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Einigung im Handels-Kollektivvertrag 2023

Einigung im Handels-Kollektivvertrag 2023

Geschafft! In der 5. Verhandlungsrunde wurden sich die beiden Parteien - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - einig.

Es waren zähe Verhandlungen im heurigen Kollektivvertrag zwischen Händlern und ihren Handelsangestellten: ein Ringen um jedes Prozent. Nun ist es zu einem Ergebnis gekommen und die angedrohten Streiks am Freitag oder/und Samstag konnten abgewendet werden.

Die nun erzielte Einigung bewirkt eine Steigerung der Gehälter für die Angestellten im heimischen Handel um 7 %, mindestens jedoch 145 Euro brutto monatlich. Das ergibt eine durchschnittliche Erhöhung um 7,19 Prozent, das Einstiegsgehalt von derzeit 1800 Euro wird auf 1945 Euro im Monat angehoben. Das Lehrlingseinkommen steigt im ersten Lehrjahr auf 800 Euro, im zweiten auf 1025 Euro, im dritten Lehrjahr auf 1300 Euro und im vierten Jahr auf 1350 Euro. „Das macht die Lehre im heimischen Handel sehr attraktiv und bedeutet unterm Strich eine Erhöhung um fast 9 Prozent für unsere Lehrlinge. Das sehen wir als wichtige Investition in die Zukunft des Handels“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel WKÖ.

„Die Verhandlungen waren schwierig und zäh, haben aber im fünften Anlauf doch noch zu einem Ergebnis geführt und wir konnten einen Abschluss erreichen“, sagt Trefelik. In der fünften Runde haben die Arbeitgeber ein duales Angebot mit zwei Varianten vorgelegt: Variante Eins hätte eine Steigerung der Gehälter um 8 % gebracht und sich aus einer Erhöhung der KV-Tafel um 5 % plus einer Prämie von 3 % zusammengesetzt. Variante Zwei beinhaltete die lineare Erhöhung um 7 %.

„Die Gewerkschaft hat sich für die lineare Erhöhung entschieden. Das ist aus unserer Sicht bedauerlich, denn das andere Modell hätte unterm Strich mehr gebracht und außerdem aufgrund der Steuerbefreiung einen enormen Nettovorteil für die Arbeitnehmer:innen bedeutet, in vielen Fällen sogar noch heuer. Im Durchschnitt hätte die Prämie rund 1000 Euro netto betragen“, so Trefelik.

Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband: „Der österreichische Handel kämpft zurzeit mit multiplen Krisen (Inflation, Energiepreise, Lieferverzögerungen). Mit +7% bewegt sich die fixierte Tarifanpassung nun auf der absoluten Oberkante, was auch viele Händler überfordert. "Trotz der schwierigen Ausgangslage und der gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen von Teuerung und Energiekrise geben die heimischen Händler ihren Beschäftigten mit der heutigen KV-Einigung Halt und Planungssicherheit. Der großzügige 7-Prozent-Abschluss wird die Inflation mehr als ausgleichen, wenngleich jeder Euro mehr bei den Personalkosten den Handelsbetrieben in der Substanz fehlen wird", erklärt Will in einer ersten Stellungnahme.

"Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen nun geeint um den Erhalt der Arbeitsplätze im österreichischen Handel kämpfen. Die deutliche Erhöhung des Mindestgehalts auf 1.945 Euro macht die Attraktivität der Branche auch in Zahlen deutlich. Generell ist diese Tariferhöhung ein Zeichen der Dankbarkeit an die Beschäftigten, die in den letzten drei Pandemie-Jahren Außergewöhnliches geleistet haben", so Will. Der Handelsverband dankt den Verhandlungsteams für ihren Einsatz.

Auch die Gewerkschaft fasst zusammen: "Die Gehälter der 430.000 Angestellten des Handels steigen um 7 % und mindestens 145.- Euro. Dies bedeutet eine durchschnittliche Erhöhung der Gehälter um 7,31 %. Durch den Mindestbetrag bedeutet dies eine Erhöhung um bis zu 8,67 %. Das Einstiegsgehalt für die große Zahl der Berufseinsteiger nach der Lehre wird um 8,06 % angehoben. Die bestehenden Überzahlungen bleiben aufrecht“.

Es geht um das Einkommen von 430 000 Beschäftigten im Handel, mehr als 60% davon sind Frauen, die wiederum mehrheitlich in Teilzeit arbeiten. Demnach ist auch das Einkommen niedrig angesetzt. 

Es wäre aber auch eine Harakiri-Situation für den Handel gewesen, hätten die Mitarbeiter an einem Weihnachtsmarkt-Einkaufswochenende - wenn auch nur stundenweise - ihre Arbeit niedergelegt. Und es ist nach wie vor nicht einfach: auf der einen Seite schnalzen die Kosten für die Händler in Bezug auf Energie in die Höhe, auf der anderen Seite sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Konsumenten und müssen ihre Rechnungen bezahlen können. Die KV-Verhandlungen 2022 werden wohl lange in Erinnerung bleiben. Was die höheren Löhne für die Industrie bedeuten, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

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Veröffentlicht am

29.11.2022