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Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) begrüßten Ende November im Haus des Sports zahlreiche hochkarätige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung bei ihrer dritten gemeinsamen Fachtagung zu den Themen Wettbewerb, Fairness und Wandel.

Wettbewerb, Fairness und Wandel

Die dritte Fachtagung von BWB und WIFO in Zeiten von Standortpolitik.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) begrüßten Ende November im Haus des Sports zahlreiche hochkarätige Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung bei ihrer dritten gemeinsamen Fachtagung zu den Themen Wettbewerb, Fairness und Wandel.

Im Fokus des Tages standen aktuelle Wirtschafts- und Wettbewerbsthemen. Natalie Harsdorf (BWB), Gabriel Felbermayr (WIFO), Helene Schuberth (ÖGB), Tobias Schweitzer (AK), Claudia Huber (WKÖ) und Justus Haucap (DICE - Düsseldorf Institute for Competition Economics) erörterten im ersten Block die „Industriestrategie Österreich“ und wie es gelingt „zukunftsfit zwischen Industriepolitik und Ordnungspolitik“ zu agieren.
Hohe Inflation und der steigende Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette prägten die Diskussion. Ein gemeinsames Anliegen war es, die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Denn: Wettbewerb und Wohlstand gehen Hand in Hand. Und fehlender Wettbewerb verursache einen jährlichen Schaden bei den Konsumenten von 12 bis 20 Mio. Euro. „Wettbewerb muss auf Leistung beruhen und nicht auf Privilegien“, so der Tenor.

Entsprechend spannten die Beiträge den Bogen von konkreten wirtschaftspolitischen Weichenstellungen bis hin zu grundlegenden Fragen, etwa den Unterschieden zwischen Standort- und Industriepolitik. Deutlich wurde dabei, dass der Wettbewerb durchgehend als tragende Säule der Wirtschaftsordnung verstanden und konsequent in alle Überlegungen einbezogen wurde. Die Stärkung des europäischen Binnenmarktes muss für die Experten im Vordergrund stehen, denn nur so kann man den großen und sich entwickelnden Industrienationen Paroli bieten. Die Regierung versprach im Interesse der Wirtschaft bis Jahresende eine Industriestrategie. Denn: noch sind es 20% Wertschöpfung, die die heimische Industrie für Österreich bringt.

Wertschöpfung: Vom Feld bis zum Teller

In einer eigenen Diskussionsrunde wurde das Thema „Fairness in der Wertschöpfungskette: Anspruch und Wunschdenken“ in Angriff genommen. Der Start war ein kritischer Impulsvortrag von Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission (DG AGRI), beleuchtet. Dabei lag der Fokus auf den aktuellen, von Österreich dem EuGH vorgelegten Vorabentscheidungsverfahren im Bereich Landwirtschaft und Einzelhandel.
Fairness in der europäischen Food-Wertschöpfungskette wird dringend gefordert, ebenso wie die Stärkung des Binnenmarktes – auch durch den Wegfall territorialer Lieferbeschränkungen. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes bricht eine Lanze für den Lebensmittelhandel in Österreich. Den Vorwurf, dass eine so starke Konzentration im Lebensmittelhandel herrsche und so die Marktmacht ausgenutzt werden, lässt er so nicht gelten: „An den großen Händlern hängen zahlreiche Nahversorger dran, die Österreich mit Lebensmitteln versorgen. 60% unseres Staatsgebietes ist hügelig/gebirgig. In Deutschland sind es bloß 4-5%“. Und auch die durchschnittliche Filialgröße ist in Deutschland um 1/3 kleiner. Will spricht dabei den oft zitierten „Österreich-Aufschlag“ an. Er warnt weiters davor durch ein Bashing alles, was man im Lebensmittelhandel in den letzten Jahrzehnten erarbeitet habe, zunichtezumachen (Bio, Nachhaltigkeit, Tierwohl,..). „Wer immer den Fokus auf billig, billig, billig liegt, der schwächt die Wertschöpfungskette“.

Schließlich vermissen die Verantwortlichen im Lebensmittelbereich ein ganz wichtiges Thema in all den Diskussionen: man spricht von Wettbewerb und Herkunft immer nur im Lebensmittelhandel, aber praktisch nie über die öffentliche Beschaffung. Die öffentliche Beschaffung, die über steuerliche Mittel bezahlt wird, sourced vornehmlich „billig“. Hier könnte man mehr Wettbewerb und regionale Herkünfte andenken.

Fazit

„Im Jahr 2025 steht Österreich vielen Herausforderungen gegenüber, für deren Bewältigung eine effektive Wettbewerbspolitik und ein funktionierender Wettbewerbsvollzug einen Beitrag leisten kann. Wettbewerb ist kein Selbstzweck, sondern eine wichtige Grundlage für Innovation, Vielfalt und Wohlstand. Gerade Österreich, mit einem KMU- Anteil von über 90 %, hat ein starkes Interesse an funktionierendem und auch fairem Wettbewerb, sowohl europäisch als auch global “, so Natalie Harsdorf, Generaldirektorin der BWB.

„Um die heimische Industrie wieder auf Wachstumskurs zu bringen, sind eine glaubwürdige Strategie zur Absenkung der Energie-, Bürokratie- und Lohnnebenkosten, offene Absatz- und Beschaffungsmärkte, leistungsfähige Infrastruktur sowie stabile Rahmenbedingungen, und zwar auf europäischer wie auf österreichischer Ebene, erforderlich. Einschränkungen des internationalen Wettbewerbs oder die Diskriminierung ausländischer Anbieter sind nicht zu empfehlen, weil sie zu höheren Preisen, niedriger Qualität und weniger Produktivitätswachstum führen. Zur Herstellung eines unverzerrten Wettbewerbs ist die konsequente Anwendung von zweckmäßigen Grenzausgleichsmechanismen sowie die konsequente Anwendung von WTO-Recht notwendig “, so Gabriel Felbermayr, Direktor des WIFO.

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geschrieben am

28.11.2025