Dipl. BW Stefan Obergantschnig, geschäftsführender Gesellschafter bei Gastro-Data und Verfasser der Auswertungen

Feinzerlegung der Einbußen im Gastro GH

Das GastroPanel von GastroData gibt mit Stefan Obergantschnig detaillierte Auskunft über die Corona-Umsatzeinbußen 2020 im Gastro-Großhandel.

Um 27,8 % gingen die Umsätze des heimischen Gastronomie-Großhandels im Corona-Jahr 2020 zurück. Noch viel aussagekräftiger als dieser Durchschnittswert aber ist das Splitting der Umsatzverluste nach Monaten, Vertriebsformen (Zustellung oder Abholung), Sortimenten und Absatzregionen (Bundesländern). Dipl. BW Stefan  Obergantschnig, Chef des  Marktforschungsinstitut GastroData, hat retailreport.at dankenswerterweise die betreffenden Charts mit Daten aus dem GastroPanel (geschützte Marke) zur Veröffentlichung freigegeben. Dazu, quasi als Ouvertüre, eine Gegenüberstellung der Umsatzentwicklung des Gastro-GH in den drei Ländern der D-A-CH-Region.
Und das sind die wesentlichen Learnings dieses hochrepräsentativen Datenmaterials (siehe untenstehende Charts).

1. D-A-CH -Vergleich:

Mit dem schon erwähnten Umsatzminus von 27,8% im Jahresvergleich 2019/2020 wurde  Österreichs Gastro-Großhandel von der Corona-Krise praktisch ebenso schwer heimgesucht, wie die Branchenkollegen in Deutschland (-27,3%). Unterschiedlich aber waren die Monatsresultate. Während der beiden Lockdowns waren die Rückschläge in A deutlich höher als in D. Hingegen fiel hierzulande die Erholung in den Sommermonaten um einiges höher aus, als beim nördlichen Nachbarn.
Die eidgenössischen Behörden griffen im Herbst zu vergleichsweise milderen Corona-Einschränkungen. Entsprechend geringer waren die Umsatzeinbußen im Vergleich mit D und A. Der Ordnung halber sei erwähnt: Die Schweiz hatte bislang relativ mehr Corona-Todesfälle als Österreich.

2. Warengruppen-Vergleich:

Die Großhandels-Lieferungen von Bier, Wein, Spirituosen und AF-Getränken an die Gastronomie litten überproportional unter den Corona-Auflagen. Glimpflicher verliefen die Einbußen bei Nonfood-Gebrauchsartikeln, Wurstwaren und (Frisch-)Fleisch. Da die Anteile der Direktlieferungen von Produzenten an die Gastronomie je nach Warengruppe unterschiedlich sind, lässt dieses Zahlenwerk nur sehr bedingt Rückschlüsse auf den Corona-Umsatzentgang einzelner Lebensmittel- und Getränke-Hersteller im Geschäft mit der Gastronomie zu.

3. Bundesländer-Vergleich

Hier sind die Spreizungen besonders spektakulär. Trauriger Spitzenreiter ist der Gastro-GH-Umsatz in Wien, mit einem Minus von 36,6%. Der Zusammenbruch des globalen Städte-Flugtourismus dürfte wohl die Hauptursache sein. Dahinter folgen Salzburg (- 31,3%) und Tirol (-29,7%). Wie sehr Corona der Gastronomie im  heimischen Wintertourismus zusetzt, wird wohl erst am Ende der Saison 20/21 zu quantifizieren sein. Relativ am besten schnitten im Jahr 2020 das sonnige Kärnten (-18,4%), gefolgt vom Burgenland (-23,0%) und der Steiermark -23,6%) ab.

4. Vergleich Zustellung und Abholung

Nicht überraschend: Das Gastro-Zustellgeschäft ist mit minus 31,3% deutlich stärker eingebrochen, als die Einkäufe der Gastronomie in den C&C-Märkten (-20,2%). Auf diese Weise sank der Anteil der Zustellumsätze von 68,1% auf 64,7%. Gegenläufig zum langfristigen Trend stiegen damit der Umsatzanteil der Abholmärkte von 31,9% auf 35,3%. Jene Gastro-Großhändler, deren Geschäftsmodell weitgehend auf Zustellung setzt, sind also  von der Krise besonders  schwer betroffen. Und können nur hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat. 

Stefan Obergantschnig war im Gespräch mit Hanspeter Madlberger

DACH Umsatzveränderung
Umsatzveränderung nach Sortimenten
Vergleich nach Bundesländern
Veränderung in den Vertriebsformen

Veröffentlicht am

19.02.2021