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Hervis Filiale

Sportartikelhandel auf der Rüttelplatte

Nun ist es offiziell: Spar veräußert den Sportartikelhersteller Hervis, Decathlon geht in die Innenstadt und die Konzentration ist stark.

Der Sportartikelhandel ist im Umbruch. Die Konsumstimmung schlägt sich auf den Umsatz nieder, da können auch Schnee und Kälte wenig Positives zu einer Veränderung beitragen. Die schlechten Zeiten haben nicht erst jetzt begonnen, sondern schon vor Jahren, als die Corona-Lockdowns wieder aufgehoben wurden. Wer sich in Covid-Zeiten mit neuen Sportgeräten jeder Art eingedeckt hat, der war versorgt. Und die Teuerung hat einen Großeinkauf beim Sportwarenhändler nicht einfacher gemacht.

Nun hat sich Spar – nach langen Gerüchten – von seiner Sporthandelssparte Hervis getrennt. In den letzt-veröffentlichten Daten und Fakten der Spar im März 2025 hatte Hervis im Jahr 2024 227 Standorte, eine VK-Fläche von knapp 202.000 m2 und knapp 2800 Mitarbeiter – allerdings in damals allen Ländern gemeinsam: Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Rumänien und Bayern. Der Gesamtverkaufsumsatz belief sich 2024 auf 490 Millionen Euro, was ein Umsatzminus von -4,6 % für die Hervis-Gruppe bedeutete. In Österreich lag das Ergebnis von Hervis nur bei -0,9 %.
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Signing und Closing des Deals fanden am 23.1.2026 statt.

Wer hat Hervis gekauft?

Die neuen Eigentümer sind der Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, Gründer der Factory Berlin. Mit übernommen werden alle Hervis-Mitarbeiter und alle nun 134 Hervis-Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern. Notwendig ist eine Neupositionierung durch das Marktumfeld, das sich deutlich verändert hat.

„Wir werden Hervis im ersten Schritt ins Jahr 2026 führen und das Geschäftsmodell im Sporthandel neu positionieren. Nur so können wir die Chancen von heute und morgen erfolgreich nutzen. Ziel ist es, das Angebot an die geänderten Kundenbedürfnisse der heutigen Zeit anzupassen und Hervis damit wieder erfolgreich zu machen“, erklärt der neue Hervis-Eigentümer Sven Voth den bevorstehenden Change-Prozess.

Die neuen Eigentümer von Hervis planen gemeinsam mit dem Management und den Mitarbeitenden, das Geschäftsmodell des Unternehmens zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen dabei Fragen wie die Zukunft des Sporthandels, die konsequente Nutzung von Digitalisierungspotenzialen sowie die Relevanz künftiger Sortimente und Sportarten für die Konsumenten. Die Ergebnisse der Evaluierung und daraus abgeleitete Maßnahmen werden in den kommenden Monaten vorliegen und entsprechend transparent kommuniziert. Man wird wohl von der Schließung einzelner, nicht rentabler Standorte ausgehen müssen, so Michael Slamanig, Sprecher der Investoren.

Decathlon zieht ins Gerngross-Center ein

Decathlon beginnt das neue Jahr 2026 urban: Im Gerngross auf der Mariahilfer Straße in Wien eröffnet der französische Sportartikelhersteller und -händler schon bald eine weitere Filiale, seine siebente in Österreich. Damit bringt Decathlon ein breites Sportangebot mitten in die Wiener City. Die Eröffnung des rund 1.500 m2 großen Stores wird noch in der ersten Jahreshälfte erfolgen.

„Der Standort in dieser urbanen und dynamischen Umgebung steht für die Vision von Decathlon, Sport, und die Vorteile, die dieser mit sich bringt, für alle zugänglich zu machen – unabhängig von Alter, Herkunft oder sportlicher Vorerfahrung”, sagt Ana Aguilo, Country Leaderin von Decathlon Österreich.  Das Sortiment wird gezielt auf die urbane Umgebung abgestimmt – ergänzt durch das kostenlose Click & Collect-Service, mit dem Kunden jederzeit auf das gesamte Online-Angebot mit über 70 Sportarten zugreifen können.

Marktübersicht: Sportartikelhandel in Österreich von RegioData

Der österreichische Sportartikelhandel wird von drei großen Unternehmen bzw. Verbundgruppen dominiert: Intersport hält einen Marktanteil von rund 29 %, Sport2000/Zentrasport ca. 28 % und Hervis etwa 13 %. Alle weiteren Marktteilnehmer liegen jeweils deutlich unter 10 %.
Pro Einwohner werden in Österreich jährlich durchschnittlich 78,8 € für Sportbekleidung und 39,2 € für Sportschuhe ausgegeben. Bei Sportgeräten fallen im Winter 28,2 €, im Sommer 249 € an, hinzu kommt ein Verleih von Sportgeräten im Wert von 37,8 € pro Kopf.

Die Anzahl der Sportartikel-Standorte ist in den letzten zehn Jahren um 23 % auf derzeit rund 1.370 gesunken. Der Onlinehandel gewinnt zunehmend an Bedeutung und macht aktuell etwa 22 % des Umsatzes aus.

Zusammenfassend zeigt der Markt damit klare Konzentrationstendenzen, gleichzeitig verschiebt sich das Konsumverhalten zunehmend in Richtung E-Commerce.

Sven Voth (links) und Udo Schloemer

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geschrieben am

27.01.2026