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Eine Studie von Branchenradar.com Marktanalyse und Handelsverband ist auch für das bereits angelaufene Jahr durchwachsen optimistisch.

Auch 2021 wird es Umsatzverluste geben

Eine Studie von Branchenradar.com Marktanalyse und Handelsverband ist auch für das bereits angelaufene Jahr durchwachsen optimistisch.

Natürlich ist man in der Wirtschaft und somit auch im Handel froh, dass die Lockdowns aller Voraussicht nach ein Ende haben und auch die Gastronomie/Hotellerie – der wichtige Begleiter des Handels – seine Türen aufsperren durfte. Aber die Freude ist auch getrübt. Denn zum einen war die Coronakrise einkommenstechnisch eine Zäsur für viele Verbraucher und zum anderen ist die Krise ja 2021 noch nicht vorbei. Die Bevölkerung ist nach wie vor verhalten, wenn es ums Einkaufen geht. Normalerweise liefert der private Konsum 50% des Bruttoinlandsproduktes Österreich.

Andreas Kreutzer, Geschäftsführer Branchenradar.com Marktanalyse und Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes präsentierten einen Rückblick und eine Vorschau.

Das Schadensausmaß im Handel ist enorm

2020 sind die Ausgaben der privaten Haushalte in Österreich von 206,5 Milliarden Euro um - 6,8 % auf 192,5 Mrd. Euro gesunken. Inflationsbereinigt liegt das Corona-bedingte Minus sogar bei -8,2 %. Der Rückgang der Ausgaben traf primär den Dienstleistungs- und Kfz-Sektor. Der Einzelhandel musste ein reales Umsatzminus von rund 1,3 % auf 67,6 Milliarden Euro verkraften.

"Für 2021 erwarten wir zwar eine leichte Erholung von real 0,5 %, das Vorkrisenniveau werden wir aber vermutlich erst 2024 wieder erreichen. Insgesamt haben uns die Covid-Lockdowns Ausgabenausfälle von 39 Milliarden Euro gekostet", erklärt Rainer Will die zentralen Ergebnisse der Studie.

"Die Einkäufe konzentrierten sich im Vorjahr ganz stark auf In-Home-Produkte. Das Podium der Top3-Wachstumssieger 2020 bilden Nahrungsmittel mit +8,6 %, Videospiele mit +6,7 %, Grünraumprodukte mit 5,4 %. Alle Ausgaben in Zusammenhang mit sozialen Kontakten und Outdoor- bzw. Freizeitaktivitäten waren hingegen rückläufig", ergänzt Andreas Kreutzer.

Die Delle wird schwierig aufzuholen

Dass man die Delle von einem Minus von 39 Mrd. Euro heuer noch aufholen wird können, ist unrealistisch. Auf den ersten Blick scheint es so, als sei der heimische Einzelhandel bisher mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen. Erst bei genauerer Betrachtung der Zahlen wird klar, wie enorm das Schadensausmaß der Pandemie tatsächlich ist. Allein die Umsatzverluste für die "Osterruhe" im Osten belaufen sich auf 1,95 Milliarden Euro. Der Onlinehandel konnte einen Teil dieser Verluste auffangen, allerdings haben davon insbesondere Webshops aus Drittstaaten wie Amazon profitiert.

Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und je abhängiger vom Tourismus, desto geringer die Liquiditätsreserven und desto dicker das Minus. Auch zwischen den Marktbegleitern im Handel kam es zu starken Umverteilungseffekten. Aktuellen Studien zufolge müssen in den nächsten zwei Jahren 5.000 bis 10.000 Geschäfte schließen, dadurch sind zehntausende Jobs gefährdet.

Onlinehandel entwickelt sich dynamisch

Der Distanzhandel befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Der Vertriebskanal generierte während der Pandemie um satte 17 % höhere Privatausgaben. Damit steigt der eCommerce-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz auf den neuen Rekordwert von 11,2 %.

Hinzu kommt: Neben den bislang im Onlinehandel dominierenden Warengruppen Bekleidung/Schuhe (31,2%), Elektrogeräte (26,3%) und Bücher (46,8%) wird der eCommerce für immer mehr Waren zu einem relevanten Vertriebskanal.

So erhebt der aktuelle Branchenradar für 2020 substanzielle Zuwächse etwa bei Kunst- Antiquitäten (+75%), Grünraumprodukten (+45%), Drogeriewaren (+36%) und Einrichtungs- gegenständen (+40%). Im Lebensmittelhandel ist Online-Shopping zwar trotz massiver Investitionen noch eine Nischenangelegenheit, die Wachstumsdynamik ist allerdings mit +46% ebenfalls beträchtlich.

Noch stärker als der Distanzhandel hat im letzten Jahr der sog. KEP Markt (Kurier-, Express- und Paketdienste) zugelegt. 2019 lag die Zahl der zugestellten Pakete im B2C Bereich bei 109 Millionen, 2020 ist das Paketvolumen um unfassbare 27 % auf 139 Millionen Stück angewachsen. Hauptgründe für die Paketlawine sind neben dem generellen eCommerce- Boom vor allem überproportional steigende Teillieferungen und Retouren. Der durchschnittliche Paketwert ist hingegen um 8 % gesunken", bestätigt Kreutzer.

Der Anteil ausländischer Onlinehändler am Paketvolumen ist allerdings auf rund 64 % angestiegen.

Geht es bergauf?

Für die Händler bedeutet die Rückkehr zu den normalen Geschäftszeiten und die Öffnung von Gastronomie & Hotellerie einen weiteren Schritt Richtung Normalität und wirtschaftlichem Comeback. Je besser es den Hotels, Kaffeehäusern und Gastwirten geht, desto stärker profitieren auch die heimischen Geschäfte von steigenden Besucherzahlen und Impulskäufen. Im Mai erhofft sich der stationäre Handel dadurch pro Woche einen Mehrumsatz von 100 Millionen Euro im Vergleich zur bisherigen Umsatzentwicklung seit der Öffnung des Handels. Genau jetzt sollte man die Weichen für die Zukunft stellen und einige gesetzliche Forderungen umsetzen: Aufhebung der Mietvertragsgebühr, Senkung der Lohnnebenkosten und Schaffung gleicher und fairer Wettbewerbsbedingungen in der EU (Fair Commerce).

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Veröffentlicht am

22.05.2021