Front-Pack-Labels alleine reichen nicht

Front-Pack-Labels alleine reichen nicht

Erweiterte Nährwertkennzeichnungen auf der Packungsvorderseite sind EU-weit in Diskussion. Aber ohne Aufklärung werden sich die Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten nicht ändern.

Front-of-Pack-Labels (FOPL), wie etwa Nutri-Score, können nur ein Baustein sein, wenn es um das gesamte Ernährungskonzept der Zukunft geht. 
Im Rahmen der Farm to Fork-Strategie hat die Europäische Kommission die Einführung eines verpflichtenden und einheitlichen Systems bei FOPLs bis Ende 2022 in Aussicht gestellt. Die Kennzeichnung soll dabei auf verschiedenen Ebenen wirken und die Konsumenten unterstützen, sich einfach und schnell über die ernährungsphysiologische Qualität von Produkten zu informieren.
Derzeit sind die Labels freiwillig und in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich gestaltet: Während Schweden mit dem Keyhole-Label sein eigenes System etabliert hat, sind in anderen Ländern Europas mit den Guideline Daily Amounts, der Ampelkennzeichnung, dem Healthy Choice- und dem Finish Heart-Symbol sowie dem Nutri-Score mehrere Systeme in Verwendung. Italien hat mit dem Nutrinform-System im Herbst 2020 noch eine weitere Kennzeichnungsmöglichkeit vorgestellt, um die Säulen der mediterranen Ernährung verstärkt zu berücksichtigen.
Das f.eh hat die unterschiedlichen Labels auf Stärken und Schwächen untersucht.

Marlies Gruber, Geschäftsführerin und Ernährungswissenschafterin beim forum. ernährung heute (f.eh): „Als alleinige Maßnahmen ohne begleitende Informationskampagnen und einem umfassenden Aufbau von Kompetenzen behalten etwa 80 % der Konsumenten ihre Ernährungsgewohnheiten bei. Es braucht also auch eine Aufklärung über die dahinterstehenden Kriterien und eine grundlegende Ernährungsbildung.“ Es zeigt sich, dass der verpflichtenden Nährwertkennzeichnung weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird, wenn Front of Pack-Labels vorhanden sind. Demgegenüber verbessert sich jedoch die Einschätzung des Stellenwerts eines Produktes für eine ausgewogene Ernährung. Insgesamt ändert sich den Studien zufolge das Kaufverhalten durch Front of Pack-Labels allerdings nur geringfügig bis gar nicht. Denn: "Wesentlich wichtiger als einzelne Nahrungsmittel und Nährstoffe sind gesamte Essmuster, Zubereitungsarten und Portionsgrößen. Ernährungsbildung in allen Altersgruppen bleibt also eine wesentliche Grundlage für ein tiefergehendes Verständnis für eine gesunde Ernährungsweise“, betont Marlies Gruber.

 

Veröffentlicht am

18.04.2021