Tag des Handels: Unternehmen arbeiten lassen
Es war glasklar, dass sich am Tag des Handels 2025 in Gmunden die Hauptthemen um Preisdebatten drehen mussten. Wenn Handelsvertreter und Hersteller momentan aufeinandertreffen, herrscht dicke Luft. Jeder wirft dem anderen vor an den hohen Preisen im Supermarkt schuld zu sein. Doch in Wahrheit ist es der Konsument, die diese Vorwürfe vorbringt. Und er wird geschürt von Klientelpolitikern und Medienberichten. Umso erfrischender waren Podiumsdiskussionen, denen an Härte in den Aussagen nicht fehlte, aber die im Endeffekt zu einem Ergebnis kamen: man MUSS zusammenarbeiten, um das Thema „Preis“ in Österreich imagemäßig in den Griff zu bekommen.
„Wenn es im Handel gerade wo nicht gut läuft, braucht es nicht auch noch Leute, die Angst verbreiten. Wir im Handel sollten Stärken stärken. Wir haben eine ausgezeichnete Bio-Branche oder Regionalitätsbewusstsein. Das gehört gestärkt. Sonst denkt man sich immer weiter in eine Abwärtsspirale hinein“, so Markus Kaser, Spar-Vorstand. Händler und Hersteller sind sich einig: der Regulierungswahn ist schon heftig genug, deshalb ist es nicht förderlich bei Schwächen herumzudoktern. Man müsse Unternehmer in Ruhe arbeiten lassen. Als Händler sei man der letzte in der Kette und deshalb wird von Politik und Konsumenten auf der Branche herumgetrampelt. Das bekommen auch die zahlreichen Mitarbeiter im Handel zu spüren, die hier wohl völlig unschuldig zum Handkuss kommen.
Rewe-Vorstand Marcel Haraszti ergänzt: „Was will die Politik? Wenn wir Preise senken, dann wird sich hie und da auch das Sourcing ändern. Wenn wir jedoch Rohware nicht aus Österreich beziehen, so kommt der nächste Aufschrei“.
Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes und Sprecher der Markenartikelindustrie ist sich sicher, dass Lebensmittelproduktionen dann ins Ausland gehen, wenn es weiterhin zu einer starken Bürokratisierung kommt, die sich mit den Vorwürfen des Handels paart. „Wir haben einen Kostenaufschlag, keinen Preisaufschlag“, so Thumser. Man muss die Diskussionen in Richtung der wahren Kostentreiber richten.
BWB-Generaldirektorin Natalie Harsdorf rundet mit einem Statement ab: „Wir sind Bundeswettbewerbsbehörde und nicht Bundespreisbehörde. Unsere Aufgabe ist es nicht noch mehr zu regulieren, im Gegenteil“. Wettbewerb wirkt sich in Wahrheit positiv auf Preise aus, aber Wettbewerb passiert nicht nur auf der Ebene der Preise, sondern auch bei Produktqualität und Service.
Recycling, Pfand und die Zeit
Ein weiteres großes Thema umfasste das bereits seit 1. Jänner 2025 eingeführte Pfandsystem. Nach neun Monaten kann man sagen: es gibt good News und bad News.
Gut ist, dass die Sammelmengen deutlich in die Höhe gegangen sind und die Verantwortlichen sicher sind, dass man bis 2027 90 Prozent aller PET-Flaschen und Dosen in den Kreislauf bringt. Damit können auch die Produzenten die 25% Recyclinganteil in ihren Gebinden erreichen.
Von Seiten der Automatenanbieter wie TOMRA ist man mit den aktuellen Lösungen zufrieden, innovative Lösungen wie der TOMRA R2 werden mancherorts bereits zusätzlich eingebaut. Dabei wird nicht mehr jedes Gebinde einzeln in den Automaten geführt, sondern die ganze Menge des Pfandes regelrecht „hineingeleert“.
Der Handel sieht die Entwicklungen nicht ganz so rosig. Bei Spar etwa hat man bis dato 900 Mann-Stunden Mehreinsatz verzeichnet. 2700 Gebinde werden bei Spar pro Minute zurückgenommen, die Verschmutzung vor den Automaten ist nicht zu unterschätzen, ebenso wenig wie die Anzahl der „25 Cent-Sammler“, die oftmals die Automaten blockieren. Hier wäre der Einsatz des TOMRA R2 von Vorteil.
Zu den tatsächlichen Verlierern zählen die Bier-Dosenhersteller. Sie haben weit über 30% der an Menge und Umsatz eingebüßt. Denn: der klassische Bier-Dosen-Konsument hat immer sehr auf den Preis geschaut und für ihn/sie sind nun auch 25 Cent mehr eine Verschiebung der Kosten gewesen. Die gute Nachricht: der Dosenmarkt hat sich eingependelt.