Dream bin: export per Amazon funktioniert. Klaus Forsthofer berichtet

E-Commerce Export von A über D in die USA

Dream Big statt gedanklicher Barrieren: Es gibt in keinerlei Hinsicht im Leben einen Schwarz-Weiß-Zustand, auch nicht beim Thema Amazon. Für manche ist der online-Händler ein absolutes No-Go, andere leben davon.

Klaus Forsthofer ist Österreicher. Mit einem starken Bezug zu Bayern, weil er in Salzburg lebt. Er liebt Österreich, lässt sich regionales Obst und Gemüse vom bekannten Grünmarkt in Salzburg liefern und liebt die Natur.

Er kennt aber auch Seattle in den USA, genauer gesagt den Stadtteil South Lake Union, in dem der internationale Online-Händler Amazon seinen weltweiten Firmensitz hat. Jener in Europa ist übrigens in Luxemburg.

Klaus Forsthofer ist einer der ersten Experten, der Amazon-Marktplatz-Interessenten als Coach zur Verfügung stand und aktuell immer noch steht. Diese Funktion wurde vom Logistikexperten und Export-Online-Händler von Amazon Deutschland in 2017 an ihn herangetragen: ein sprichwörtlicher E-Commerce-Ritterschlag für den Salzburger, der sehr erfolgreich über diverse Online-Kanäle – unter anderem auch Amazon – verkauft. „Viele meiner Kunden in den USA zum Beispiel wissen gar nicht, dass ihre Ware aus Österreich kommt“, kommentiert Forsthofer, was er am Verkauf über internationale Marktplätze so spannend findet.
ACE-Technik.com wurde 2002 mit Kollegen in Bayern gegründet und vertreibt die Produkte über mehrere Kanäle: direkt und über den Marktplatz von Amazon. „Und das ist das Spannende“, so der Salzburger, „gerade in Krisenzeiten dürfen heimische Unternehmen ihre Exportchancen nicht verschlafen. Österreich ist ein guter Markt, aber er ist nun mal klein. Regionale Initiativen sind gut, sie eröffnen jedoch nicht das volle Umsatzpotenzial“. Die Devise lautet: Raus aus der Komfortzone! Mit seinem Unternehmen „MarktPlatz1.com“ berät er nun Händler und Markeninhaber in allen Belangen, die auf den Amazon Marktplatz wollen.

Export-Schnellboot

Die harsche Kritik an Amazon geht natürlich auch an Klaus Forsthofer nicht vorbei: „Doch eines ist klar: wenn Amazon seinen Online-Handel in Österreich schließen soll, dann müssten wir auch die Grenzen zu Deutschland oder der Schweiz zumachen. Und wir wissen aus der aktuellen Situation, wie weh das tut“. Export ist für viele Unternehmen die Chance zu überleben und die Sichtbarkeit ist das Um und Auf. Nur einen eigenen Webshop zu haben, das reicht einfach nicht. Das Erfolgsrezept ist ein eigener Online-Shop und die Nutzung des Marktplatzes, das ist die ideale Kombination, so sieht es der Experte. „Alleine mit einem Schritt über die Landesgrenzen nach Deutschland können österreichische Händler ihren Markt ohne sprachliche Barrieren wohlgemerkt verzehnfachen. „Österreich wurde auch in der Vergangenheit vor Amazon und Co. von Deutschland aus mitbetreut“, so Forsthofer. „Nehmen Sie Otto, Quelle und Neckermann“. Werden die Zeiten schlechter, so merken wir, dass der Kuchen kleiner wird. „Deshalb: es muss in jedem Interesse eines Unternehmers sein, so klein er auch sein mag, in die Welt raus zu gehen“. Alleine mit Deutschland und der Schweiz hat man einen 10 mal so großen Markt vor der Haustür.

Die ureigenste Aufgabe von Klaus Forsthofer ist und war es die Unternehmer und Unternehmerinnen im Ablauf zu beraten und ihnen die Furcht zu nehmen. „Oft glaubt man ja nicht, dass das eigene Produkt für den Export geeignet ist. Dazu kommt die Umsetzung und das kann dann schon viel auf einmal werden. Aber einen Versuch ist es immer wert“.

Kunden gewöhnen sich an online

Denn: die Lockdowns gehen wieder vorbei und die Kunden haben sich an online gewöhnt. Deshalb ist es jetzt wichtig in der großen Welt mit dabei zu sein. „Meine berufliche Karriere gäbe es ohne Amazon so nicht, jedenfalls nicht hinsichtlich Export nach Übersee“, so Forsthofer. „Ich wollte mit meinen Produkten in den stationären Elektrohandel hinein, das war unmöglich. Also habe ich andere Kanäle gesucht. Man darf sich ideologisch nicht gegen etwas verwehren, nur weil man Angst davor hat, das kann Schaden bringen“, meint der Unternehmer.

Die Realität zeigt nämlich: es ist nicht einfach bei kleinen Shops einzukaufen: es fehlt die Zeit zu bummeln und die Muße zu shoppen. Mit jedem Tag steigt der Frust über Versandzeiten, Bugs, Versandkosten und oft kundenunfreundliche Retourenregelungen.

„Natürlich ist ein Marktplatz ein anderes Geschäftsmodell, auf das ich mich einlassen muss, aber wenn man plötzlich auf 7 Marktplätzen präsent ist, lohnt sich der Aufwand“. Forsthofer plädiert auch für Nischenbetreiber, sie können auf dem Amazon-Marktplatz gute Umsätze erzielen.

Innovationsgetrieben und Haftung

So wie Klaus Forsthofer hat man mit Amazon auch einen innovationsgetriebenen Partner an der Seite. Das beinhaltet auch eine Verbesserung des Marktplatzes – auch hinsichtlich der Rechte. 2019 wurden ja die Rechte der Marktplatz-Teilnehmer erweitert und nun steht mit 1. Juli 2021 die EU-Marktplatzhaftung im Raum, die für den Konsumenten ein wesentlicher Schritt ist. Kurz gesagt: der Logistiker und Marktplatzbetreiber wird auch dafür verantwortlich gemacht, wenn ein Produkt nicht verkehrsfähig ist. Das ist ein Quantensprung und wird für alle Marktplatzteilnehmer für mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit sorgen.

Auch der Bewertungs-Mißbrauch wurde bei Amazon in den letzten Jahren deutlich verbessert – frei nach dem Motto: ehrlich währt am längsten.

Lernen aus Geschehenem

„Selbstverständlich kann man vieles verbessern, auch ein Multinationaler Konzern wie Amazon hat Verbesserungspotenzial“, so Forsthofer. „Aber in Wahrheit sind es die Regeln und Gesetze, die verbessert gehören, um Fairplay zu spielen.“

Und er hat recht, es wird kein Unternehmer freiwillig auf der ganzen Welt mehr Steuern zahlen, als er muss. Dass man als Unternehmer spendet und in Nachhaltigkeit investiert, ist eine andere Sache. Hier kann man Amazon jedoch wahrlich keinen Vorwurf machen.

Ebenso ist die Frage nach der Behandlung der Lager-Mitarbeiter ein gerne aufgegriffenes Thema. Auch hier wieder: werden die gesetzlichen Regeln verändert, passen sich Unternehmen an.

Ganz brutal: ja, Politik und Interessensvertretungen sind dazu angehalten faire Richtlinien für den Online-Handel in Europa zu erarbeiten. Aber: der Händler an sich sollte sich nicht mit diesen Themen aufhalten. Für ihn muss der Konsument im Mittelpunkt stehen und das, was er möchte, sollte er erfüllen.

Und Ideen wie zusätzliche Sonderbesteuerung für Onlinehändler/E-Commerce wären auch eine Sonderbesteuerung von Digitalisierung und Zukunft und gehen für den Standort am Schluss womöglich nach hinten los. Österreich sollte sich viel mehr sich für Versandhändler attraktiveren, um seiner guten geopolitischen Lage Rechnung zu tragen.

Veröffentlicht am

18.12.2020