Exporte Österreich

Exporte in einen starken EU-Binnenmarkt

Die Corona-Krise hat auch die Exporte der landwirtschaftlichen Produkte und Nahrungs- und Genussmittel beeinflusst.

Aufatmen angesagt: der starke EU-Binnenmarkt ist für die heimischen landwirtschaftlichen Produkte, aber auch für verarbeitete Nahrungs- und Genussmittel ein Segen in Corona-Zeiten. Zwar sind in beiden Bereichen die Exporte zurückgegangen, aber nicht so schlimm, wie es manch andere Segmente in Österreichs Wirtschaft getroffen hat. Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, zeigte auf, dass besonders Getränke, Käse und Süß- und Backwaren aus Österreich im Ausland sehr beliebt sind. „Zwei von drei in Österreich erzeugten Produkten gehen im Schnitt über die Grenze“, so Koßdorff.
Die ersten Exportzahlen für 2020 stimmen uns sehr optimistisch: Die Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie legten mit einem Wert von 3,8 Mrd. Euro um 3,1 % zu. Beim Anteil an den Gesamtexporten Österreichs erzielten die Lebensmittelexporte mit 5,6 % sogar einen neuen Bestwert. Welche immense Bedeutung der EU-Binnenmarkt für die österreichische Lebensmittelindustrie hat, bestätigen ebenfalls eindrucksvoll die aktuellen Halbjahreszahlen. Die EU bleibt der wichtigste Markt für österreichische Lebensmittel: Rund 70 % der Lebensmittelexporte gehen in die EU 27 (2,6 Mrd. Euro; + 3,0 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2019), rund 30 % in Drittstaaten (1,2 Mrd. Euro; + 3,3 %). Neben Deutschland (1,3 Mrd. Euro; + 4,3 %) zählen die USA (552 Mio. Euro; + 5,4 %), Italien (246 Mio. Euro; + 3,8 %) und die Schweiz (152 Mio. Euro; + 8,0 %) zu den Top-Exportländern. 

Die Halbjahreszahlen 2020 zeichnen die Hochschaubahn der Nachfrage zu Beginn der Coronakrise deutlich nach: Die Entwicklung der abgesetzten Produktion der österreichischen Lebensmittelindustrie zeigt für den März einen – coronabedingt - deutlichen Anstieg um 11,2 %. Ausschlaggebend dafür waren die Hamsterkäufe im Zuge des Lockdowns im März. In den Monaten April und Mai gab es Rückgänge um 8,4 % bzw. 8,2 %. Erst im Juni drehte der Absatz mit 1,0 % wieder leicht ins Plus. 
Das erste Halbjahr 2020 konnte die Lebensmittelindustrie – auch auf Grund der Ergebnisse im ersten Quartal 2020 - mit einer "roten Null" (- 0,2 %) abschließen.
Eine Entspannung ist für das zweit Halbjahr auch nicht in Sicht (Gastronomie und Tourismus fehlen enorm).

Österreich hat Bonus

Dr. Michael Blass, Geschäftsführer der AMA Marketing kann ähnliches berichten. Im Ranking der wertmäßig stärksten agrarischen Exportwaren führen Milchprodukte, gefolgt von veredeltem Obst und Gemüse, Wurst-, Schinken- und Speckwaren. Die Ausfuhren fast aller Produktgruppen konnten im ersten Halbjahr zulegen. 
Je näher die Exportmärkte, desto stärker performen landwirtschaftliche Produkte. Ganz besonders gilt dies für die Milch. Deutschland und Italien sind hier mit großem Vorsprung die wichtigsten Absatzmärkte. Für Käse spielt unser großes Nachbarland eine zentrale Rolle.

Deshalb sind zwei Faktoren sehr wichtig: einerseits die Unterstützung und Stützung des Binnenmarktes, um weiterhin einen guten und starken Export zu forcieren und andererseits eine wirtschaftliche Unterstützung, wie eine „Export-Kreditversicherung“, die mögliche Ausfälle im Export "auffangen" kann.

Ein wesentliches Asst sind auch die virtuellen oder hybriden Veranstaltungen, wie etwa Silent Tastings oder der Marktplatz Österreich der WKO. Oder auch die Kampagnen der AMA: Gerade weil große b2b-Messen heuer coronabedingt nicht stattfinden können, setzt die AMA-Marketing zahlreiche Export-Aktivitäten below the line. Der Online-Auftritt unter www.ama.global wurde in den vergangenen Monaten komplett überarbeitet und trägt mit einem breiten Angebot an Informationen dazu bei, dass Lebensmittel aus dem „Land der Berge“ auch ohne physischen Kontakt erlebbar sind.

Veröffentlicht am

19.10.2020