Alfred Schrott

Die Verbundenheit zur Branche wird bleiben

Dr. Alfred Schrott wechselt von Manner als Vorstand in die IFN-Holding nach Traun. retailreport.at traf den sympathischen Manager, der zweifelsfrei einer der größten Kenner der Branche ist, zum bewegenden Abschiedsinterview.

von Gabriele Jiresch und Michaela Schellner

Das Interview war sein letzter offizieller Termin für den Süßwarenhersteller Manner. Danach gab der langjährige Vorstand für Marketing & Verkauf bei der Josef Manner Comp. AG, Dr. Alfred Schrott, Laptop und Mobiltelefon an die IT ab – eine Ära geht zu Ende. Gemeinsam mit retailreport.at ließ der begeisterte Hobby-Segler im Casali-Besprechungsraum im 17. Wiener Gemeindebezirk die vergangenen 25 Jahre Revue passieren – zahlreiche emotionale Momente inklusive.

Denn dieser Abschied vollzieht sich, wie sehr oft im Leben, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nach 12 Jahren bei Manner und zuvor 13 Jahren bei Unilever in Österreich ist der Wechsel der Branche herausfordernd; die Beziehung zu Partnern aus der FMCG-Markenartikelindustrie sowie dem Lebensmittel- und Drogeriefachhandel längst mehr als kollegial, mit dem Großteil sogar eine freundschaftliche. „ECR Austria feiert heuer 25 Jahre Jubiläum, die Hälfte der Zeit war ich als Chairman aktiv an der Mitgestaltung dabei. Ich habe also mein halbes Leben in diesem Umfeld verbracht und mehr Geburtstage am Cash-Handelsforum gefeiert, als im Kreise meiner Familie“, macht Schrott seine Verbundenheit deutlich. Auch die Mitgliedschaft im Markenartikelverband – hier bleibt er noch bis zur Hauptversammlung im Oktober als Präsident im Amt – will er nicht missen. ECR Austria entscheidet im April beim Board-Meeting über einen neuen Chairman.

Noch einmal etwas Neues machen

Nun zieht sich der Manager aus der Community zurück, um beruflich noch einmal etwas völlig Neues zu machen. Ein bewusster Schritt – dennoch wird die Verbundenheit zum Unternehmen Manner bleiben und wenn Alfred Schrott in Zukunft seine Dienstreisen zu den ausländischen IFN-Holding-Töchtern antritt, so wird als Gastgeschenk sicherlich die eine oder andere Packung Manner Schnitten mit dabei sein. „Manner ist eine österreichische Herzensmarke und wir haben in den vergangenen 12 Jahren wirklich enorme Schritte gesetzt. Daraus schöpfe ich persönlich eine große Zufriedenheit“, so Schrott. Das Team, das er wie er betont, besonders vermissen wird, hat beispielsweise die Expansion nach Deutschland forciert – mittlerweile werden dort mehr Manner Schnitten verkauft als in Österreich. Zudem wurde Marketing-Chef Ulf Schöttl zum „Marketer des Jahres“ gekürt und jedes Jahr erweiterte ein „Goldener Effie“ die Reihe der Auszeichnungen. Unvergessen bleiben auch die wiederholten Prämierungen von Manner als vertrauenswürdigste sowie sympathischste Marke des Landes, der Ausbau des Schisprung-Sponsorings, die immer gut gelaunten Präsentationen auf der ISM in Köln und die Zusammenarbeit mit der Leiterin der Unternehmenskommunikation Karin Steinhart, für die er als eine seiner langjährigsten beruflichen Wegbegleiterinnen nur positive Worte findet.

Dr. Carl Manner war prägend

Für Alfred Schrott gab es viele Persönlichkeiten, die ihn auf seinem Berufsweg begleitet haben. Eine ganz besondere war der im Jahr 2017 verstorbene Firmengründer des Süßwarenherstellers Dr. Carl Manner. Von ihm hat er viel gelernt, wie er sagt. Weniger auf der Umsatz- und Ertragsebene, viel mehr jedoch auf der menschlichen. Seine positive Autorität hat Alfred Schrott immer noch vor Augen. „Dr. Carl Manner hat jeden Tag hier im Unternehmen verbracht, auch als er die operativen Geschicke des Unternehmens in weitere Hände legte“, so Schrott. Gemeinsam aufgearbeitet haben die beiden auch den Einsturz des Fabrikgebäudes im Jahr 2014, das dem Unternehmen einen erheblichen Umsatzeinbruch bescherte. Dass damals niemand zu Schaden gekommen ist, war für beide das größte Glück.

Wie nah Freude und Leid beieinander liegen, zeigt auch ein weiteres Erlebnis, an das sich der dreifache Familienvater gerne zurückerinnert. Im selben Jahr erhielt Dr. Carl Manner vom internationalen Süßwarenhandelsverband Sweets Global Network die begehrte „Goldene Uhr“. „Ihn zur Preisverleihung nach München begleiten zu dürfen, das war ein Moment, den ich nie vergessen werde“, so Schrott. Ebenso wie die Bescheidenheit, die der Firmengründer bei Interviews stets an den Tag gelegt hat. 

Im Schatten der Konsum-Pleite

Gefragt nach den für ihn prägendsten Branchenentwicklungen der vergangenen 25 Jahre, erinnert sich Schrott an seine Anfänge in der Welt der Konsumgüter zurück. Der Start erfolgte nach kurzer, lehrreicher Zeit im Zeitungsvertrieb 1996 im Schatten der Konsum-Pleite bei Unilever. Während dieser Zeit sorgten zahlreiche schwere Krisen für Umbrüche im Handel: Löwa, PamPam, Meinl, Zielpunkt und Schlecker – alles Unternehmen, die es heute nicht mehr gibt. Für die FMCG-Branche war das jedes einzelne Mal eine große Herausforderung, die auch Schrott zu meistern hatte. „Bei Unilever durfte ich zahlreiche  Entwicklungsschritte miterleben und habe vieles gelernt, das auch für meine Agenden bei Manner sehr hilfreich war“, erzählt der sympathische Manager. Und wieder einmal waren es die Menschen, die ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben sind. 2001 wurde er mit 30 Jahren zum bisher jüngsten Verkaufsdirektor der Unilever in Österreich und folgte hier seinem Mentor Otto Bloder. Die Kommunikation mit den damaligen Branchengrößen fand immer auf Augenhöhe statt, erinnert sich der Marketing- und Vertriebsprofi. Erfolge wurden immer als Teamleistung gefeiert. „Wir haben es damals als einzige europäische Niederlassung geschafft, die Marke Knorr zum Wachsen zu bringen“, blickt Schrott stolz zurück. 2005/06 wurden die Sparten der Unilever zusammengeführt und er avancierte einige Jahre später zum Generaldirektor für das ganze Geschäft in Österreich. „Key Account Manager, der Verkaufsinnendienst und das Trade Marketing haben alle direkt an mich berichtet“, so Schrott. Stressig, aber wichtig, nennt er diese Zeit. Und was der Manager jedem jungen Menschen, der in dieser Branche seine Karriere startet, rät: „einmal im Verkauf tätig gewesen zu sein, das hilft enorm“.

Und wieder ein Familienunternehmen

Mit dem Wechsel zur IFN-Holding, dem größten Fensterhersteller in der EU, der zahlreiche Marken unter einem Dach vereint, findet Alfred Schrott als Vorstand der Bereiche Marketing und Verkauf wieder in einem Familienunternehmen sein berufliches Zuhause. Eine Firma, die wie Manner Werte hoch hält, nachhaltiges Wachstum sicherstellen will und auf eine 90jährige Geschichte zurückblickt.

„Die vergangenen Jahre waren schön und aufregend, aber auch herausfordernd. Denn die Rahmenbedingungen in der FMCG-Branche haben sich verändert. Die Konsumentenansprache ist komplexer geworden, die Zielgruppen kleiner und in Summe anspruchsvoller“, analysiert Schrott die Veränderungen in der Branche. „Mit der Globalisierung ist auch ein Kommen und Gehen der Verantwortlichen häufiger geworden“ – und nun verlässt einer der Besten die Branche. Wir wünschen ihm viel Glück für den beruflichen Neustart.

Alfred Schrott ganz persönlich

  • Mein Lebensmotto ist… ein Zitat von Goethe, das sagt Gott gibt die Nüsse, aber er knackt sie nicht auf.
  • Zum Entspannen… geh ich derzeit am liebsten mit meiner Frau Nordic Walking
  • Darauf zu verzichten fällt mir besonders schwer… auf gutes Essen und Trinken
  • Als Kind hatte ich… den Traum einmal selbst am Steuer mit einem Segelboot aufs Meer hinausfahren und habe mir diesen durch die Absolvierung des Küstenpatents verwirklicht
  • Darüber kann ich lachen… über jeden Blödsinn in geselliger Runde
  • Wirklich glücklich macht mich… wirkliches Glück kann man nur durch Menschen erleben, die man wirklich mag und das zweite, was mich wirklich glücklich macht, ist Zeit am Meer zu verbringen.
  • Rosa bedeutet für mich… Manner, Herzlichkeit, Österreich und Genuss
  • Das nasche ich am liebsten… den rosa Manner Würfel

 

Veröffentlicht am

04.03.2021