Schlechtes Zeugnis beim Geflügel Store Check

Steigende Nachfrage, sinkende Transparenz

AMA-Gütesiegel garantiert Herkunft und Qualität bei Geflügel und Geflügelprodukten.

Wie weit Hühner reisen, ist oftmals unglaublich. Denn das Huhn bzw. die Hühner-Produkte, die man mehrheitlich in Regalen findet, wurde lediglich in Österreich geschlachtet. Geboren und aufgewachsen ist es nicht in heimischen Gefilden.

Spannend ist, dass so manche Produkte mit einem rot-weiß-roten Fähnchen gekennzeichnet sind. Aber: Das rot-weiß-rote Qualitätszeichen darf nur dann vergeben werden, wenn die Tiere in Österreich geboren, gefüttert und geschlachtet wurden. "Es mangelt an Transparenz", modern Landwirtschaftskammer, Geflügelmastgenossenschaft und AMA Marketing eine bessere und korrekte Auslobung der Ware. Es kann nicht sein, dass das Fleisch aus Südamerika oder der Ukraine kommt und als österreichische Ware ausgelobt wird.

AMA-Gütesiegel-Programm

Das AMA-Gütesiegel-Programm garantiert ein geschlossenes Kontrollsystem vom Landwirt über den Schlachthof und Zerlegebetrieb bis zum Lebensmittelhandel. „Damit sind wir Vorrei- ter in Sachen Qualität, Tierwohl und Tiergesundheit sowie Lebensmittelsicherheit. Konsumen- ten können die besonderen Standards auf einen Blick am AMA-Gütesiegel erkennen“, erklärt Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing. Der Pro-Kopf-Verzehr von Geflügelfleisch hat seit 1995 um knapp vier Kilo zugenommen . Rund 36.000 Tonnen Hendl- und Putenfleisch im Wert von 268 Mio. Euro wurden 2018 im Lebensmitteleinzelhandel gekauft, der Trend weist nach oben. Mehr als zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf Hühnerfleisch, 30% auf Putenfleisch. Dieses aus österreichischer Zucht zu bekommen ist erfahrungsgemäß schwierig.

AMA-Betriebe müssen am Geflügelgesundheitsdienst teilnehmen. Dadurch werden die Tiere regelmäßig von Geflügelfachtierärzten betreut. Medikamente dürfen nur zur Krankheitsbe- handlung und nur von Tierärzten verschrieben werden, ein vorbeugender Einsatz, Leistungs- förderer oder Hormone sind verboten. Die Anwendung von Arzneimitteln wird in der Daten- bank „Poultry Health Data“ lückenlos dokumentiert. Regelmäßige Kontrollen sichern die Ein- haltung der gesetzlichen Bestimmungen und der AMA-Richtlinien ab. Das Futter für heimisches Geflügel ist freiwillig gentechnikfrei. Das AMA-Futtermittelprogramm pastus+ garantiert die Qualität der Futtermittel.

Stimmen zu den Store Checks

Ein österreichweit durchgeführter Store-Check nahm die Kennzeichnung von Geflügelprodukten im Lebensmitteleinzelhandel unter die Lupe und kam auf keine guten Ergebnisse. Die Herkunft ist nicht transparent ausgewiesen und die Produkte stammen oft aus dem Ausland. 

"Das Ergebnis des Store-Checks ist erschreckend und stützt unsere langjährige Forderung nach einer transparenteren Kennzeichnung der Produktherkunft. Gerade bei Convenience-Geflügel wissen die Konsumenten nicht, ob das Fleisch von österreichischen Bauern kommt oder aus der Ukraine importiert wurde. Die Produktherkunft ist entweder unverständlich dargestellt oder gar nicht angeführt", ist Bauernbund-Präsident Georg Strasser schockiert. Obwohl die Nachfrage nach österreichischem Geflügelfleisch tendenziell steigt, ist die Herkunft bei vielen Produkten immer noch schlecht ausgelobt. 

Aus dem Store-Check geht hervor, dass bei verarbeiteten Produkten rund drei Viertel der getesteten Produkte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus Österreich kommen. Das Herkunftsland ist bei Convenience-Produkten wie etwa mariniertem Geflügel nicht mehr nachvollziehbar. Hingegen ist der Österreich-Anteil bei Frischgeflügel noch deutlich höher - etwa zwei Drittel kommen nachweislich aus dem Inland. 

"Der Lebensmitteleinzelhandel ist ein wichtiger Partner und Abnehmer bäuerlicher Produkte. Immer mehr Konsumenten geben dem Hendl vom österreichischen Bauern den Vorrang, daher muss es das gemeinsame Ziel von Bauern, Verarbeitern und Händlern sein, mehr österreichisches Geflügel anzubieten", fordert Strasser den Handel auf, heimischem Geflügelfleisch in den Regalen vermehrt Vorrang zu geben.

"Geflügel in Österreich lebt nachweislich deutlich gesünder als in anderen EU-Ländern. Das belegen EU-Berichte und die Tatsache, dass bei uns der Antibiotikaeinsatz bei Geflügel in den letzten sechs Jahren um mehr als 50% gesenkt werden konnte. Damit aber Konsumentinnen und Konsumenten bei Verarbeitungsprodukten und in der Gemeinschaftsverpflegung gezielt nach heimischer Qualität greifen können, ist eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung nötig. Daher verlangen wir gesetzlich verbindliche Regeln, die eine irreführende oder gar bewusst falsche Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln ausschließen. So sollte das Herkunftsland des primären Rohstoffes immer eindeutig ersichtlich sein", erklärte heute Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Generalsekretär Ferdinand Lembacher und ergänzte: "Das werden wir auch in den derzeit laufenden Regierungsverhandlungen entsprechend deponieren."

Neues aus der EU

EU-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer kann sich vorstellen, das Kennzeichnungsproblem auf europäischer Ebene anzugehen. "Eine transparente und nachvollziehbare Herkunftskennzeichnung ist mir als Bäuerin und Direktvermarkterin ein echtes Herzensanliegen. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, hat für den Beginn ihrer Amtsperiode einen 'Green Deal' angekündigt. Als wesentlicher Beitrag soll dazu unter anderem eine Strategie für nachhaltige Lebensmittelsysteme erarbeitet werden - eine sogenannte 'From Farm to Fork'-Strategie. Aus meiner Sicht gehört da eine transparente Herkunftskennzeichnung mit hinein, damit sich die Konsumenten bewusst für regionale und damit nachhaltige Produkte entscheiden können, die nicht um die halbe Welt transportiert werden."

Veröffentlicht am

03.12.2019