Corona Krise lässt Unternehmen sterben

Die vielen Facetten des Schadens

Der Lock-Down brachte viele Unternehmen in Misslage, von klein bis groß, von Handel bis Gastro und Dienstleistung.

Schade um die viele Arbeit. Schade um die vielen Stunden Arbeitseinsatz und die Tage und Nächte investierter Zeit all jener Unternehmen, die nun vor einem Scherbenhaufen oder ähnlichem stehen. Ein Virus hat alles verändert und es ist nicht für alle Unternehmen so, dass die „Time to change“ naht. Für manche heißt es „Time to die“, wenn nicht bald Hilfe kommt. 

Die Autoren der Studie der JKU in Linz (Johannes Kepler Universität, Institut für Absatz und Marketing) sind hinlänglich bekannt: Univ-Prof. Dr. Christoph Teller und Dr. Ernst Gittenberger ziehen Bilanz: Covid-19 und die damit einhergehenden Geschäftsschließungen verursachen Umsatzverluste in Höhe von - 1,6 Mrd. Euro (brutto). Während der systemrelevante Food-Bereich März/April Zuwächse in Summe von + 600 Mio. Euro erwirtschaften kann, verlieren die Non-Food-Branchen im Lock-Down im Vergleich zum Vorjahr Umsätze in Höhe von -2,2 Mrd. Euro. Um die Corona-bedingten Umsatzverluste im Non-Food-Einzelhandel im Laufe des heurigen Jahres aufzuholen, müssten die Umsätze in den verbleibenden Monaten jeweils um + 250 Mio. Euro höher als 2019 ausfallen – was eingedenk der verhaltenen Konsumstimmung und dem (vorläufigen) Ausbleiben von Touristen nicht wahrscheinlich ist. 

Dabei hätte es wirklich schön werden können: Die Analysen auf Basis von Statistik-Austria-Konjunkturdaten zeigen für den österreichischen Einzelhandel einen passablen Start ins Jahr 2020. Ausgehend vom hohen Umsatzniveau 2019 (rd. € 77 Mrd., brutto, exkl. Tankstellen) können im Jänner verhaltene Zuwächse erzielt werden. Im Februar übertreffen die Einzelhandelsumsätze sowohl im Food- als auch im Non-Food-Bereich das Vorjahresniveau deutlich (+€ 290 Mio. bzw. +€ 190 Mio.). 

Dann kam Covid-19: 22.400 Einzelhandelsgeschäfte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 9,3 Mio. m2 schließen ab 16. März. Der Non-Food-Handel fährt im März Umsatzverluste in Höhe von - 960 Mio. Euro (brutto) ein. 

Die systemrelevanten Food-Branchen erzielen hingegen Umsatzsteigerungen in Summe von + 330 Mio. Euro. Im April normalisieren sich die „Hamsterkäufe“ wieder und der Umsatzzuwachs (im Vergleich zum Vorjahr) bewegt sich mit + 280 Mio. Euro sogar knapp unter dem Anstieg von Februar. Der Rest ist bekannt.

Hilfe lässt auf sich warten

Bekannte Psychologen meinten einst: „Die Panik kommt nach dem Krieg“. Ist Covid-19 der Gegner, dann kommt die Panik erst jetzt, nachdem man den Gegner kennt – sie kommt in Form von Insolvenzen und Firmenschließungen, Totalverlusten des Privatvermögens und absolutem Frust. Wie es den Unternehmen geht, das fragte eine Gruppe von Freien Verbänden (Österreichische Hoteliervereinigung, Handelsverband, Gewerbeverein, Senat der Wirtschaft und das Forum EPU) rund 650 Unternehmer im Land. 67% aller befragten Unternehmen sind mit den Maßnahmen der Regierung nicht glücklich und haben sich andere, schnellere und mehr finanzielle Hilfe erwartet. Sie reagierten unterschiedlich auf die Umsatzeinbrüche: 

  • 73% reduzierten den betrieblichen Aufwand 
  • 55% reagierten mit Zahlungsaufschüben 
  • 55% nahmen Steuerstundungen in Anspruch 
  • 53% beantragten Eigenkapital-Zuschüsse 

Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Umsatzrückgang von 44% erwartet. 

Handel: sofortige Struktur- und Steuerreform


Alle Bereiche im Einzel- und Großhandel stehen vor massiven Herausforderungen, die Händler rechnen heuer mit Umsatzeinbußen von durchschnittlich 32 %. „2020 werden im Handel wohl ein Drittel der Umsätze wegbrechen. Die Investitionen werden ebenfalls zurückgefahren, wovon alle Branchen betroffen sind. Wir haben mittlerweile mehr als 550.000 Arbeitslose und 1,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Nachdem die Kriseninstrumente die Firmen nur langsam erreichen, muss die Kaufkraft der Bevölkerung gestärkt werden, damit Selbsthilfe möglich ist. Ein Vorziehen der bereits paktierten Steuerreform sowie die Ausgabe von 500 Euro-Schecks an alle Personen mit Hauptwohnsitz Österreich und einem Jahreseinkommen unter 11.000 Euro sind dafür entscheidend", sagt Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch. 

Und alle Unternehmensverbände sind sich einig: neben Zuführung von Eigenkapital ist es auch wichtig, dass die geplante Steuerreform kommt. Eine merkliche und nachhaltige Stimulation der Nachfrage durch die bereits paktierte Senkung der Lohn- und Einkommenssteuer muss jetzt beschlossen und vor Beginn des Sommers umgesetzt werden. 

 

Veröffentlicht am

08.06.2020