CEO Nestlé Österreich, Corinne Emonet, im Interview mit retailreport.at

Bei Nestlé ist jeder Markt wichtig

Nestlé hat in Österreich zwar keine Fabrik mehr, aber der Markt steht beim internationalen Unternehmen hoch im Kurs, wie CEO Nestlé Österreich, Corinne Emonet berichtet.

Corinne Emonet leitet seit 2019 die Österreich-Geschäfte des internationalen Unternehmens Nestlé in Österreich. Sie ist seit 26 Jahren im Konzern tätig und kennt fast alle Unternehmensbereiche: Vertrieb, Marketing, Management. „Es gibt so viele Möglichkeiten, um bei uns Karriere zu machen“, schwärmt die Managerin über die vielfältigen Möglichkeiten. Einerseits innerhalb der verschiedenen Kategorien, wie Süßwaren, Tiernahrung, Kaffee oder Lebensmittel. Aber auf der anderen Seite auch in diversen Verantwortungsbereichen wie die bereits genannten. Und hier auch wieder auf die eigenen Möglichkeiten zugeschnitten. Dass diese Möglichkeiten nicht nur auf dem Papier so sind, zeigt die Tatsache, dass in der Zentrale in Wien 50 % des Management-Teams Frauen sind. „Ich habe mich immer unterstützt gesehen bei Nestlé“, umfasst Corinne Emonet ihre eigene Karriere.

Nachhaltigkeit ist Strategie

Jahre-, nein jahrzehntelang muss man sagen, hat man sich in Unternehmen wie Nestlé um Neuheiten, Akquisitionen und Märkte gekümmert – so wie alle großen Unternehmen der Welt. Diese Strategien haben sich stark verändert. Heute gelten Nachhaltigkeit, Klimaneutralität, Diversity, Gesundheit als die ganz wichtigen und großen Ziele in einem Unternehmen – so auch bei Nestlé. „Wir haben der Gesellschaft gegenüber eine sehr große Verantwortung“, meint Emonet. „Und die nehmen wir sehr ernst!“
Der Konzern hat vor einigen Monaten hat sein Ziel bekannt gegeben, bis 2030 die Treibhausgasemissionen zu halbieren, und bis 2050 Netto-Null zu erreichen. Um das zu erreichen muss das Unternehmen seine Treibhausgasemissionen vom Feld bis zum Teller drastisch reduzieren, und die verbleibenden Emissionen durch Projekte zur Bindung von Kohlenstoff in Böden und Bäumen ausgleichen. Im Dezember 2020 hat Nestlé ihren Aktionsplan vorgelegt. Dieser basiert auf drei Säulen: Förderung einer regenerativen Landwirtschaft, Umstellung auf Strom aus erneuerbarer Energie, sowie ein „grüneres“ Portfolio, etwa mit mehr pflanzenbasierten Produkten.

„Wir haben ambitionierte globale Ziele, und jedes Land leistet seinen Beitrag, um diese zu erreichen. Denn: jeder Schritt zählt. Die durch Nestlé in Österreich anfallenden Emissionen sind bereits sehr gering: Wir haben keine Produktionsstandorte mehr, damit liegt der Fokus bei der Reduktion des nationalen Emissions-Fußabdrucks auf unseren operativen Tätigkeiten, wie die lokale Logistik. Dennoch können wir auch bei der Gestaltung unseres lokalen Produktportfolios wichtige Signale setzen“, sagt Corinne Emonet, Geschäftsführerin von Nestlé Österreich.

Ein wichtiges Signal ist, dass der Transport verstärkt auf der Schiene stattfinden soll. Aber auch Verpackungen (wie Smarties, Nesquik und KitKat bereits aktiv umgesetzt haben), sollen nachhaltig und umweltfreundlich sein und werden.

Pilotprojekte im Kaffee

Im Bereich  Verpackungen  evaluiert man auch Modelle zur Wiederbefüllbarkeit. Mit Nescafé startete man kürzlich einen Piloten im 'go2market' in Wien; hier können Bohne oder Pulver über eine Abfüllstation in bereits mitgebrachte Gefäße gefüllt werden, die übliche Produktverpackung fällt weg. „Ein wichtiger Schritt, den wir hier gehen“, meint Emonet.

Weitere zahlreiche Maßnahmen sind bekannt und werden stets weiterentwickelt: der Ausbau des Garden Gourmet Sortiments mit rein pflanzenbasierten Zutaten, die beispielsweise beim Burger  80% weniger CO2-Ausstoß als ein Rindfleisch-Burger produzieren; dTransparenz über die Nährwertqualität der Produkte über Nutri-Score zu schaffen; aber auch Innovationen in allen Bereichen auf den Markt zu bringen.

Jeder Markt ist wichtig

Auf die Frage, welche Bedeutung der österreichische Markt für einen Konzern in der Größe von Nestlé hat, antwortet Corinne Emonet: „Bei Nestlé ist jeder Markt wichtig“. Man erwartet von jedem Markt ein Kategoriewachstum. „Unsere Philosophie ist die lokale Vernetzung, die eben auch in den Märkten spürbar ist“, so Emonet. Mit dem Handel arbeitet man in allen Bereichen, natürlich auch im Category Management, sehr gut zusammen. Nestlé-Marken und Produkte müssen für den Handel einen Mehrwert oder eben eine Differenzierung bringen.

Neuheiten am Start

Wenn es um Neuheiten und Innovationen geht, so ist man bei Nestlé in Österreich Feuer und Flamme. „Wir haben zahlreiche Innovationen, ein paar davon möchte ich hier hervorheben“, berichtet die CEO.

«Es ist ein besonders spannendes Jahr für die Kategorie Kaffee: Wir haben kürzlich Nescafé Black Roast für Liebhaber von purem, schwarzen Kaffee lanciert. Bei den Starbucks Kapseln werden wir weitere neue Varianten auf den Markt bringen. Nespresso hat mit Vertuo ein neues Kaffeesystem mit eigens dafür kreierten Kaffeekapseln auf den Markt gebracht. Dank seiner der innovativen Centrifusion™ Technologie schafft VERTUO ein komplett neuartiges Geschmackserlebnis in individuell wählbaren Tassengrößen.

Eine tolle Nachricht ist auch, dass Garden Gourmet und die neue Marke Little Steps unter jenen Nestlé-Marken sind, die als erste klimaneutral werden. Bei Little Steps wurde etwa zunächst versucht, die Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren; unvermeidbar anfallende Emissionen werden durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten ausgeglichen.

Nicht zuletzt erfreuen sich biologische Produkte in Österreich auch weiterhin an großer Beliebtheit. Dieser Konsumentennachfrage sind wir mit dem Launch von verschiedenen Bio-Produkten nachgekommen, z.B. Nesquik Bio sowie auch Beba Bio, unserer bewährten Säuglingsnahrungsmarke.

"Auch unser Nestlé Health and Science Portfolio entwickelt sich stetig weiter, gerade eben etwa im Bereich Darmgesundheit mit dem Produkt OptiFibre® Flora. Diese Produkte werden allerdings auf anderen Vertriebskanälen angeboten, in Apotheken und an Krankenhäuser", so Emonet.

E-Commerce ist ein Thema

E-Commerce ist ein Wachstumstreiber, das ist keine Neuheit. Man arbeitet auch bei Nestlé daran, diesen Bereich gut abzudecken. Über die Kooperation zwischen Nestlé Purina und tails.at, einem Online-Shop für Tiernahrung, haben Verbraucher nun die Möglichkeit, sich individuelles Heimtierfutter direkt nach Hause liefern zu lassen.

Aber auch fremde Plattformen wie Gurkerl.at werden in der Zusammenarbeit erfreut gesehen.  "Die Zukunft wird sein, dass wir vermehrt online einkaufen und dabei auch noch Services nutzen", beschreibt Corinne Emonet die Zukunftsszenarien. Man ist noch ein Stück gedanklich davon entfernt, aber es wird kommen: Der Koch, der für zu Hause kocht oder die automatische Lieferung, wenn ein Produkt leer ist (Walmart in USA bietet etwas ähnliches an). "Tailormade und personalisiert, das sind in meinen Augen die Schlagworte der Zukunft", so Corinne Emonet.

Zahlen und Fakten

Nestlé hat ein vielfältiges Portfolio, da man in vielen Kategorien vertreten ist, wie Kaffee, Süßwaren, Lebensmittel, Säuglingsernährung, Tiernahrung, sowie auch medizinische Ernährung. Darunter sind bekannte Marken wie Smarties, Felix, Kitkat, Nescafé, Nespresso, aber auch neue Marken wie Garden Gourmet, die komplett pflanzenbasierte Marke.

Seit 2019 wächst Nestlé stetig und gewinnt Marktanteile dazu. Corinne Emonet: „2020 sind wir im von Nielsen abgedeckten Markt um 8,3% wertmäßig gewachsen. Wir freuen uns insbesondere, dass wir seit letztem Jahr wieder unter den Top 10-FMCG Playern in Österreich sind. Die Corona-Situation hatte aber natürlich Auswirkungen auf unser Out-of-Home-Geschäft, was insgesamt zu einem geringeren Wachstum geführt hat, aber immer noch positiv.“

Veröffentlicht am

28.05.2021