Corona Krise: bis es kracht

Corona-Virus-Krise: Bis es kracht

Es musste erst eine Krise dieser noch nie dagewesenen Art kommen, um zu zeigen, wie gut der Handel organisiert ist.

Kleinen Kindern sagt man: Du kommst erst zur Vernunft, bis es einmal kracht. Das hat es jetzt, denn das COVID19 Virus hat unser aller Leben ordentlich auf den Kopf gestellt. Einige Wirtschaftszweige kommen deshalb ganz besonders zum Handkuss und dazu zählt der Handel, besonders der Lebensmittelhandel und Drogeriefachhandel. Dort herrschen unglaubliche Zustände, die mit Bevorratungen der Konsumenten zu tun haben. Andererseits sieht man gähnende Leer etwa im Non-Food Bereich. 

Für beide gilt: es ist eine neue Situation, die jedoch wirklich ausnahmslos besonders ruhig und besonnen erträgt: seien es die hektischen, panischen und zum Teil auch schimpfenden Kunden oder der Umsatz, der sich im freien Fall bewegt. Allen Händlern und ihren Mitarbeitern sei ein ganz besonderer Dank in dieser herausfordernden Situation ausgesprochen. Nach all den Vorwürfen in den letzten Wochen und Monaten zeigt es wieder einmal, wie gut der heimische Lebensmittelhandel aufgestellt ist und welche kompetenten Ansprechpartner die Bundesregierung somit an ihrer Seite hat.

Veränderung des Einkaufsverhaltens

Das IFH in Köln sieht eine Veränderung im Einkaufsverhalten. 52 % der Onlinelebensmittelkäufer kaufen im Vergleich zu den vergangenen ein bis zwei Jahren ihre Lebensmittel nun häufiger online ein – oft eine bewusste Entscheidung, um den Gang in den Supermarkt zu vermeiden. Dabei wandern Nudeln, Konserven, Reis – Lebensmittel, die kein Risiko bezüglich Produktqualität beinhalten und sich lange halten – zuerst in den Onlinewarenkorb. Zu diesem Ergebnis, das in Zeiten des neuartigen Coronavirus besonders interessant ist, kommt die neue Studie „Lebensmittel online – heute und 2030“ des IFH Köln und sie bezieht sich auf Deutschland. Für Österreich werden ähnliche Szenarien gelten. Diese Erkenntnisse erfahren durch das Corona-Virus eine besondere Relevanz.

Fachverband der Lebensmittelindustrie beruhigt zu recht

Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands für die Lebensmittelindustrie beruhigt: Es gibt bislang keine Hinweise, dass Corona über Lebensmittel übertragbar wäre laut EFSA und  BfR.

Derzeit ist eine hohe Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln festzustellen, allerdings sehr unterschiedlich in verschiedenen Regionen und Bundesländern. Es gibt Listen von karitativen Organisationen (z.B. Rotes Kreuz) zum Thema „Nahrungsmittelvorrat“ mit einer Vielzahl von Produkten, die derzeit auch überdurchschnittlich im LEH und LM-Großhandel nachgefragt werden.

Der Warenverkehr mit Italien funktioniert derzeit mit Ausnahme von langen Grenzwartezeiten, die eine pünktliche und fristgerechte Zustellung der Lebensmittel aktuell leider nicht möglich machen. Es werden – dort wo es möglich und sinnvoll ist – den Informationen zufolge die Zugmaschinen ausgetauscht, sodass die Fahrer nicht zwischen den Ländern ein- und ausreisen müssen.

Derzeit sind keine speziellen Probleme durch Corona im Bereich der Lebensmittelindustrie und Lebensmittelversorgung bekannt. Die Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft stellen sich wie auch andere darauf ein. Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen wie häufiges Händewaschen etc. sowie eine Prüfung, welche Tätigkeiten ev. von Homeoffice-Plätzen erledigt werden könnte, gibt es wie in allen anderen Betrieben auch. Teilweise werden veränderte Regelungen z. B. bei Kantinen getroffen, um die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren und Händedesinfektionsspender vor den Eingängen aufgestellt. In den Produktionen selbst gelten grundsätzlich Hygienemaßnahmen für die Lebensmittelproduktion, was das Risiko generell vermindert.

Handelsverband sieht starke Einbrüche für Non-Food

Mag. Rainer Will, Geschäftsführer vom Handelsverband, macht sich ernsthaft Sorgen um einen Teil des Handels. Rund 80% der heimischen Non-Food Händler sind bereits von Corona-bedingten Umsatz- bzw. Frequenzrückgängen in der Höhe von 25 % und mehr betroffen, wobei sich die Lage seit Anfang dieser Woche nochmal deutlich verschärft hat. Am schwierigsten ist die Situation aktuell in der Luxusgüterbranche, im Schmuck-, Mode- und Schuhhandel sowie seit dieser Woche auch im Direktvertrieb.

Umso wichtiger ist es, dass der Handel in der aktuellen Situation nicht von Stabilitätspaketen ausgespart bleibt. Insbesondere KMU-Händler und selbstständige Kaufleute brauchen jetzt möglichst unbürokratische Unterstützung, um Umsatzeinbrüche abzufedern. (Erhöhte Budgetmittel für Kurzarbeit; Kurzarbeit vor allem für KMU unbürokratisch bewilligen; Zahlungsaufschübe für Steuern und Abgaben zinsfrei bewilligen; Temporäre Zuschüsse für Mietzahlungen; 100 Millionen Euro Haftungsübernahmen für Working-Capital Kreditlinien im ersten Schritt)

Die gute Nachricht: Im Lebensmittelhandel ist die Versorgungssicherheit bestens gewährleistet. Wenngleich die Nachfrage nach lange haltbaren Lebensmitteln zuletzt höher war, stellen die besten technischen Bestellsysteme und regionale Wertschöpfungsketten sicher, dass den Konsumenten wie gewohnt die volle Bandbreite an Lebensmitteln zur Verfügung steht.

WKO sieht rechtliche Seite

„Der Handel ist grundsätzlich gegen jede gesetzliche Verkürzung der Öffnungszeiten“, kommentiert Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel, einen entsprechenden Vorstoß der Gewerkschaft GPA-djp. Insbesondere der Lebensmittelhandel sehe sich als wichtige Infrastruktur zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit der gesamten Bevölkerung. „Der Handel ist nach wie vor gut gerüstet.“

Für die Zeit der Schulschließungen sei es aber „vorstellbar, die Geschäfte erst um 8 Uhr zu öffnen, da das Jausengeschäft in der Früh ja wegfällt“, so Buchmüller. „Damit können wir ein Zeichen gegenüber den Beschäftigten setzen.“ Zudem könnten Unternehmen, welche am Abend länger offenhalten, darüber nachdenken, ob dies angesichts der aktuellen Situation in diesem Ausmaß notwendig ist. 

Die jüngste Nachricht ist auch, dass der Lebensmittelhandel als eine der wichtigsten Versorgungsquellen für die heimische Bevölkerung offen halten wird. Dem Handel sei in diesem Sinne nocheinmal gedankt.

 

Veröffentlicht am

13.03.2020