Neue Corona-Lockdown lassen Unternehmen wirklich verzweifeln

Abnützungseffekte werden offensichtlicher

Und schon wieder wurde der Lockdown für den Handel zumindest im Osten verlängert – aktuell bis 20. April. Das belastet auch die Handels-Mitarbeiter.

Aktuelle Studien belegen, dass die Strategie „harter Lockdown“ nicht (mehr) hinreichend funktioniert: Während des ersten harten Lockdowns im März 2020 gab es in Österreich noch einen reduzierten Bewegungsradius um 57 bis 80%, im zweiten Lockdown waren es zwischen 33 und 50% und im dritten Lockdown nur noch zwischen 12 und 42%. Im vierten Lockdown könnte diese Rate sogar auf weit unter 30% sinken. Damit einher gehen Umsatzverluste des Handels von rund 420 Millionen Euro pro Woche. Tausende Arbeitsplätze sind akut gefährdet.
"Wir sehen bereits seit Monaten, dass Teile der Bevölkerung nach mehr als einem Jahr Corona-Krise nicht mehr bereit sind, Ausgangssperren oder Kontaktverbote hinzunehmen. Der Blick auf die Straßen zeigt, dass diese im dritten oder jetzt im vierten Lockdown nicht mehr menschenleer sind. Das bestätigt auch die Analyse der Mobilitätsdaten, es gibt einen deutlichen Abnützungseffekt von Lockdown zu Lockdown", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Dazu kommt, dass die Mitarbeiter im Lebensmittelhandel auch enormen Belastungen ausgesetzte sind: Kunden sind vermehrt aggressiv, das Arbeiten mit all den Maßnahmen wird nicht einfacher.

Umso bedenklicher ist die Tatsache, dass der Handel für die Bevölkerung geschlossen bleibt. Wie bereits bekannt und bewiesen wurde, ist der Handel kein Corona-Virus-Hot Spot und die Ansteckungsgefahr deutlich geringer als innerhalb der Familien.
"Aus unserer Sicht ist die heutige Entscheidung, Wien, Niederösterreich und das Burgenland im vierten Dauerlockdown zu halten, kaum noch argumentierbar. Mit jeder weiteren Einschränkung des öffentlichen Raums verlagert man das Ansteckungsgeschehen noch stärker ins Private – wo man eben nicht kontrollieren kann. Mittlerweile passieren laut den AGES-Clusteranalysen 70% aller Corona-Infektionen im Privatbereich und weitere 15% in der Freizeit. Den Handel, der kein Corona-Hotspot ist, zuzusperren, nur um die Mobilität der Menschen zu reduzieren – das ist nicht verhältnismäßig und das kann nicht der richtige Weg sein", so Will.

Auch Handelsobmann der WKO, Rainer Trefelik sagt, dass nach der aktuellen Datenlage Infektionen so gut wie nie im Handel stattfinden. Somit fehlt die sachliche Basis für die Einschränkungen, da sich die 20-Quadratmeter-Regel und die Maskenpflicht in der Praxis bewährt haben. Die Bundessparte Handel fordert daher auch mehr Unterstützung für die Handelsbetriebe. „Es bedarf nicht nur einer Fortführung der bestehenden Hilfen für die Betriebe, sondern einer Ausweitung“, betont Trefelik auch im Hinblick auf die schon beschlossene Verlängerung des Osterlockdowns in Wien.

Auch der Handelsverband fordert ein zusätzliches Set an Corona-Hilfen, etwa eine Ausweitung des Kurzarbeitsbonus pro Mitarbeiter für die Händler im Osten. Sinnvoll wäre überdies eine Erhöhung des Ausfallsbonus, um die bestehende Deckelungsproblematik zu entschärfen. Und außerdem hofft nicht nur der Handelsverband auf einen regelrechten Impf-Turbo.

Veröffentlicht am

09.04.2021