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Berglandmilch-Geschäftsführer DI Josef Braunshofer im Gespräch mit retailreport.at

Berglandmilch: Naturnah kreativ

DI Josef Braunshofer muss sich im Energiesegment etwas überlegen, um Milch, Verpackung und Kosten im Griff zu haben. Im Interview mit retailreport.at.

Milch und Milchwirtschaft haben in Österreich eine sehr große Bedeutung: Flächenbewirtschaftung durch Bauern, Regionalität, österreichische Wertschöpfung sind Schlagworte, die zwar sehr strapaziert werden aber dennoch richtig sind. In der Geschichte der österreichischen Molkereien ist sie eine fixe Größe: die Berglandmilch. Ihre Tätigkeit ist im Sinne der Unternehmensgröße zwiespältig zu sehen: international zählt sie im Vergleich zu deutschen und niederländischen Molkereien zu den Kleinen, in Österreich ist sie Marktführer, und auch eines der größten lebensmittelproduzierenden Unternehmen des Landes. „Das macht es manchmal auch schwer internationale Konzerne von uns zu unterscheiden“, so DI Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch in einem Interview. „Wir sind aber durch und durch österreichisch und stehen dafür ein. Unser Ziel ist ehrliches naturnahes Wirtschaften. Unser Standort bestimmt unseren Standpunkt und der ist österreichisch. Die Wertschöpfung bleibt im Lande, unsere österreichischen Milchbauern sind unsere Eigentümer und die Konsumenten erfreuen sich an den in Österreich entwickelten Innovationen im Mopro-Bereich“.

Für die beiden großen Vollsortimenter ist die Berglandmilch ein sehr großer Einzellieferant. Und trotzdem liegt unsere Rendite bei nur knapp einem Prozent unseres Netto-Umsatzes. Im Vergleich zu internationalen Größen der Lebensmittelindustrie aber auch der internationalen Milchwirtschaft ist das wahrlich niedrig. Auch wenn es ein tägliches Ringen um Preise und Listungen ist, so fährt die Berglandmilch mit ihrer bäuerlichen Eigentümerstruktur berechenbar durch die Wogen der Milchflüsse. Trotzdem: Nicht die Berglandmilch entscheidet vorrangig über die Innovationen, sondern der Kunde – viel wichtiger. Die Kundin. „Wir müssen die Kette von hinten betrachten: zuerst ist wichtig, was die Konsumentin kaufen möchte. Denn sind wir ehrlich: was zu Hause gegessen und getrunken wird, entscheidet in einer Familie oft noch mehrheitlich die Frau – ganz speziell bei unseren Produkten“, so Braunshofer.

Viele Entscheidungen zu treffen

Rund um die Produktentwicklung muss eine Vielzahl an Entscheidungen getroffen werden, die im Laufe der Zeit immer diffiziler werden. „Die Rohstoffpreise sind volatil und ändern sich monatlich. Zucker zum Beispiel hat sich im Einkaufspreis verdoppelt. Verpackungen stiegen um bis zu 60% zum Vorjahr und es ist auch der Bauernmilchpreis um mehr als 50% im Vergleich zu 2021 höher“, beschreibt Braunshofer die heikle Situation. Aktuell verhandelt die Berglandmilch über weitere Preiserhöhungen, weil auch der Milchpreis wieder im Steigen ist. 54 Cent netto gibt es für ein Kilogramm.

Zum ersten Mal in einer langen Geschichte der europäischen Milchproduktion gibt es aber keine Mengen-Anlieferungssteigerung. „Zum ersten Mal wurde 2021 weniger Rohmilch gesammelt als das Jahr davor. Die Ursache dafür ist eine internationale. Holland muss auf Geheiß der EU die Intensität der Landwirtschaft zurückfahren und damit landwirtschaftliche Betriebe aus der Produktion rausnehmen. 25 Mrd. Euro sind dafür von der niederländischen Regierung vorgesehen, um dieses Projekt zu stützen. Mit ein Grund: Die Grundwasserbelastung hat aufgrund der intensiven Landwirtschaft eine zu hohe Grenze erreicht“, klärt Braunshofer auf. „In Österreich haben wir das nicht und hier erklärt sich unser Attribut NATURNAH. Auch wenn wir nicht flächendeckend Bio sind, setzen wir keine Futtermittel aus Übersee, kein Glyphosat, keine allgemein gentechnisch veränderten Futtermittel, kein Palmfett, keine Milchaustauscher ein und verringern damit spürbar unseren ökologischen Fußabdruck.“

Preisrallye mit der Milch

Die Kehrseite der Medaille ist die Entwicklung der Preise. Man muss einen adäquaten Milchpreis zahlen, um den Rohstoff nicht zu verlieren. In der aktuellen Situation wollen eben nicht mehr nur die österreichischen Molkereien die Milch, sondern auch die internationalen (ZB Deutschland, Niederlande).

Energiedebakel

Hand in Hand mit dem steigenden Milchpreis gehen – wie bereits erwähnt – die Kosten in jedem der einzelnen Werke in die Höhe. „Wir sind eine energieintensive Branche. Unser Rohstoff Milch muss erhitzt, also pasteurisiert, werden. Unser Energieeinsatz verteilt sich zu 60% auf Gas und 40% auf Strom. Wir hoffen, dass wir den Gas-Anteil so rasch wie möglich mit nicht fossilen Brennstoffen ersetzen können. Fix ist, dass wir nicht auf Öl zurückstellen“, blickt der Berglandmilch-Geschäftsführer in die Zukunft. „Es ist geplant, im Werk Aschbach in ein paar Wochen mit Biogas zu heizen, in Feldkirchen zu Jahresende mit Hackschnitzel und ebenso Mitte nächsten Jahres in Klagenfurt “. Auch hier gilt die Devise: Wertschöpfung muss in Österreich bleiben. „Mitte 2023 wollen wir zu 2/3 weg sein von fossilen Brennstoffen“. Das eigentliche Problem sieht Braunshofer im Stromverbrauch. „Aktuell decken bei Berglandmilch Photovoltaik-Anlagen in der Größe von fünf Fußballfeldern 2-3% des Strombedarfs. „Und auch in Zukunft werden es nicht mehr als 10% sein, deshalb müssen wir – wie viele andere Unternehmen – auch in Zukunft den Strom großteils zukaufen“.

Alle Investitionen, die hier im Sinne der Nachhaltigkeit und Energie-Reduktion getätigt werden, sind langfristige Investitionen. „Ich bin sehr froh, dass auch unsere Eigentümer so denken und kein ‚Shareholder-Value Denken‘ an den Tag legen“, so Braunshofer. „Auch deshalb kann man sich auf die Berglandmilch in Österreich verlassen“. Österreich ist die Heimat der Marken Schärdinger, Tirol Milch, Stainzer Milch und Lattella.

Welche Trends gibt es?

Die Tagesthemen über Preissteigerungen, Kollektivverhandlungen und Verknappung sollten dennoch nicht von den Kerngeschäften eines Markenproduzenten ablenken: Innovationen vorstellen. Einer der Trends ist „Glas“: „Unser Highlight der letzten Jahre ist die Milch im wiederbefüllbaren Mehrweg-Glas. In den nächsten Schritten kommt ins Glas: Bio Hummus und Frischkäse.“ Beim Hummus kommen die Bio-Kirchenerbsen natürlich ebenfalls aus Österreich. Auch Joghurt im Mehrweg-Glas ist ein starker Trend der Zukunft, ebenso wie Käse in Scheiben und streichfähige Butter. „In allem Tun und Denken sind wir zwar ein nationales Unternehmen, denken aber in Beschaffung, Herstellung und Vertrieb dezentral und naturnah“, so Josef Braunshofer abschließend.

Das Interview führte Gabriele Jiresch

Kategorie

Veröffentlicht am

13.09.2022