Mag. Reinhard Korner, Geschäftsführer der Glatz GmbH, im Interview mit retailreport.at

Glatz: Vertriebliche Weiterentwicklung

Das Familienunternehmen Glatz besteht nunmehr seit mehr als einem Jahrhundert. Stillstand kennt man im Unternehmen allerdings nicht.

In gewisser Weise ist Mag. Reinhard Korner, seit Oktober 2020 Geschäftsführer bei Glatz GmbH, ins kalte Wasser gesprungen. Er startete im Unternehmen in einer Zeit, als Österreich geprägt war von den Hauptthemen rund um Corona: Lockdowns und verändertes Verbraucherverhalten aufgrund von Home Office. Er zählt im Übrigen zu jenen wenigen, die 2020 einen Unternehmenswechsel wagten.

„Trotz Corona habe ich mich in den ersten Wochen gut eingelebt“, so Korner. Das gesamte Team hat die Zeit optimal genutzt, um sich vertrieblich besser aufzustellen. „Wir sind ja im Lebensmittelhandel und im Agrarhandel tätig und beide Bereiche sind sehr wichtig. Deshalb haben wir die Vertriebsoptimierung noch einmal verschärft und uns für die Zukunft gerüstet“, berichtet Reinhard Korner.

Da das Team im Traditionsunternehmen aber ohnehin schon sehr agil und digital arbeitet, war es auch nicht nötig, in Corona-Zeiten einen kompletten Change-Prozess durchzuführen. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass es Bereiche gab, die vom corona-bedingt steigenden in-home Konsum profitieren: Fischkonserven zählen zu den Corona-Gewinnern im Supermarkt, in der Gastronomie bzw. dem vorgelagerten Großhandel gab es natürlich Einbußen.

Im Glück schwimmen

Vor allem die Fischkonserven hatten 2020 ein besonders gutes Jahr. Der Fischkonsum ist am Steigen und wenn nun die Meeresbewohner auch noch in die Dose kommen, sind sie für den vorsorglichen Verbraucher ein wahrer Hit. „Fisch wird immer mehr Teil einer ausgewogenen Ernährung, deshalb wird er immer stärker konsumiert“, beschreibt Korner die Entwicklung. Nuri wird ausschließlich in Portugal hergestellt und Delamaris kommt aus Slowenien. Bei beiden Marken hält man sich ganz streng an die Zertifizierungs-Gesetze.

Fisch in der Konserve legte im letzten Jahr (laut NielsenIQ) im Wert 17% und in der Menge 15% zu. In der Vergangenheit ist die Kategorie stark vom Thunfisch- getrieben und steigerte sich in den letzten Jahren mengenmäßig durchschnittlich etwa um 1-2%.

Heuer aber waren die Marken aus dem Hause Glatz die Treiber schlechthin: Sardinen legten im Wert im Jahr 2020 30% zu und Makrelen um 21% - beide viel stärker als der gesamte Fischbereich Konserve. Nuri wiederum erlebte ein Plus von 37% und Delamaris ein Plus von 21%. Nuri (die Sardine) hat einen Marktanteil von 51% (Wert, exkl. Diskont) und Delamaris (die Makrele) einen Marktanteil von 56% (inkl. Diskont).

„Wir haben kein Mega-Portfolio im Fisch-Konservenbereich, aber das, was wir tun, machen wir höchst professionell“. Das spürt der Handel auch daran, dass Eigenmarken zwar hier eine Rolle spielen, aber die Marke das höchste Vertrauen genießt. Das ist auch logisch, denn gerade bei Fisch und einer Konserve will der Verbraucher genau wissen, was drinnen ist.
Besonders beliebt sind in Österreich Nuri Sardinen in scharf gewürztem Olivenöl. Im Vorjahr wurde von dieser Sorte, die auch Österreichs klare Nummer 1 ist, mehr als 1,5 MillionenDosen verkauft.

Expertise neu gewinnen

Die bereits über Jahrzehnte erworbene Expertise holte sich Glatz in Portugal am Fabriksstandort in Matosinhos, wo auch aktuell in ein Sardinenmuseum investiert wird. Für den heimischen Markt ist der zum permanenten Store mutierte Pop Up Nuri-Laden in der Wiener Herrengasse geworden. Die Klientel, die dort einkauft, ist für den Hersteller goldeswert, da sie immer wieder mit Ideen ins Geschäft kommt, die auch umgesetzt werden könnten.

„Eine Innovation dieser Art sind etwa die beiden Nuri-Öle, die es in den Sorten „extra nativ“ und „Chili Öl“ gibt“, so Korner. Im breit sortierten Handel sind sie gelistet und wurden schon mehrfach ausgezeichnet

Von Innovationen überzeugt

Innovationen braucht die Marke, um beim Verbraucher immer wieder in Erinnerung zu bleiben und um die Bindung zur Marke zu stärken. Delamaris beweist seine Marktführerschaft im Makrelensegment und launcht mit den Sorten Olivenöl, Scharf und Zitrone drei neue Produkte, die genau den Geschmack der Österreicher treffen. Erhältlich sind die Makrelenfilets in der 125 g Dose ab Sommer 2021 bei Billa und Billa Plus sowie bei Metro. Die zarten Makrelenfilets von Delamaris werden von Hand filetiert und ohne Haut oder Gräten verpackt. Sie sind ready to eat und eignen sich so perfekt für den schnellen Snack zwischendurch oder als Zutat für Salate, Pasta- und Reisgerichte. Delamaris setzt bei seinen Produkten auf Natürlichkeit: Die drei neuen Sorten kommen ohne Zusatzstoffe aus, sind glutenfrei und reich an Omega 3.

Bei weitem nicht alles

Fisch ist im Hause Glatz bei weitem nicht alles. Trockenfrüchte und Nüsse unter der Marke Farmer‘s Country und Süßwaren wie Guylian, Nerds oder Jelly Belly sitzen fest im Sattel und erfreuen den Handel und auch den Großabnehmer. Gerade bei Nüssen und Trockenfrüchten war die Zeit des Lockdowns ein Vorteil, Pralinen wie Guylian haben etwas gelitten. „Aber wir merken nun schon eine starke Entspannung, wenn es um diese Warengruppen geht“, meint Korner.

Blick in die Zukunft

Dass stetige Entwicklungen in die Marken und ihre Verpackungen an der Tagesordnung sind, versteht sich bei Glatz von selbst. „Der Handel braucht höchste Qualitätsstandrads und die bieten wir“, verspricht der Geschäftsführer. Deshalb bietet Glatz auch in Zukunft vermehrt starken Markenartiklern seine Vertriebsexpertise an. „Wir verschließen uns nicht neue Marken zu nehmen, die in unser Portfolio passen“, meint Korner abschließend und geht dabei sowohl auf Einzelhandel und Großhandel ein. „Denn: primär sind wir ein Distributionsunternehmen“.

Die neuen Sorten von Delamaris

Veröffentlicht am

28.05.2021