Internetbetrug hat viele Gesichter

Unendliche Weiten für Internetbetrug

Wir schreiben das Jahr 2019. Vor etwa 30 Jahren wurde das Internet kommerzialisiert und mit ihm zogen kriminelle Möglichkeiten ins Land, die an Kreativität nichts zu wünschen übrig lassen.

„Stellen Sie sich einen Weinbauern vor, der eine Bestellung von 500 Flaschen über seinen Online-Shop vorfindet, diese verpackt, versendet, aber nie sein Geld sieht“, so beschreibt Claus-Peter Kahn einen tatsächlich stattgefundenen Betrugsfall aus dem Internet. Bei einem durchschnittlichen Flaschenpreis von 15 Euro bleibt der Weinbauer auf rund 7500 Euro Umsatz sitzen – man könnte nun sagen, hätte er den Kunden besser gecheckt, dann wäre ihm das nicht passiert. Wenn jedoch der Webshop eines Unternehmers immer größer wird, dann kann man nicht mehr jeden Kunden auf Herz und Nieren und die Bonität prüfen.

Claus-Peter Kahn ist im Bundeskriminalamt der Leiter des Büros gegen Betrug, Fälschung und Wirtschaftskriminalität und kennt national und international die unfassbarsten Kriminalfälle aus dem Internet: „Die Varianten sind sehr vielfältig: Banden spionieren Unternehmer aus und schneidern sozusagen den Betrugsfall zu. Die Internetkriminalität steigt laufend stark an. Täter verwenden sehr gerne die Möglichkeit „Kauf auf Rechnung“. Neun von zehn Onlinehändler waren schon einmal von einem Internetbetrug selbst betroffen und die Täter gehen meist hochprofessionell vor“, um nur einige Faktoren zusammenzufassen.

Im Falle des Weinbauern ist die Tatsache klassischer Natur, denn die Vorliebe gilt Produkten, die man auf einschlägigen Plattformen wiederverkaufen kann: Wein, Elektrogeräte oder bei Textilien One Size Größen, um Umstände beim Wiederverkauf zu vermeiden. Auch im Falle des Weinhändlers fand der Unternehmer seine Ware woanders wieder. Sie wurde nicht nur wiederverkauft, nein, sie wurde auch weit unter 15 Euro angeboten. Das bedeutet, auch der Weinbauer musste mit seinem Preis niedriger werden, um nicht auf seinen Flaschen sitzen zu bleiben. 46% aller Geschädigten haben im Durchschnitt einen Schaden von 10.000 Euro.

Präventive Maßnahmen gefragt

„Webshop-Betreiber sollen, ja müssen vorsorgen“, appelliert Martin Sonntag, Obmann des Bundesgremiums des Versand-, Internet- und allgemeinen Handels in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), der die neue Roadshow „Damit Ihre Rechnung nicht offen bleibt - Strategien gegen Bestellbetrug im Internet“ mit entwickelt hat. Es ist ganz egal, welche Größe das Unternehmen oder der Online-Shop haben, wichtig ist die Vorsorge und vor allem auch das regelmäßige Update des technischen Equipments. Denn Sicherheitslücken werden von den Tätern schnell erkannt und gnadenlos ausgenützt.

e-Plus Paket hilft

Darum hat das Bundesgremium Online- und Versandhandel mit einem Unternehmen, das sich auf Bonitätsauskünfte und Unternehmensinformationen spezialisiert hat, nämlich CRIF Österreich, für Mitgliedsbetriebe ein vergünstigtes Angebot ausgehandelt: Das e-PLUS Paket umfasst unter anderem Bonitätsbewertung und Forderungsmanagement mit der Möglichkeit, diese Informationen tagesaktuell rund um die Uhr abzurufen. „Das macht die Option ‚Kauf auf offene Rechnung‘ risikoärmer“, so Bundesgremialobmann Martin Sonntag, der einlädt: „Interessenten wenden sich telefonisch unter 05 90 900 3003 oder per E-Mail an h18@wko.at an das Bundesgremium.“

Einfach gesagt: mit dem neuen System scannt die Technik hinter dem eigenen Webshop die Bonität eines Kunden und bietet die dementsprechenden Zahlungslösungen an: Vorkassa, Nachnahme, Kreditkarte oder im guten Fall „Kauf auf Rechnung“. Auch bei einem Neukunden besteht die Möglichkeit zuerst ausschließlich „sichere“ Zahlungsmethoden anzubieten.

Das e-Plus Paket bietet an: maßgeschneiderte Lösungen für jeden Onlineshop, fundierte Aussagen zur Bonität und zum Zahlungsverhalten, CRIF als neutralen Partner. Die Kosten pro Jahr belaufen sich auf 300 Euro.

PSD2 macht Sinn

In aller Munde und jeder, der Online-Banking aktiviert hat, spürt es zur Zeit: die Umstellung auf PSD2. Die Richtlinie zielt vorrangig auf die Schaffung eines integrierten Binnenmarktes für Zahlungsdienste ab. Dies soll durch eine Standardisierung der Bankenregulierung und der Vorschriften für Zahlungsdienstleister im digitalen Zeitalter erreicht werden. Die PSD2 erleichtert den Zugang zu Zahlungsdiensten durch die Stärkung der Systemsicherheit, die Ermöglichung neuer Zahlungsdienste, die Sicherstellung von Transparenz sowie von fairem Wettbewerb zum Vorteil der Verbraucher.

Vereinfacht: Mit der PSD2 sollen Bezahlvorgänge bequemer, billiger und vor allem sicherer werden. Dafür setzt sie auf starke Authentifizierung. Und PSD2 ist auch für den Händler ein großer Vorteil, da sich der Haftungsbogen verschiebt. Die Umsetzung der neuen Richtlinie ist im Laufen.
„Man muss immer bedenken, dass Sicherheit Geld kostet, ABER wenig Sicherheit kostet viel Geld“, so Claus-Peter Kahn.

Thema 22 Euro Grenze

Und weil wir gerade beim Thema Sicherheit und Online-Handel sind, passt das Thema Steuerbetrug einwandfrei dazu: Während in Europa das AUS der 22-Euro-Steuer-Grenze aus dem Ausland mit 1.1. 2020/2021 abgeschafft wird, hat Österreich einen besonderen Coup gelandet: In Österreich ist das AUS bereits per 1.1. 2020 Realität. Dann werden anhand eines speziellen Systems (nach Gewicht und Anmeldeverfahren beim Zoll) Pakete aus dem Ausland, die unter der 22-Euro-Grenze angegeben wurden, geöffnet werden können – sind sie falsch deklariert, wird das Konsequenzen haben. Denn all jene Händler, die Österreich mit Paketen überfluten und keine Steuer zahlen, vermeiden den ARA-Beitrag, haben keine CE Kennzeichnung (europäische Normen) und zahlen wie bereits erwähnt auch keine Steuer. Diese völlige Ungleichbehandlung gegenüber heimischen Onlinehändlern wird dann der garaus gemacht.

Veröffentlicht am

25.09.2019