Doppelpass: Hintergrund-Bericht über EMD und Markant

Durch Doppelpass zum Markterfolg

Ein Hintergrund-Bericht über EMD und Markant, unter die Lupe genommen von Dr. Hanspeter Madlberger.

Der Gewinn liegt im Einkauf. Auch in Corona- und post-Corona-Zeiten hat dieses uralte Händler-Postulat, sehr zum Leidwesen der Industrie, in den Köpfen der Handelsmanager und ihrer Chefs, der Unternehmer bleibendes Wohnrecht. Mittelständische FMCG-Händler wie MPreis oder Kastner, Unimarkt oder Kiennast, setzen bei der  Optimierung ihrer Einkaufskonditionen auf das partnerschaftliche Zusammenwirken ihrer Dachorganisationen Markant und EMD (steht für European Marketing Distribution). Das Doppelpass-Spiel, eine Strategie, mit der sich - ähnlich wie bei der demnächst anlaufenden Fußball-Europameisterschaft, auch Kleine im Wettbewerb mit den Großen Erfolgschancen ausrechnen.

Im Exklusivinterview mit retailreport.at erläutert EMD Managing Director Philipe Gruyters im Detail diesen Paarlauf. Die Markant sei fokussiert auf die Erbringung finanzieller Dienstleistungen, insbesondere der Zentralregulierung über EDI, funktioniere aber auch in wachsendem Ausmaß als Daten-Drehscheibe zwischen den Markant-Händlern und ihren Lieferanten, z. B. beim Stammdaten-Verkehr. Und zwar in enger Abstimmung mit GS1. Mit dieser Selbstbeschreibung wirbt die Markant auf ihrer Homepage um Mitglieder:

"Wir optimieren Ihre Prozesse und Bezahlsysteme, versorgen Sie mit Daten, erhöhen Ihre Planungssicherheit und halten Ihnen den Rücken frei".

Als Europa-Einkaufszentrale stehe die Markant mit Sitz im schweizerischen Pfäffikon den Mitgliedern jedoch nicht zur Verfügung, betont Gruyters. Grundsätzlich agieren diese, was den Einkauf betrifft, eigenständig, verhandeln also direkt mit den Lieferanten. Wenn sich jedoch Mitgliedsfirmen darauf verständigen, ihre Einkäufe bei den Produzenten zu bündeln, um bessere Konditionen zu lukrieren, bietet sich die Markant auf deren Wunsch als Plattform für eine solche Bündelung an. Und da kommt auch die EMD ins Spiel.

Alle nationalen Markant AG-Töchter, so auch Markant Österreich, sind bei EMD mit von der Partie, andererseits gehören auch "nicht-Markant"-Händler aus Deutschland, den Niederlanden (Superunié),  Dänemark (Dagrofa) und Schweden (Axford) dem EMD-Verbund an. Markant hat eine starke Marktpräsenz in  der D-A-CH-Region und in CEE Europa. Folgende Zahlen veranschaulichen die große Schnittmenge zwischen Markant und EMD: Markant wickelte 2020 mit 14.000 Lieferanten einen Verrechnungsumsatz von 53 Mrd. € ab, der Letztverbraucher-Umsatz der 150 Händler beträgt rund 112 Mrd. €.
EMD meldete zuletzt einen Konsumentenumsatz von 140 Mrd. €, erzielt über 250 Vertriebsschienen mit 55.000 Outlets.

Gesucht: Private Label-Produzenten für Every Day

Das Wechselpass-Spiel zwischen Markant und EMD kommt vor allem bei der Suche nach Private Label Produzenten zum Tragen, genauer gesagt, zwischen der Markant-Tochter ZHG (Zentrale Handelsgesellschaft) und der EMD, die solche Sourcing-Prozesse koordiniert abwickeln. Der Sortiments-Schwerpunkt liegt bei den Preiseinstiegs-Eigenmarken im Food-, Tiernahrungs- und Nearfood-Bereich. Solcherart ist EMD auch beim Abschluss von Lieferverträgen mit Produzenten für die Diskont Eigenmarke Jeden Tag eingeschaltet. In Österreich führen  die Nah&Frisch-Kaufleute (beliefert von Kastner, Kiennast, Unimarkt und Wedl), die Unimärkte sowie Markant -Mitglied MPreis diese Private Label Range. Außerhalb des deutschsprachige Raums wird dieses Sortiment neuerdings von Markant/EMD-Händlern unter der Marke Every Day angeboten. Die gemeinsame Beschaffung beruht auf Freiwilligkeit, so kann Markant Österreich selber entscheiden, ob EMD mit heimischen oder ausländischen Produzenten Lieferverträge für  Jeden Tag-Artikel vereinbart.

Eher diffus ist die Funktion, die EMD gegenüber der internationalen Markenartikelindustrie ausübt. Gruyters: "EMD pflegt auch mit den Top Markenartikel-Unternehmen ständigen Kontakt". Europa-Key Account Manager großer Konzerne wie Unilever, Procter, Nestlé oder Mondelez, die mit den Europa-Einkäufern der großen Filialisten wie Lidl, Aldi oder Amazon über Neueinführungen, Listungen, Promotions etc. und die entsprechenden Konditionen verhandeln, stellen sich auch in Pfäffikon zu Jahresgesprächen mit dem EMD Management ein.

EMD macht sich für ökologischen Code of Conduct stark

Seit Jahresbeginn 2021 ist EMD für seine Mitglieder als Dienstleister im Bereich der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes tätig. Alle EMD Händler haben sich auf einen Code of Conduct verständigt, der darauf abzielt, hohe Nachhaltigkeits- und CSR-Standards entlang der globalen Lieferketten festzulegen und die Lieferanten vertraglich zu verpflichten, diese einzuhalten. Gruyters:  "Alle Ausschreibungen an die Industrie, egal ob es sich um Private Labels oder Herstellermarken handelt, beinhalten einen Passus, der die Produzenten verpflichtet, durch seriöse Zertifikate zu bestätigen, dass die Auflagen des Code of Conduct eingehalten werden." Auch bei Verträgen mit Frischwaren-Lieferanten (z.B. Obst und Gemüse) kommt die Code of Contact-Klausel  zur Anwendung. EMD knüpft mit diesem ökologischen Wohlverhaltenskatalog an das Food Safety- und  Sustainability-Programm an, das vom global aufgestellten Consumer Goods Forum seit vielen Jahren propagiert wird und unter Teilnahme globaler Handels- und Markenartikelkonzerne auf zahlreichen Konferenzen wie dem Global Food Summit diskutiert und weiterentwickelt wird.

Steht das heiße Eisen der zertifizierten Klimaneutralität auch auf der Agenda der von EMD-Händlern bei den Produzenten eingeforderten Wohlverhaltens-Regel? Gruyters: "Noch sind wir nicht so weit, aber die  Vorbereitungen dazu laufen!"

Bericht: Dr. Hanspeter Madlberger

Veröffentlicht am

09.06.2021