Tchibo: „Wir sind erfolgreicher Omnichanneler“
2024 war ein gutes Jahr für Tchibo: Der Umsatz lag mit rund 328 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau, und auch für 2025 blickt das Unternehmen optimistisch auf die Geschäftsentwicklung. Besonders im Kerngeschäft Kaffee behauptet Tchibo seine führende Rolle am heimischen Röstkaffeemarkt.
Mit 120 Filialen lebt das Unternehmen das Herzstück Kaffee, auch im Lebensmittelhandel und online ist der Kaffee-Experte stark. Paul Unterluggauer, Geschäftsführer Tchibo Österreich, im Gespräch.
retailreport.at: Bei den eigenen Filialen hat es ja auch in jüngster Vergangenheit ein Refurbishment gegeben. Ist das nun eine Fortführung oder eine komplett neue Umstrukturierung der Filialen?
Paul Unterluggauer: Wir haben die Investitionen in die Vertriebsfläche deutlich intensiviert. Insgesamt haben wir dieses Jahr 13 unserer insgesamt 120 Filialen umgebaut. Am 30. Oktober verwandeln wir unsere Tchibo Filiale auf der Mariahilfer Straße 81 in einen modernen Flagship-Store. Warum ist das für uns so wichtig? Der persönliche Kontakt ist und bleibt zentraler Unternehmenswert bei Tchibo. Das neue Filialkonzept ist mehr als nur ein Ort zum Einkaufen – es ist ein Treffpunkt für alle, die Kaffee in seiner Vielfalt erleben möchten, sei es die Kaffee- und Maschinenberatung für zuhause oder die Kaffeepause vor Ort. Und für alle, die das Stöbern in unseren Kollektionen lieben oder bei Damenmode, Sport, Kindermode, Wäsche ganz gezielt den Weg zu uns als Fachhändler finden.
Wie könnte man den Anteil der einzelnen Erfolgssäulen aufteilen: Filiale/LEH/Online?
Wir sind erfolgreicher Omnichanneler, in jedem unserer drei Vertriebswege als auch im Zusammenspiel dieser. Unsere Filialen in Österreich sind ein wesentlicher Teil unseres Erfolgs – sie ermöglichen uns, unsere Marke erlebbar zu machen und den direkten Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden zu pflegen. Gleichzeitig spielt der Lebensmittelhandel mit rund 5.000 Verkaufsstellen – davon 800 Non Food – eine zentrale Rolle: Tchibo ist ein Frequenzbringer im Lebensmittelhandel. Das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass die Nachfrage nach Produkten zum Mitnahmepreis in diesem Vertriebsweg gestiegen ist, und auf diese Kundenwünsche werden wir zukünftig noch stärker eingehen. Der Online-Bereich wächst kontinuierlich und ist als dritte Säule unverzichtbar, weil er uns die Möglichkeit gibt, flexibel auf Trends zu reagieren und das gesamte Sortiment verfügbar zu machen. Unser einzigartiger Omnichannel-Service verbindet den stationären Handel vor Ort mit dem vielfältigen Online-Sortiment. Ergänzt durch unsere Regale im Lebensmittelhandel ermöglichen wir unseren Kundinnen und Kunden einen Rundum-Service, wie sie es von keinem anderen Händler kennen.
Kann man beim Umsatz einen Vergleich ziehen zwischen Kaffee und Non Food?
Kaffee ist und bleibt unser Kerngeschäft. Mit unseren Non Food Produkten stehen wir für ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis. Wir inspirieren und überraschen unsere Kundinnen und Kunden immer wieder mit innovativen Produkten und Services. Beide Bereiche sind daher entscheidend für uns – der Kaffee als stabiles Fundament und das Non Food Angebot als Impulsgeber, um immer wieder Neues zu entdecken.
Wie geht man als Kaffeeproduzent mit den „Bedrohungen“ des Kaffees an sich in den Anbaugebieten um? Und wie mit den Preisentwicklungen?
Das Allerwichtigste ist und bleibt, die zugrunde liegende Herausforderung, nämlich die Auswirkungen des Klimawandels, in den Griff zu bekommen. Das kann kein Unternehmen allein leisten. Länder, Röstereien, Importeure, Kaffeebauern – wir alle müssen Kapazitäten bündeln, Projekte gemeinschaftlich umsetzen und den Menschen in den Anbauländern Mittel an die Hand geben. Hier passiert schon viel und Tchibo nimmt mit seinem Kaffeeprogramm eine führende Rolle bei diesen Initiativen ein.
Mit dem Kaffeeprogramm verfolgt Tchibo das Ziel, bis 2027 ausschließlich verantwortungsvoll eingekauften Kaffee anzubieten. Aktuell sind es bereits 20 % – Tendenz steigend. Das Programm stärkt Kaffeefarmer durch bessere Anbautechniken, faire Löhne, alternative Einkommensquellen (z. B. Agroforstwirtschaft) und klimaresiliente Sorten – für eine umweltfreundliche und zukunftssichere Kaffeeproduktion. Mehr als 13.000 Farmen in 9 Ländern profitieren bereits vom Programm. Die Maßnahmen sind lokal angepasst und werden unabhängig durch die NGO Enveritas überprüft.
Die Verfügbarkeit von Rohkaffee hängt stark von Wettereinflüssen ab. Dieser ist im letzten Jahr deutlich knapper geworden, denn das Wetter in den Anbauländern hat für schwächere Ernten gesorgt. Die Preise für Rohkaffee sind mit über 70 % deutlich gestiegen. Um weiterhin die gewohnt hohe Qualität anzubieten und die Kaffeebauern fair entlohnen zu können, sind Preisanpassungen leider unvermeidbar. Uns ist bewusst, dass das für Konsumentinnen und Konsumenten eine sensible Entwicklung ist. Umso wichtiger ist uns Transparenz: Wir haben dazu bereits im ersten Halbjahr ein Statement veröffentlicht und werden auch künftig offen über die Hintergründe informieren. Denn nur so können wir das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden bewahren – und gleichzeitig sicherstellen, dass Kaffee auch in Zukunft nachhaltig angebaut werden kann.
Bei Kakao gibt es bereits Alternativen (Choviva) – wird es so etwas bei Kaffee auch geben?
Österreicher lieben Kaffee – das hat unsere Studie zum Kaffeekonsum auch heuer wieder gezeigt: Mit einer Steigerung von 2,65 auf 2,75 Tassen täglich – umgerechnet mehr als 1.000 Tassen im Jahr – bleibt Kaffee 2025 das Lieblingsgetränk in Österreich. (Quelle: Tchibo Kaffee-Fakten 2025) Es wird jedoch aktuell an neuen, resilienten Kaffeearten geforscht. Wir sind Mitglied der Organisation World Coffee Research, wo genau dieses Thema im Fokus steht.
Wenn Sie an Ihre Funktion als Händler denken – sehen Sie auch das Problem eines Händlers, wie sie derzeit stark beschrieben wird?
Natürlich nehmen auch wir die Herausforderungen des Handels sehr deutlich wahr: steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und ein intensiver Wettbewerb betreffen die gesamte Branche. Gleichzeitig sehen wir uns in einer starken Position, weil wir mit unserem einzigartigen Vertriebsmodell breit aufgestellt sind und flexibel reagieren können. Gerade in solchen Zeiten ist es unsere Aufgabe, Kunden weiterhin einen Mehrwert zu bieten: durch Qualität, Verlässlichkeit und relevante Produkte.
Gibt es in Ihrem Bereich auch die Themen Preisaufschlag? Merken Sie, dass sich Kunden dafür interessieren?
Das Thema ist vielfach diskutiert. Eines ist gewiss, in Österreich gibt es eine wesentlich höhere Filialdichte im Lebensmittelhandel, deshalb fallen höhere Personalkosten an und auch die Mehrwertsteuer ist höher. Und Kaffee unterliegt nicht dem für Lebensmittel üblichen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 10 %, sondern einem höheren Steuersatz.
Kaffee ist das meistkonsumierte Heißgetränk und wird von 46,7 % mehrmals täglich getrunken. Die Forderung des Österreichischen Kaffeeverbands für eine Reduktion der Mehrwertsteuer auf Kaffee unterstützen wir. Konkret lautet diese: MWSt. Reduktion auf 10 % im Einzelhandel sowie eine angemessene Entlastung in der Gastronomie zur Entlastung der Konsumenten.
Welchen Stellenwert hat Bio? Welchen Stellenwert hat Fairtrade?
Ein erklärtes Ziel von Tchibo ist es ja, bis 2027 nur noch Kaffee aus verantwortungsvoller Herkunft anzubieten. Das umfasst den sozialen als auch ökologischen Part und ist somit Teil unseres Kaffeeprogramms. Unabhängig von den Zertifizierungen durch Siegelpartner wird das Tchibo Kaffeeprogramm engmaschig überprüft – die Wirksamkeit der Maßnahmen wird von der unabhängigen und gemeinnützigen Organisation Enveritas kontrolliert und verifiziert – sie wurde 2016 gegründet, um für mehr Transparenz im Kaffeesektor zu sorgen sowie Mensch und Umwelt in den Anbaugebieten besser schützen und unterstützen zu können.