang, bereitet strategische Entscheidungen vor und nimmt Kassandrafunktionen wahr. Die gesamte „Armee“ hat verinnerlicht, dass Erfolg von Vorbildern lebt. Wer kein Vorbild ist, wird gnadenlos „degradiert“.
  5. Liebe zum Detail. Beispiel: der „Zitronen-Mythos“ – eine möglicherweise wahre Geschichte: Wenn höchstbezahlte Topmanager, die wissen, dass die Zitrone ein Leitprodukt der O+G Abteilung ist, persönlich und stichprobenartig die Qualität, den Geschmack, ja sogar den „Ausbeutungsgrad“ der gelben Frucht prüfen, kann man sich unschwer vorstellen, dass diese Liebe zum Detail auch  bei allen Mitarbeitern zur Selbstverständlichkeit wird.

Es gibt im Lande einige Unternehmen, welche es mit vielen  der genannten Beispiele aufnehmen können. Aber: auf den Perfektionsgrad kommt es an! Da bin ich mir sicher!

Veröffentlicht am

06.08.2018