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Florian Berger, Geschäftsführer des Brauereiverbandes und Karl Schwarz, Obmann das Verbandes der Brauereien

Bierdurst der Österreicher bleibt hoch

Die Österreicher lassen sich ihr Bier auch in Zeiten der Inflation schmecken – allerdings zusehends zu hause statt in der Gastronomie. Im Handel streben die heimischen Brauereien eine deutliche Erhöhung des Pfandpreises der 0,5-l-Flasche an.

Von Clemens Kriegelstein

Trotz merkbarer Preisanstiege sowohl im Handel und vor allem in der Gastronomie – die Österreicher lassen sich ihr Bier weiterhin schmecken. Der Gesamtausstoß aller heimischen Brauereien im Vorjahr (Bier inkl. alkoholfreiem Bier und Exporte) belief sich auf 9,98 Mio. Hektoliter und kommt damit an das sehr hohe Vor-Corona-Niveau des Jahres 2019 heran, so das Ergebnis der Jahresbilanz für 2023 des heimischen Brauereiverbandes. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das zwar ein Minus von knapp drei Prozent, jedoch waren 2022 nach Corona viele Nachholeffekte zu verzeichnen.  Mit einem (aktuell noch geschätzten) Pro-Kopf-Konsum von rund 104 Litern Bier liegt Österreich nach wie vor hinter Tschechien weltweit auf Rang 2.

Kostensteigerungen sorgen für Kopfzerbrechen

Sauer stoßen den Brauern indes die Kostensteigerungen auf und damit die höheren Preise für die Endkonsumenten, die sich speziell in der Gastronomie bemerkbar machen, was auch am dramatischen Wirtesterben zu beobachten sei, so der neue Obmann des Verbandes der Brauereien, Karl Schwarz. Für den Handel bedeutet das indes, dass die Leute ihr Bier verstärkt im LEH kaufen und zu Hause konsumieren, statt im Lokal. War das Verhältnis zwischen LEH und Gastro lange Zeit stabil bei etwa zwei Drittel zu einem Drittel geht die Schere derzeit in Richtung drei Viertel zu einem Viertel. Auch gewisse Entwicklungen bei den Konsumenten, unter anderem der bewusstere Umgang mit Alkohol bei jungen Menschen sowie der demographisch-ethnische Wandel in der Gesellschaft sei eine „Realität, der sich die Brauer stellen müssen.“

Darüber hinaus sei die Kostenbelastung aufseiten der Brauereien nach wie vor hoch und könne nicht 1:1 an Handel und Gastronomie weitergegeben werden. Die hohen Lohnabschlüsse in den beiden vergangenen Jahren schlagen zudem „auf den Bierpreis durch.“ Schwarz fordert daher erneut die Regierung auf, die Schieflage bei der Biersteuer „zu begradigen“ und diese auf die Hälfte zu senken. Sie sei im Vergleich zu bieraffinen Nachbarländern wie Tschechien oder Deutschland „deutlich zu hoch“ und treibe den Bierpreis zusätzlich.

Flaschenpfand soll auf „unter 25 Cent“ steigen

Apropos Preis: Deutlich zu günstig ist derzeit nach Ansicht des Brauereiverbandes das Pfand von neun Cent für die 0,5-l-Mehrwegflasche. Dieses sei seit der Einführung des Mehrwegpfand-Systems vor mehr als 40 Jahren unverändert und sei so derzeit zu wenig Anreiz für immer mehr Konsumenten, die Glasflasche im Kreislauf zu lassen. Aktuell stehe der Verband „in engem Austausch mit allen betroffenen Stakeholdern“, um eine Pfanderhöhung durchzusetzen. Verbandsgeschäftsführer Florian Berger sieht als Ziel etwa einen Preis von „unter 25 Cent“, was zumindest eine Verdoppelung des derzeitigen Pfandpreises bedeuten würde.

Neue 0,33-l-Mehrweg-Flasche

Neuerungen gibt es auch bei den kleineren Flaschen: Nachdem sich immer mehr Biertrinker für die 0,33 Liter Bier-Flasche entscheiden – der Anteil des Gebindes hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt und lag 2023 bereits bei neun Prozent – wird nun auch diese Flasche im großen Stil mehrwegfähig: Gemeinsam mit Vetropack wurde eine neue Standardflasche namens „Vichy“ entwickelt, die – pünktlich zur seit Jänner geltenden, verpflichtenden MW-Quote – im ersten Quartal in den Lebensmittelhandel kommt. Den Start machen zwei große Brauereien, weitere folgen. „Vichy“ ist optisch stark an die „gelernte 0,5-l-Mehrweg-Bierflasche“ angelehnt und punktet neben der gefälligen Optik auch mit inneren Werten: Sie weist einen hohen Anteil an Recycling-Glas auf und verbraucht dadurch sowohl weniger Material als auch Energieeinsatz in der Produktion, ist durch ein neues Härtungsverfahrung bruchsicher und hat eine längere Lebensdauer. Außerdem ist sie verhältnismäßig leicht, was bedeutet, dass sechs statt fünf Lagen auf eine Palette passen sollen.

Großes Potential für AF-Bier

Bei den Lieblingssorten der Österreicher gibt es wie zu erwarten wenig Überraschung. Lager/Märzenbier ist nach wie vor mit einem Marktanteil von gut 70 Prozent unangefochten die Nr. 1, gefolgt von Vollbier mit 13 Prozent und Spezialbier mit vier Prozent. Großes Potential sehen die heimischen Brauer indes beim alkoholfreien Bier: In Österreich wurden im Vorjahr für den Inlands-Verbrauch rund 29 Millionen Liter AF-Bier eingebraut. Aktuell liegt dessen Marktanteil in Österreich bei 3,3 Prozent, Tendenz steigend. Zum Vergleich: In Tschechien und Deutschland liegt dieser Wert jeweils bei rund 6,5 Prozent. Auch europaweit sei AF-Bier auf dem Vormarsch, der Anteil von alkoholfreiem Bier an der Bierproduktion in Europa werde auf ungefähr fünf Prozent geschätzt. „Diese fünf Prozent sind auch für Österreich eine realistische Marke. Vor allem weil durch verbesserte Technik die geschmacklichen Unterschiede zwischen AF-Bier und Bier mit Alkohol immer weiter verschwinden“, so Berger.

0,33-l-Mehrweg Glas

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geschrieben am

19.02.2024