Mut zur Lehre

Mut zur Lehrlingsausbildung

Aufwertung des Meisters, duale Ausbildung oder Matura mit Lehre - all das sind Zeichen für eine Aufwertung der Lehre in Österreich.

Täglich liest man, dass die großen Handelsunternehmen dringend Lehrlinge suchen und bereit sind viel für ambitionierte junge Leute zu tun. Dass die Maßnahmen, die für eine Lehre - hier speziell im Handel - greifen, beweisen Zahlen aus Wien: In den Wiener Betrieben standen mit Ende Dezember 13.725 Lehrlinge in Ausbildung, das ist ein Plus von 4,1 % im Jahresabstand. Den prozentuell höchsten Lehrlingszuwachs verzeichnete die Sparte Information und Consulting: Mit 629 Auszubildenden gab es dort um 9,8 % mehr Lehrlinge als noch vor einem Jahr. Auch im Handel (2560 Lehrlinge – plus 9 %), bei Banken und Versicherungen (346 Lehrlinge – plus 6,1 %) und dem wichtigsten Wiener Ausbildungssektor, dem Gewerbe und Handwerk (4688 Lehrlinge - plus 3,2 %), ist die Zahl der Lehrlinge gegenüber dem Jahr davor deutlich gestiegen. Insgesamt gab es in Wien mit Ende Dezember 3354 Unternehmen, die in ihren Betrieben angehende Fachkräfte ausbilden (Quelle WKO Wien).

Dazu Robert Frasch, Gründer von Österreichs unabhängigen Netzwerk lehrlingspower.at und „Die Stimme der Berufsausbildung": "Sie mehren sich, die Jubelmeldungen rund um die Lehre. Nach Jahren rückläufiger Lehrlingszahlen und fast schon mantrischem Jammern um das Image der Lehre geht es wieder einmal bergauf. Eine wirtschaftsorientierte Regierung, deren grüner Seite die Zukunft der Jugend auch wichtig sein muss, gibt der dualen Ausbildung auch im Regierungsprogramm einigen Platz in den Schlagworten. Aber genauso, wie in den letzten Jahren bei weitem nicht alles so schlecht war, wie berichtet wurde ist jetzt zu erwarten, dass auch noch nicht alles gut ist. Die wirkliche Trendwende wird dann gelingen, wenn wir den Eltern vermitteln, das eine Berufsausbildung eine gleich gute Basis bietet, wie die Fortsetzung einer oft steinigen Schullaufbahn. Gerade der Handel muss darauf achten das wir vermitteln, was in unseren Berufen wirklich passiert. Das gilt noch mehr für die wichtigen Bereiche hinter den Kulissen, die unsere Kunden gar nicht wahrnehmen. Das könnte übrigens generell dazu beitragen, die wahre Leistungsfähigkeit des Handels bewusst zu machen. Denn der vom Kunden wahrgenommene Bereich Regal und Kasse ist ja nur die Endstufe vieler Schritte davor. Mit Berufsbildern, die keinem Elternteil jemals bewusst werden. Damit wissen nicht nur unsere Konsumenten nicht, was wir täglich leisten, sondern auch nicht die wahren Entscheider wenn es um einen Lehrvertrag geht. Viele Kampagnen, um nicht zu sagen die meisten, zielen darauf ab, die Jugendlichen zu erreichen. Was erstens sowieso schwierig genug ist, weil Berufswahl eher selten in der Wahrnehmung von pubertierenden Jugendlichen vorkommt. Und zweitens im schlimmsten Fall die wirklichen Entscheider wohl eher irritiert, als für eine Berufsausbildung als optimale Möglichkeit für ihre Kinder zu begeistern.

Kollektives Schulterklopfen tut natürlich gut, vor allem nach einer längeren Zeit von vorenthaltener Anerkennung. Vergessen wir dabei nicht auf unsere Hausaufgaben, die es zu erledigen gilt. Wenn wir als Betriebe das aufkeimende comeback der Lehre unterstützen wollen, müssen wir die Qualität unserer Ausbildung weiter verbessern, das was durch eine Lehre bei uns möglich ist elterngerecht kommunizieren und vor allem auf unsere wichtigsten Botschafter nicht vergessen: unsere Mitarbeiter. Dann werden wir in Zukunft noch wesentlich nachhaltigere Gründe haben, uns miteinander zu freuen." 

Robert Frasch, Gründer von Lehrlingspower.at

Wer sucht?

Alle Händler Rittern um Lehrlinge und bieten viel dafür an. Hier nur einige wenige Beispiele aus der Branche:

Hofer sucht wieder Verstärkung - 170 neue Lehrstellen warten dieses Jahr österreichweit auf motivierte Jugendliche, die bei Hofer den Grundstein für ihre Karriere legen möchten. Man kann sich selbst ein Bild von Hofer als Arbeitgeber machen, deshalb gibt es 2020 auch die Möglichkeit, bei der „Next Generation Hofer“ an den Start zu gehen.

Für den Ausbildungsstart im September 2020 sucht Lidl Österreich über 100 Lehrlinge – vom Einzelhandel über Betriebslogistik bis hin zum Büro. Bewerbungen sind ab sofort über karriere.lidl.at möglich.

Die große Fülle an Angeboten zu Ausbildung und Lehre kann schnell zur Herausforderung für junge Menschen werden. Um Jugendlichen bei der Entscheidung zu helfen, veranstaltet dm drogerie markt dieses Jahr in Salzburg erstmals die dm Zukunftstage: Donnerstag, 23.01.2020, 09:00-18:00 Uhr, dm Filiale Europark (Europastraße 1, 5020 Salzburg) und  Donnerstag, 30.01.2020, 08:00-18:00 Uhr, dm Filiale Anif (Alpenstraße 106, 5081 Anif)

Über die vielfältigen Karrieremöglichkeiten bei Interspar können sich Wiens Schülerinnen und Schüler hautnah bei den heurigen Interspar-Lehrlings-Events in Meidling, Simmering, Döbling, Ottakring und Floridsdorf zwischen 23. und 30 Jänner informieren. 21 Lehrberufe, Lehre und Matura, Gratis-B-Führerschein bei guten Leistungen sowie Prämien von über 4500 Euro können winken. Mehr unter https://www.interspar.at/lehre

Und natürlich sucht auch Spar Lehrlinge: Bis zu 900 neue Lehrlinge können 2020 aus 21 verschiedenen Berufen ihren Traumberuf wählen. Und auch ihnen wird einiges geboten: Neben zahlreichen Benefits wie Zusatzprämien von über 4500 Euro, gratis B-Führerschein bei guten Leistungen und spannenden Zusatzausbildungen winkt ein sicherer Job mit Zukunft. Besonderer Bonus: Die erneute Überzahlung der gesetzlichen Lehrlingsentschädigung ab 1.9.2020. 

Nicht zuletzt sucht Rewe Lehrlinge: Die Rewe Group in Österreich setzt ihren Weg fort und erhöht sukzessive die Lehrlingszahlen. Damit hat sich die Anzahl der Lehrlinge in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt. Der Großteil der Lehrstellen wird von Billa angeboten. Penny und Bipa haben im Jahr 2019 die Anzahl ihrer Lehrstellen deutlich erhöht – Bipa in den letzten beiden Jahren sogar mehr als verdreifacht. Mittlerweile sind es 2000 Lehrlinge, die bei Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg, AGM und die Rewe Group Zentralfirmen ihre Lehre machen. Im Angebot gibt es aktuell 25 Berufsbilder. Die Bandbreite reicht dabei von Einzelhandel mit den Schwerpunkten Lebensmittelhandel, Parfümerie, Feinkostfachverkauf sowie dem zusätzlichen Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ über Lebensmitteltechniker/in oder Betriebslogistikkaufmann/-frau bis hin zu Metalltechnik / Maschinenbautechnik, Systemgastronomiefachmann/-frau oder Applikationsentwicklung – Coding.

Veröffentlicht am

21.01.2020