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Harald Hauke, ARA Vorstand

ARA im Kreislaufjahr 2025

Die ARA hat in Bezug auf Abfallwirtschaft einen großen Wissensvorsprung in Österreich. Die Expertise reicht von Sammlung über Trennung und Recycling. Klingt kompliziert, aber ARA hat die Antworten.

„Für uns als ARA steht 2025 ganz im Zeichen des Kundenkontakts und der -information“, sagt ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke. Denn die PPWR (Packaging und Packaging Waste Regulation) ist angekommen und somit eine Vielzahl an beschlossenen Regularien, die in den kommenden Monaten zu geltendem Recht werden und somit alle Stakeholder der Kreislaufwirtschaft vor spürbare Herausforderungen stellen. „Somit erachten wir es als wichtiger denn je, unsere Lizenzpartner bestmöglich zu informieren, zu unterstützen und bei allen anstehenden Transformationen zu begleiten“, so Hauke.

Auswirkungen des Einwegpfandes

Für die ARA waren die vergangenen Jahre eine Herausforderung, da der Marktführer im Sammel- und Verwertungssystem für Verpackungen seine finanziellen Gebarungen aufgrund des neuen Einweg-Pfandes neu ausrichten musste. Mit dem Einwegpfand fielen rund 20 % der heute gesammelten Verpackungen aus Kunststoff und Metall weg. Die ARA verlor dadurch erhebliche Lizenz- und Altstofferlöse. Außerdem muss man wissen, dass PET verglichen mit anderen Kunststoffen sehr hohe Altstofferlöse generiert.

„Leider können wir nicht alle Kosten kompensieren und verlieren sehr viel mehr Erlöse als Kosten. Die Kosten müssen wir gezwungenermaßen auf die Lizenztarife anderer Leichtverpackungen aufschlagen“, so Harald Hauke.

Das Einwegpfand führt zu einer geringeren Auslastung der Sammelinfrastruktur und einer Reduktion der Verwertungserlöse. „Dennoch können wir die Sammelinfrastruktur nicht zurückbauen, im Gegenteil, um die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen von aktuelle 25% auf 50% zu erhöhen, müssen wir in die Sammlung investieren. Denn je komfortabler die Sammlung für die Konsumentinnen und Konsumenten ist, desto eher können wir sie motivieren, mehr zu sammeln. Je näher die Sammlung am Haus ist, desto eher wandern die Verpackungen dort hinein. Mit unsere Sortieranlage TriPlast haben wir einen wichtigen Schritt gesetzt, um die Ausbeute der gesammelten Verpackungen für das Recycling zu steigern, um einerseits die EU-Ziele zu erreichen und andererseits die Industrie mit Rohstoffen zu versorgen“, erklärt der Vorstandssprecher.
Genau das ist auch der Grund, warum für 2025 die Tarife für die Lizenznehmer erhöht werden mussten. Dennoch konnte die ARA trotz Erhöhung der Gebühren viele Kunden „re-akquirieren“, was soviel heißt: Industrie und Handel schätzen den Mehrwert der ARA als sehr hoch ein.

Ein Maximum an Service

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) markiert einen bedeutenden Schritt hin zu nachhaltigen Verpackungen und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Mit der formalen Zustimmung des Rates, beginnt nun die 18-monatige Umsetzungsfrist. Bis 12. August 2026 muss die PPWR in den EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt sein. Die ARA befasst sich intensiv mit den gesetzlichen Neuerungen und unterstützt die Wirtschaft bei der Umsetzung der Vorgaben. Dabei stellt man fest, dass wesentliche Informationen noch fehlen:

  1. Bis 2030 müssen alle Verpackungen über 70% recyclingfähig sein. Eine einheitliche Kennzeichnungspflicht soll länderübergreifende Unterschiede bei Labels und Recyclinghinweisen beenden und damit eine transparentere und einfachere Handhabung für alle Beteiligten schaffen. Bis 1. 1. 2028 sollen die Guidelines „Design for recycling“ erstellt werden, dann haben die Mitglieder abermals eineinhalb Jahre Zeit zur Umsetzung. Denn: Mit der PPWR gewinnt das Prinzip der Ökomodulation an Bedeutung. Recyclingfähige Verpackungen werden durch niedrigere Lizenzgebühren belohnt, während nicht-recyclingfähige Verpackungen höhere Kosten verursachen. Das heißt soviel wie: Verpackungen, die „schlecht recyclingfähig“ sind, werden bestraft.
  2. Die Methode zur Berechnung und Überprüfung der Mindestanteile an recycletem Material in Kunststoffverpackungen ist noch ausständig und soll bis 31.12. 2026 kommen. Bis 2030 soll der Rezyklatanteil je nach Produkt 10-35% betragen, bis 2040 25-65%. „Hierzu fehlt in Österreich noch die gesetzliche Umsetzung, aber die ARA unterstützt ihre Kunden bereits heute, damit sie rechtzeitig vorbereitet sind und kollaboriert mit anderen Experten, wie der FH Campus Wien, Packaging Cockpit oder den Instituten cylos-http oder OFI“, so Hauke.

Verpackung, Handel und Industrie: Packaging Cockpit

Dass alles rund um die Kreislaufwirtschaft Hand in Hand geht, zeigt die Vernetzung zwischen Verpackungsindustrie, Hersteller und Handel. Viele Verpackungsdaten sind derzeit allerdings nicht vollständig, einheitlich oder transparent verfügbar, was insbesondere Supermärkte und Handelsketten vor Herausforderungen stellt. Ohne eine präzise und standardisierte Datengrundlage werden die Analyse, Verwaltung und Erfüllung der Berichtspflichten von Verpackungen deutlich erschwert. Zudem braucht es diese Daten, damit Unternehmen nachhaltige Entscheidungen rund um ihre Verpackungsstrategien treffen können.

„Eine erfolgreiche Ökomodulation in Europa braucht verlässliche und standardisierte Daten. Nur mit einer transparenten und einheitlichen Bewertung der Recyclingfähigkeit können finanzielle Anreize gezielt wirken und echten Mehrwert für die österreichische Wirtschaft bringen. Das Packaging Cockpit liefert die dafür notwendige Datenqualität und unterstützt dabei, die Verpackungen kostenoptimiert und recyclinggerecht zu gestalten“, so Hauke. Die ARA stellt ihren Kunden in Kooperation mit der Packaging Cockpit GmbH bereits seit dem vergangenen Jahr ein leistungsfähiges Tool bereit, das eigenständige Berechnungen von Kennzahlen, wie z.B. Recyclingfähigkeit, Carbon Footprint oder anderen Ökobilanz Wirkungskategorien ermöglicht.

Digitale Standardisierung als Schlüssel für nachhaltige Verpackungen

Eine digitale Dokumentation von Verpackungsdaten würde den Aufwand für Lieferanten verringern und dadurch die Effizienz der gesamten Lieferkette erhöhen. So wäre sichergestellt, dass alle Marktteilnehmer auf dieselben Informationen zugreifen können, was die Einhaltung neuer Vorschriften deutlich vereinfachen würde. Durch die Berücksichtigung länderspezifischer Entsorgungsstrukturen können nachhaltige Verpackungsportfolios gezielt optimiert werden. Im Rahmen der „Initiative digitale Verpackungstransformation“ teilen Experten aus Daten- und Prozessmanagement, Supply-Chain, Nachhaltigkeit und Verpackung u.a. von Spar und den Handelssparten der Schwarz Gruppe sowie die ARA in verschiedenen Arbeitsgruppen ihre Fachkompetenz für effiziente Kreislauflösungen.

Senat der Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft umfasst alle Wirtschaftsbereiche und erfordert daher eine enge, bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Zur Förderung und Ausschöpfung des Potenzials wurde der Senat der Kreislaufwirtschaft gegründet. Kreislaufwirtschaft bietet eine umfassende und zukunftsweisende Strategie, die weit über bloßes Recycling hinausgeht und tief in die Prozesse moderner Unternehmen eingebunden sein muss. „Ziel ist es, nachhaltige Wertschöpfungsketten zu schaffen, Ressourcen effizienter zu nutzen und innovative Lösungen zu entwickeln, die sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile für Österreich bringen. Dabei agieren sie als Vorbilder und Wegbereiter, die ihre Expertise und Erfahrungen in den Dienst einer zukunftsfähigen Wirtschaft stellen,“ so Harald Hauke, ARA-Vorstandssprecher und Koordinator des Senats der Kreislaufwirtschaft.

Der Senat will auf diese Weise nicht nur Unternehmen ansprechen, sondern auch das Bewusstsein stärken, dass ökonomische und ökologische Interessen miteinander vereinbar sind. Aktuell sind große österreichische Unternehmen auch aus dem Lebensmittelsektor Mitglieder im Senat der Kreislaufwirtschaft. Von 2008 bis 2021 übertraf die Kreislaufwirtschaft mit einer jährlichen Wachstumsrate von 3% das Gesamtwachstum der Wirtschaft in Österreich. „Damit man eine Vorstellung davon bekommt, von welchem Potential wir hier sprechen: die Bruttowertschöpfung der Kreislaufwirtschaft in Österreich liegt pro Jahr bei 4,1 Mrd. Euro – Tendenz steigend“, so Hauke. Die Kreislaufwirtschaft bringt Jobs, Mehrwert für Unternehmen und die Umwelt. „Bei Lizenzkunden und Partnern will ich mich vor allem bedanken, dass sie uns so tatkräftig unterstützen“, so Hauke abschließend.

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geschrieben am

07.03.2025