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23. Retail Symposium by RegioPlan

23. Retail Symposium by RegioPlan

Rund 280 Teilnehmer lauschten den interessanten Ausführungen der Experten rund um Handel, Shopping Mails und Kaufkraftentwicklungen beim RegioPlan-Symposium.

Relevante Daten und Fakten rund um den Handel lieferte Max Steinbauer, M.Sc.Regio Data Research GmbH. Die Pandemie hat zwar mit durchschnittlich -4% einen massiven Einkommensverlust bewirkt, jedoch ist langfristig wieder mit einer Steigerung der Kaufkraft der Konsumenten zu rechnen. Die überraschende und zugleich positive Nachricht; in Summe gesehen zeichnen sich kaum Auswirkungen auf den Einzelhandel ab. Innerhalb der Branchen kam es jedoch zu starken Veränderungen.
Lebensmittel sind gefragter denn je, Fashion ist „out“ und der Online-Handel im Vergleich zum stationären Handel stark im Rennen, derzeit mit 16% am gesamten Einzelhandelsvolumen noch moderat, aber ansteigend. In mittlerer Zukunft wird ein Online-Anteil von über 20%, in einigen Branchen jedoch auch von 50% zu erwarten sein.
In den letzten fünf Jahren sind in Österreich – mit Ausnahme eines Projektes in Steyr – keine größeren Shopping Malls eröffnet worden. Und auch die Projektpipeline ist leer: lediglich ein kleineres Projekt soll 2022 (in Lienz) fertig werden und eines 2023 (VIO-Plaza, Wien). Das geplante Kaufhaus am Areal des ehemaligen Leiners auf der Wiener Mariahiler Straße ist ein weiteres bekanntes Retailprojekt, das jedoch nicht zur Kategorie der Shopping Malls zählt.

Der Online-Handel wird der bestimmende Faktor im österreichischen Einzelhandel bleiben. Online-Pure-Player sind gefragt, die Suche nach Core-Objekten hat verstärkt begonnen. Der kontinuierliche Rückgang von Verkaufsflächen in Österreich erfordert nunmehr Mut und Kreativität. Prof. Dr. Thomas Beyerle (Managing Director, Catella Property Valuation GmbH) betonte per Live-Zuschaltung, dass trotz sichtbar fallender Mietpreise und steigender Leerstände die Innenstädte und der Handelsbesatz noch zu retten sind. Es wird jedoch mit zeitverzögerten Wertberichtigungen und Mischnutzungen zu rechnen sein. Omnichannel-Einkaufserlebnisse sind zukünftig der Schlüssel zum Erfolg.
Diese Meinung vertritt auch Jan Tanner (Head of Retail & Site Management Schweiz,
Privera, Former Manager Quartier du Flon, Lausanne, Founder Shopping Center Forum Switzerland). In Zukunft sei verstärkt auf kluge Quartiersentwicklungen, unter Einbeziehung der Stakeholder und auf einen breiten Nutzungsmix zu setzen.

Der stationäre Handel muss sich wesentlich und zwar rasch verändern. Das Erfolgsgeheimnis verriet Mag. Christoph Andexlinger (COO, SES Spar European Shopping Centers GmbH) den Teilnehmern, unter der Moderation von Mag. Michaela Schellner (Chefredakteurin brutkasten Wirtschaft und freie Redakteurin retailreport.at): Die Kompetenz rasch neue Konzepte zu entwickeln, bestehende Shopping-Center umzunutzen und Top-Partnerschaften zu pflegen. Digitalisierung ist und bleibt dabei das Leitthema der Zukunft.
Beim Flächenangebot in Shopping Malls in Relation zu den Einwohnern liegt Österreich im Europavergleich im oberen Drittel, was – bisher – auf Grund der hohen Kaufkraft und den dementsprechenden Ausgaben im Einzelhandel durchaus passend war. Doch die Zeiten haben sich geändert: Der Anteil der online gekauften Waren steigt kontinuierlich auf derzeit bereits 16 % und die Retailer sind mit dementsprechend geringeren Quadratmeterumsätzen konfrontiert.

Seit Beginn der Pandemie haben in Österreich die Eigentümer der knapp 150 Shopping Malls etwa 200 Mio. € an Mieteinnahmen verloren. Und selbst vor Covid war die Welt schon nicht mehr so einfach wie noch vor 10 Jahren, wo es teilweise noch lange Wartelisten für die Mieter gegeben hat. Einzelne Branchen, vor allem Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, schließen Standorte auch in Einkaufszentren oder verkleinern sie. Allein Lebensmittel und Drogerie blieben stabil, was in einigen Fällen ein Rettungsanker war.

Wenn die angebotenen Retailflächen zu viel sind und die Nachfrage der Mieter zu gering, wird es jedoch mittelfristig völlig andere Strategien brauchen, um die Shopping Malls ertragreich zu halten, denn der reine Verkaufsvorgang wird künftig nur mehr eine Nebenrolle spielen. Kommunikation, Emotion und die Suche nach Erfahrungen werden die Gründe sein, um künftig in die Mall zu kommen. Für die Eigentümer bedeutet es jedenfalls flexibler und risikofreudiger zu werden – was für risikoscheue Endinvestoren durchaus eine Herausforderung bedeutet. Die Lösung ist einfach, aber je nach Standort unterschiedlich umzusetzen.

 

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Veröffentlicht am

01.10.2021