Diskussion um Globalisierung und Regionalisierung

Vorteile von Globalisierung und Regionalisierung

Die digitale Transformation macht auch vor der Markenkommunikation nicht Halt.

Wie man mit der digitalen Transformation in der Markenkommunikation umgeht, das diskutierten Expertinnen und Experten auf Einladung des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (www.ifwk.net) und von Henkel CEE. Digitalisierung und Globalisierung werden die Regionalisierung und Spezialisierung von Unternehmen und ihren Marken verstärken, so ein überraschendes Ergebnis des spannenden Diskussionsabends: Microbrands lösen Massenmarken teilweise ab, weil sie mehr direkte Relevanz bieten können, so Markenguru Michael Brandtner. Aber im Detail:

„Marken sorgen für den Mehrwert, der dann in andere Unternehmensbereiche wie IT oder Robotics investiert werden kann“, stellte Michael Sgiarovello, Leiter Unternehmenskommunikation South-East Cluster bei Henkel CEE, eingangs klar.

Wie dieser Markenwert durch Digitalisierung erhöht werden kann, war Thema von Keynote-Speaker und Branding-Experte Michael Brandtner, der sein neues Buch dem Thema „Markenpositionierung im 21. Jahrhundert. So gewinnen Sie im globalen und digitalen Wettbewerb von heute und morgen“ widmete. „Während das Medium des 20. Jahrhunderts das Fernsehen war, das als gemeinsames Lagerfeuer diente, so ist es im 21. Jahrhundert das Internet. Es übernimmt aus Markensicht drei wichtige Funktionen: die des Informationsmediums, des interaktiven Massenkommunikations- Mediums und der Basis für völlig neue Geschäftsmodelle.“ Das Zeitalter der großen Massenmarken werde abgelöst durch jenes der Mikromarken. „Diese Microbrands agieren spezifischer und damit relevanter für die Zielgruppe“, so Brandtner über deren Geheimwaffe. „Genau diese relative Relevanz ist entscheidend für den Markenerfolg.“

Jeder Trend trage auch einen Gegentrend in sich – Digitalisierung und Globalisierung werden daher auch wieder mehr Regionalisierung mit sich bringen. National und international agierende Marken treffen im Internet aufeinander, so Brandtner – etwa Lokalradios auf Spotify oder Regionalbanken auf die Direktbank N26. Wichtig für alle Marken seien jedenfalls eine starke verbale Idee, die Visualisierung und der Markenname. „In Summe geht es um den Faktor Relevanz, den eine Marke für den Kunden hat“, fasste Brandtner zusammen.

Aufholbedarf in der Unternehmenskultur


Unter der Moderation von Harald Hornacek, Chefredakteur Austria Innovativ, kamen weitere Expertinnen und Experten zu Wort. Warum nach wie vor viele Marken scheitern, erklärte Nicole Prieller, Geschäftsführerin von point of origin, eine der führenden Digitalisierungsagenturen Österreichs, damit, dass sie den eigenen USP nicht kennen und an ihrer Positionierung scheitern würden. „Die Kulturveränderung durch Digitalisierung umfasst und erfasst alle Unternehmensbereiche – damit tun sich viele Firmen noch sehr schwer“, weiß Prieller. Viele dafür notwendigen neuen Prozesse müssten in den Unternehmen erst aufgesetzt werden, es werde zu wenig aus Kundensicht gedacht.

Manfred F. Berger, Markenführungs- und Marketingexperte von Neusicht, schlug verbal in die gleiche Kerbe und ortete unter anderem fehlende Handschlagqualität bei zahlreichen Unternehmen: „Sagen, was man tut, und tun, was man sagt – das liefern viele Marken nicht“, kritisierte Berger: „Digitalisierung führt auch dazu, dass Prozesse oft nicht auf den Kunden ausgerichtet werden.“

Claus Degendorfer, Geschäftsführer von CodeFlügel, führender Anbieter von Augmented Reality Systemlösungen in Österreich, zeigte sich überzeugt, dass gerade mit neuen Technologien die Aufmerksamkeit für Marken deutlich gesteigert und damit ihr Mehrwert erhöht werden kann. Aber: „Die Gesellschaft muss offener werden für Digitalisierungstrends – das ist übrigens keine Frage des Alters, sondern eine des Mindsets“, betonte Degendorfer.

Für Henkel-Kommunikator Michael Sgiarovello wiederum war klar, dass bestehende Markenwelten fokussiert bleiben müssen: „Persil steht seit 1907 für perfekte Wäschepflege. Jede Innovation ist seither auf diesen klaren Konsumentennutzen ausgerichtet.“ Darüber hinaus würden künftig für Unternehmen eigene Onlinemarken, die parallel geführt werden, ein Thema werden. Das bestätigte auch Michael Brandtner: „Mehrmarkenunternehmen sollten unbedingt eigene Online-Schienen aufbauen und nicht 1:1 bestehende Marken ins Internet übertragen.“

Markenexperte Manfred F. Berger zeigte sich überzeugt, dass bestimmte Massenmarken auch in Zukunft weiterhin ihren Platz finden und ihre Daseinsberechtigung haben werden: „Man muss nicht auf jeden kurzfristigen Trend im Netz aufspringen, um erfolgreich zu bleiben.“

Veröffentlicht am

19.11.2019