Andreas Kutil_Manner_Produkte

Eine der derzeit spannendsten Aufgaben

Als Branchenkenner weiß Andreas Kutil sehr genau, worauf es beim Geschäft mit Süßwaren ankommt. retailreport.at hat den neuen CEO und Vorstand für den Bereich Marketing & Vertrieb von Manner zum Interview über das Jahr 2020, Corona und die Zusammenarbeit mit dem Handel gebeten.

Autorin: Michaela Schellner

retailreport.at: Herr Kutil, Sie sind seit März neuer Manner-Vorstand für den Bereich Marketing und Vertrieb. Zeitgleich üben Sie auch die Funktion des Vorstandsvorsitzenden aus, die es bis dato in dieser Form nicht gab. Welche Aufgaben stehen damit einhergehend für Sie auf der Agenda?

Andreas Kutil: Die vier bisherigen Vorstandsbereiche Marketing und Vertrieb, Finanzen und Personal, Einkauf, Materialwirtschaft und Logistik sowie Produktion und Technik bleiben in ihrer bestehenden Form aufrecht und werden auch nach wie vor von meinen Kollegen Albin Hahn, Hans Peter Andres und Thomas Gratzer verantwortet. Für mich kommt neben der Marketing- und Vertriebsdimension nun noch eine gesamtverantwortliche Dimension für das Unternehmen dazu. Diese Entscheidung wurde im vergangenen Jahr vom Aufsichtsrat getroffen und ich freue mich sehr darauf, Manner gemeinsam in enger Abstimmung mit meinen Kollegen erfolgreich weiterzuentwickeln.

Sie bringen langjährige Expertise im Süßwaren-Markt mit und waren 23 Jahre lang für Mondelez in verschiedensten Funktionen tätig. Manner ist im Gegensatz zu Mondelez kein Konzern, sondern ein Familienunternehmen. Wie haben Sie die ersten Wochen in Ihrer neuen Funktion erlebt und was sind die größten Unterschiede, wenn Sie die beiden Unternehmen miteinander vergleichen?

Also was mich besonders freut ist, dass es mir in der ganzen Zeit gelungen ist, mein Gewicht zu halten (lacht). Aber Spaß beiseite, es geht mir wirklich sehr gut. Für so eine österreichische Süßwarenikone wie Manner tätig sein zu dürfen ist sicherlich eine der spannendsten Aufgaben, die es im Lebensmittelumfeld derzeit gibt und ich freue mich sehr auf alles, was noch kommt.
Zwischen Manner und Mondelez gibt es weitaus mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick denkt. Beide Unternehmen führen großartige Marken mit weitreichenden Geschichten, die eine besondere Bedeutung für die Konsumenten haben. Es sind Marken, die ganz nah am Herz der Kunden sind und das macht sie auch so besonders. Der größte spürbare Unterschied ist, dass bei Manner alles von Österreich aus gesteuert wird. Wir produzieren hier im 17. Bezirk vor Ort und haben zudem einen Produktionsstandort in Wolkersdorf in Niederösterreich. Alle wesentlichen Richtungen, die wir als Unternehmen einschlagen wollen, werden hier besprochen. In Konzernen sieht das naturgemäß etwas anders aus, weil Entscheidungen dort auf verschiedenen oft auch geografisch verteilten Ebenen getroffen werden.

Bei Mondelez haben Sie verschiedene Länder verantwortet und neben Österreich zum Beispiel das Geschäft in Ungarn, Schweiz, Tschechien und der Slowakei vorangetrieben. Auch Manner ist im Ausland präsent. Inwiefern können Sie Ihr zuvor gesammeltes Know-how für Ihre neue Funktion nutzen?

Dass ich im Laufe meiner beruflichen Karriere für viele verschiedene Märkte verantwortlich war, hilft natürlich sehr. Denn wie Sie schon gesagt haben, ist auch Manner trotz starker Österreich-Historie in mehreren Ländern präsent und verbreitet die rosa Glücksbotschaft von hier aus sehr erfolgreich über die Landesgrenzen. So gibt es Auslandsniederlassungen in Deutschland, Slowenien und der Tschechischen Republik. Außerdem arbeiten wir in weiteren hauptsächlich angrenzenden Ländern mit Distributeuren zusammen, um die Markenbekanntheit noch weiter zu steigern. Aber es ist schon so, dass der Schwerpunktmarkt und die Heimat der Manner Schnitte nach wie vor hier in Österreich ist.

Wobei der Export mit rund 60 Prozent Anteil aber schon eine hohe Umsatzbedeutung für Manner hat. Vor allem das Geschäft in Deutschland ist für die Gesamtperformance nicht unerheblich, oder?

Also der Export spielt natürlich eine große Rolle für unsere Geschäftsentwicklung. In Deutschland ist es Manner über die letzten Jahre Schritt für Schritt gelungen, seine Relevanz bei den Kunden zu steigern und das in der Vergangenheit sehr Private Label geprägte Waffelgeschäft mit mehr rosa Farbe zu versehen. Das weiter voranzutreiben ist auch unser Ziel für die Zukunft. Und ja, demzufolge sind wir insbesondere mit den deutschen Ergebnissen, die laut dem Marktforschungsunternehmen IRI 25 Prozent über dem Vorjahr liegen, sehr zufrieden.

Und wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen in Österreich für 2020?

2020 war ein schwieriges Jahr. Unterm Strich müssen wir leider sagen, dass wir mit der Gesamtentwicklung nicht zufrieden sind. Genaue Zahlen kann ich Ihnen aufgrund unserer Börsennotierung aktuell leider noch nicht nennen.

Worauf führen Sie die nichtzufriedenstellende Entwicklung zurück?

Das Jahr 2020 war enorm von der Corona-Pandemie überschattet, die sich auch auf unsere Geschäftstätigkeit ausgewirkt hat. Ich verrate jetzt kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass wir aufgrund der fehlenden Touristen in einigen unserer eigenen Manner Shops weniger Umsatz gemacht haben, als wir gerne hätten. Und der C+C-Bereich war aufgrund der pandemiebedingten Schließungen auch nicht so erfolgreich. Im LEH ist es zwar besser gelaufen, allerdings sind hier deutliche Sortimentsverschiebungen zu bemerken. Der Bereich Kochen und Backen hat sich positiv entwickelt, ebenso wie das Beutelsortiment. Andere Kategorien haben aber leider stark verloren.

Corona hat aber nicht nur die Umsatzentwicklung geprägt, sondern auch im Unternehmen selbst zu zahlreichen Veränderungen geführt. Was waren hier die größten Herausforderungen?

Corona hat das Arbeitsleben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Wir haben eine Krisengruppe ins Leben gerufen, die sich bis heute genau mit dieser Fragestellung beschäftigt und mittlerweile schon sehr geübt darin ist, ständig auf neue Entwicklungen und Vorgaben zu reagieren. Wir sind sehr stolz darauf, dass es uns durch aktives und vorausschauendes Handeln, zu dem u.a. durchdachte Sicherheits-, Hygiene- und Testkonzepte zählen, gelungen ist, bisher ohne innerbetriebliche Ansteckungen durch die Krise zu kommen. Das ist allerdings mit einem enorm hohen Aufwand verbunden und zwar sowohl ressourcentechnisch als auch finanziell.

Welche von den vorgenommenen Änderungen werden auch nach Corona im Unternehmen verankert bleiben?

Vor allem im Bereich der Digitalisierung, die ja nicht von Corona erfunden wurde, sondern ein uns bereits über viele Jahre begleitender Prozess ist, wird vieles bleiben und sich auch noch weiter verändern. Homeoffice ist ein Stück weit Normalität geworden und wird dank der zahlreichen Tools wie MS Teams oder Zoom, die es zum Beispiel vor zehn Jahren in diesem Ausmaß noch nicht gab, auch in Zukunft erhalten bleiben. Nichtsdestotrotz ist aber das persönliche Miteinander enorm wichtig und hier muss man sicherlich hybride Arbeitsmodelle finden.

Corona hat sich in vielen Unternehmen auch auf die Engagements in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgewirkt, die angesichts der aktuellen Herausforderungen etwas in den Hintergrund gerückt sind. Welche Pläne und Ziele hat Manner hier und können Sie diese an konkreten Beispielen festmachen?

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Themen, die in unserer Unternehmensphilosophie seit jeher stark verankert sind und zwar auf den verschiedensten Ebenen. Um bei aktuellen Projekten zu bleiben: Erst vor kurzem haben wir zum Beispiel bekannt gegeben, dass wir unser gesamtes Waffel- und Schnitten-Sortiment Fairtrade zertifizieren. Diese Umstellung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Kakao ist der wichtigste Rohstoff in unserer Produktpalette und deswegen möchten wir hier unseren Beitrag leisten. Und bei Haselnüssen, die ebenfalls sehr wichtig für uns sind, arbeiten wir gerade an der Entwicklung einer eigenen Plantage in Aserbaidschan. Neben den Rohstoffen forcieren wir mit vielen Initiativen auch die Reduktion unseres CO2-Ausstoßes und setzen einen Schritt nach dem anderen, um unser Ziel einer klimaneutralen Produktion zu erreichen. Seit Kurzem haben wir an unserem Produktionsstandort in Wolkersdorf eine Photovoltaikanlage installiert, um Sonnenenergie für die Herstellung unserer Produkte zu verwenden. Am Produktionsstandort Wien haben wir letztes Jahr ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. All diese Projekte sind wichtige Schritte hin zur Klimaneutralität..

Sie haben vorhin das Private Label Geschäft in Deutschland angesprochen. Auch in Österreich forcieren die Händler diesen Geschäftszweig seit einigen Jahren. Häufig argumentiert mit dem Vorwurf, die Industrie sei mit ihren Marken nicht innovativ genug. Was entgegnen Sie hier?

Der Handel hat genauso ein Interesse daran spannende Innovationen zu listen, wie wir spannende Innovationen zu entwickeln. An unserem Firmenstandort im 17. Wiener Gemeindebezirk gibt es ein 800 m2 großes und höchst modernes Innovationszentrum. An Ideen mangelt es uns sicher nicht, aber jede Innovation, die auf den Markt kommen soll, muss auch produzierbar und für den Konsumenten preislich attraktiv sein sowie ein echtes Plus für die Kategorie bringen. Die für heuer geplanten Innovationen erfüllen all diese Ansprüche und stoßen auch im Handel auf Wohlwollen. Als Beispiel zu erwähnen sind hier die White Edition der Victor Schmidt Mozartkugeln, die Manner Snack Minis in den Sorten Milch-Schoko und Milch-Haselnuss im Beutel oder die Manner Winter Glück-Range, mit der wir erstmals saisonale Sorten der Manner Schnitten präsentieren.

Und wie gelingt es Ihnen die Händler davon zu überzeugen, Ihnen angesichts nicht vorhandener Gummiregale mehr Platz am POS einzuräumen?

Grundsätzlich ist ein konsequentes Portfoliomanagement für jeden Industriepartner ein absolutes Muss. Die Frage: Warum soll der Konsument dieses oder jenes Produkt noch zusätzlich kaufen und dann auch konsumieren, ist eine essenzielle. Wie schon gesagt geht es immer darum gemeinsam mit unseren Handelspartnern die Wertschöpfung der Kategorie zu steigern. Dazu beitragen kann auch die Ansprache neuer Konsumentengruppen. Die Snack Minis etwa zielen auf eine jüngere Zielgruppe und damit neue Verwender ab. Unser Job ist es, mit unseren Partnern so gut wie möglich zusammenzuarbeiten, um unsere Konsumenten zu begeistern. Und das gelingt uns meistens sehr gut.

Letzte Frage zum Thema NutriScore, der derzeit wieder intensiver diskutiert wird. Wie sehen Sie dieses Kennzeichnungssystem?

Unsere Produkte sind kein Hauptnahrungsmittel sondern Genussartikel, mit denen man sich den kleinen Moment Glück zwischendurch gönnt. Es ernährt sich niemand ausschließlich von Manner Schnitten, weshalb wir glauben, dass der NutriScore für Süßwaren, bei denen die Inhaltsstoffe kein Geheimnis sind, nicht so relevant ist.

Herr Kutil, vielen Dank für dieses Gespräch.

Veröffentlicht am

23.04.2021