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Unimarkt Verkäufe? Ein Domino-Effekt

Unimarkt: Ergebnis eines Domino-Effekts

Ein weiterer Händler verschwindet von Österreichs Handels-Landkarte. Die Ursachen reichen weit zurück in der Geschichte. Der Anlass zum Genickbruch fand vor kurzem statt.

Höchst motiviert und mit Unterstützung von Industrie, Kaufleuten, Franchise-Partnern und auch Bevölkerung startete ein Team um Andreas Haider vor rund acht Jahren den Neu-Aufbau der Unimärkte in Österreich. Zur Unimarkt Gruppe, die in der heutigen Form im Jahr 2017 gegründet wurde, gehörten neben den 129 Unimarkt auch Pfeiffer Großhandel Nah&Frisch und Pfeiffer Logistik. Haider fungierte bereits seit dem Jahr 2010 als Geschäftsführer von Unimarkt und hatte wegweisende Ideen: Der erste Online-Shop mit österreichweitem Versand, die ersten Uniboxen. Dann kamen Corona und die Teuerung und alles war anders. Online-Shop und Uniboxen wurden Geschichte und viele Unimarkt-Standorte kämpften gegen große Konkurrenten ums Überleben. Auch Unimarkt-Kaufleute wechselten zu anderen Handelsorganisationen.

Der letzte Stoß in Richtung Endstation kam durch die Trennung des gemeinsamen Einkaufsduos Transgourmet und UniGruppe via Top-Team. Im Juli war es soweit: Die Gesellschafter von Top-Team Zentraleinkauf GmbH – Transgourmet und UNIGruppe hatten sich dazu entschlossen, ihre bisher gemeinsam organisierte Einkaufsstruktur in der Top-Team Zentraleinkauf GmbH künftig getrennt weiterzuführen. Damit waren alle Karten offen und jeder, der im Nimbus von Top-Team agierte, musste sich auf neue Beine stellen: Transgourmet bildet eine eigene Einkaufsabteilung unter der Leitung von Manuel Hofer. Solange noch Eigenmarken vor allem aus dem Bio-Bereich mit allen ehemaligen Partnern geführt werden, bleibt der Name Top-Team noch bestehen.

Kiennast (mit der UniGruppe zB über Unik verbunden) gestaltet seinen Einkauf neu. Da das Handelshaus Kiennast in der Eurogast Gruppe stark verankert ist, fand man hier gute gemeinsame Lösungen. Und auch ein „alter Bekannter“ kommt neu dazu.

Wedl und Eurogast

Mit 1. Oktober 2025 starten Eurogast Österreich und Wedl eine gemeinsame Einkaufskooperation unter dem Namen „GV Foodunion Österreich Flexco“. Die Zusammenarbeit umfasst ausschließlich den gemeinsamen Einkauf, insbesondere im Bereich internationaler Markenartikel.

Für Kunden und Partner beider Unternehmen ändert sich im operativen Tagesgeschäft nichts, Ansprechpartner und gewohnte Abläufe bleiben bestehen. Eurogast und Wedl verstehen diese Einkaufskooperation als ein bewusstes Zeichen für die Stärke österreichischer Familienunternehmen im Wettbewerb mit internationalen Konzernen, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben.

Einzig auf der Strecke blieb Unimarkt.

Partnerlos durch die Nacht

Und dann war es soweit: Der Unimarkt Transformations-Prozess wurde gestartet und das Ergebnis ist für Österreichs Handelslandschaft ernüchternd: Das Unimarkt Netz wird evaluiert und es ist geplant, die Unimarkt Standorte an potenzielle Interessenten am Markt weiterzugeben und zu verkaufen – bis Jahresende soll eine Entscheidung über die Standorte getroffen sein. Durch diesen Schritt soll eine möglichst große Anzahl der Geschäfte im Sinne der Nahversorgung am Markt erhalten bleiben. Derzeit werden Gespräche mit Interessenten geführt – wir sehen großes Interesse. So die Zeilen aus der Pressemitteilung. Kurz gesagt: Unimarkt sucht für seine Filialen Lösungen einer Übernahme.

Das Interesse ist groß

Nahezu alle Lebensmittelhändler, die in Österreich aktiv sind, haben ihr Interesse an den Standorten und vor allem an den Mitarbeitern gezeigt. Welche Lagenqualität die Standorte haben, wird sich bald zeigen. Ein Wörtchen mitzureden hat natürlich die BWB. Von dort hört man:
„In hochkonzentrierten Märkten werden Zusammenschlussanmeldungen von der BWB besonders sorgfältig auf negative Auswirkungen geprüft. Jeder Standort wird in einer Einzelfallbeurteilung geprüft und, soweit gesetzlich möglich, volkswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.  Das Kartellgesetz sieht vor innerhalb von 4 bzw. 6 Wochen zu entscheiden, ob die BWB eine Fusion dem Kartellgericht vorlegt. Es gibt die Möglichkeit im Rahmen einer Pränotifikation, vor einer fristauslösenden Zusammenschlussanmeldung, an die BWB heranzutreten.“

Die Rolle der Partner wie Markant und andere

Andere Unternehmensteile (UniGroßhandel, UniLogistik) sind von der Entscheidung betreffend Unimarkt Standorten nicht betroffen. „Wir beliefern aktuell rund 250 Großhandelspartner“, so aus der Unimarkt Zentrale. Das sind vornehmlich Nah&Frisch (150) Kaufleute. Diese werden weiterhin ganz normal bedient.
Unik bezieht Ware von Gars und von Traun.

Was die Markant betrifft: Unimarkt ist in Österreich Markant-Mitglied. Sollten Unimarkt-Supermärkte verkauft werden, wird es davon abhängen wer diese Standorte übernimmt (immer unter den Argus-Augen der BWB). Davon wird der Einfluss auf die Markant abhängen.

Wie geht’s weiter?

Nach Abschluss des Verkaufsprozesses plant Unimarkt den Rückzug vom Markt – geplant und verantwortungsbewusst. Rechtlich vorgegeben, ist das Unternehmen zur vorsorglichen Voranmeldung zur Kündigung möglicherweise betroffener Mitarbeitender beim AMS verpflichtet. Deshalb wurde eine Frühwarnung für alle rund 120 Mitarbeiter der Unternehmenszentrale ausgesprochen. Von der gesetzlich vorgegebenen Frühwarnung beim AMS betroffenen Personen sind darüber hinaus rund 500 Mitarbeitende der Eigenfilialen. Aber: Ziel ist es aber, möglichst viele Standorte zu erhalten. Wenn Standorte an andere Handelsunternehmen weitergegeben werden, können in der Regel auch Arbeitsplätze erhalten werden. Unimarkt. „Wir haben 48 franchisegeführte Unimarkt-Standorte. Wir gehen in direkte Gespräche mit den Franchisepartnerinnen und -partnern, um die nächsten Schritte auszuloten. Unser Interesse ist es, möglichst viele Standorte durch Weitergabe den Weiterbestand zu ermöglichen“

RegioPlan hat eine eigene Analyse angestellt, die kein gutes Bild auf Österreichs Nahversorgung wirft. Von der insgesamt rund 3,6 Millionen m2 umfassenden Verkaufsfläche im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel entfallen etwa 47.000 m2 auf Unimarkt, verteilt auf 91 Standorte. Unimarkt ist in Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg, Burgenland und der Steiermark vertreten. Fast die Hälfte dieser Märkte – insgesamt 46 – liegt in Gemeinden mit weniger als 4000 Einwohnern. Besonders dramatisch ist, dass durch die Schließungen 26 Gemeinden ihren einzigen Vollsortiment-Lebensmittelhändler verlieren und damit künftig ohne zentrale Einkaufsmöglichkeit dastehen.

Gabriele Jiresch

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geschrieben am

01.10.2025