Fairneß gefragt: Gedränge auf dem Markt

Fairneß gefragt: Gedränge auf dem Markt

Am österreichischen Markt herrscht reges Treiben von Händlern aller Herkunft. Doch die Gesetze gelten nicht für alle gleich.

Endlich ist es im politischen Ohr angekommen: die Händler, die in Österreich aktiv sind, werden unterschiedlich behandelt, wenn es um Steuern geht. Experten sehen es weniger als Bringschuld der großen ecommerce-Anbieter, sondern als Holschuld der Politik, die nach wie vor unterschiedlich besteuert. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Die Corona-Krise hat die Umsätze im österreichischen Onlinehandel laut EU-27-Online-Shopping-Studie der JKU Linz auf 8,4 Milliarden Euro ansteigen lassen. Davon fließen 52% unmittelbar ins Ausland ab. Ausländische Versandhandelsunternehmen haben hierzulande im Vorjahr mehr als 4,4 Milliarden Euro erwirtschaftet, eine massive Steigerung von +30%. Die Zahl der heimischen Webshops ist 2020 laut Handelsverband auf 14.500 gestiegen, die Umsätze kletterten auf einen neuen Rekordwert von 8,4 Milliarden Euro. Leider fließt jeder zweite Euro, der online erwirtschaftet wird, unmittelbar an ausländische eCommerce-Giganten ab.

Nicht nur die steuerliche Situation ist für die heimischen Unternehmen – auch Hersteller, nicht nur Händler – zur Zeit schwierig, auch Lieferverzögerungen aufgrund der Suezkanal-Schließung, aber auch aufgrund der Black-Out-Schwierigkeiten in Teilen der USA und aufgrund eines enormen Anstiegs von Rohstoffen aller Art, stehen viele österreichische Unternehmen vor einem Problem.

Nun scheint die Politik das erste Mal ehrlich aufmerksam geworden zu sein. Aus dem Finanzministerium kommen zarte Aussagen, Gleichberechtigung in steuerlichen Fragen, wie einer Gewinnbesteuerung, schaffen zu wollen.

Faire Rahmenbedingungen für alle Kanäle

„Wir haben einen starken stationären Handel, der die Stadtbilder prägt, die Bevölkerung mit seinem reichhaltigen Sortiment versorgt und Arbeitsplätze sichert. Nun braucht es dringend Maßnahmen, um für die lokalen Geschäfte faire Rahmenbedingungen auf nationaler und globaler Ebene zu schaffen“, so auch WKO Handelsobmann Dr. Rainer Trefelik. 

Ein Mindestertragssteuersatz von 21 Prozent würde das Ende von Steueroasen bedeuten und für einen fairen Wettbewerb zwischen allen Marktteilnehmern sorgen. Auch die Abschaffung der 22-Euro-Grenze bei der Einfuhrumsatzsteuer, die mit 1. Juni 2021 nun endlich in Kraft tritt, wird für mehr Fair Play sorgen. Weiters braucht es einen strengen Vollzug bei Verstößen von global agierenden Online-Plattformen. Hier müssen sowohl für die Plattformen als auch den Marktplatzhändler die gleichen Grundsätze gelten. So muss zum Beispiel die Sperrung eines Kontos oder das Löschen eines Produktes im Vorfeld von der Plattform kommuniziert und argumentiert werden. Auch der Ausbau von Unterstützungen und Förderungen für Klein- und Mittelbetriebe im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie ist eine wichtige Maßnahme, um den Betrieb wettbewerbsfähig und zukunftsfit am Markt zu positionieren.

Veröffentlicht am

04.05.2021