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Gregor Herzog, Geschäftsführer von GS1 Austria

GS1 Austria: Themen-Fortschreibung im Fokus

GS1 Austria Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog gibt für 2026 einen Überblick der Arbeit im Bereich Standards und Daten-Management.

In den vergangenen Jahren hat sich richtig viel getan: Verordnungen und Richtlinien der EU müssen „übersetzt“ werden; eine neue Generation der Codes ist in Transformation; Mehrwegsysteme bekommen immer mehr Bedeutung und digitalisierte Daten breiten sich auf alle Branchen aus. Mit einem Satz: für GS1 Austria gab es ohne Unterbrechung viel zu tun. Und auch 2026 werden diese Themen fortgeschrieben.

„Zwei Schlagwörter bestimmen unser Tun: Multifunktionalität und Interoperabilität“, so Gregor Herzog, Geschäftsführer GS1 Austria. Es sind demnach zwei wesentliche Anforderungen, die alle Bereiche im GS1 Austria Universum bestimmen:

  • Lösungen und Systeme können mehrere Funktionen gleichzeitig oder nacheinander erfüllen (Multifunktionalität)
  • Fähigkeit unterschiedlicher Systeme, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten (Interoperabilität)

Gerade im Bereich FMCG sind die GS1 Austria-Lösungen enorm wichtig für die tägliche Arbeit.

Vom 1D Code zum 2D Code

Der kompakte 2D Code speichert mehr Daten auf kleinem Raum und ist gerade für die Produktinformationen im Lebensmittelbereich von großer Bedeutung in der Zukunft.

  • Der QR Code in Kombination mit dem GS1 Digital Link ermöglicht Zugang zu Online-Produktinformationen, wie etwa Nährwerte oder Zutaten, aber auch Verarbeitungs- und Lagerungshinweisen, Gewinnspielen uvm. Vor allem für die Konsumenteninteraktion ist diese Lösung unverzichtbar.
  • Aber auch behördliche Auflagen können mit 2D Codes erfüllt werden: welche Inhaltsstoffe hat etwa ein Putzmittel, was muss man bei falscher Anwendung gesundheitlich beachten?
  • Auch Rückverfolgbarkeitsdaten wie Chargennummern  oder MHDs können verschlüsselt werden.
  • Im b2b-Bereich schafft der 2D Code einen besseren Überblick über das Bestandsmanagement in einer Filiale: Out-of-Stock bzw. MHD sind deutlich einfacher auszulesen als bisher.
  • Als Best Practice verweist GS1 Austria auf 2D Weinetiketten: Seit 2022/23 ermöglichen QR Codes mit GS1 Digital Link die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung von Nährwertangaben und Zutaten erstmals rein digital.
  • Auch die Pharmabranche setzt schon lange auf 2D Codes, wobei es hier vor allem um Medikamentenfälschung und Patientensicherheit geht.

Gregor Herzog: „Der 2D Code ist ein Zeichen der Zeit. Heute muss nicht alles auf einem Etikett stehen, vieles ist über Links auf Informations-Sites zu erfahren. Wichtig für den Gesetzgeber ist, dass die Inhalte werbefrei sind“. Im Bereich technische Güter wie beispielsweise bei den ÖBB werden 2D Codes, in dem Fall der GS1 DataMatrix, schon lange für „fahrendes Material“ (z.B. Bremsen) eingesetzt, vor allem, um die Wartungszeiträume als Sicherheitsaspekt korrekt einhalten zu können und Lebenszyklusmanagement zu ermöglichen. „Im FMCG-Bereich sehen wir 2D Codes noch als kleines Pflänzchen, das sich aber gerade im Eigenmarken-Bereich etabliert“, so Herzog.

GS1 Sync – Daten Drehen

Das Stammdatenservice GS1 Sync von GS1 Austria dreht die überbetrieblichen Stammdaten der FMCG-Branche – und das seit über einem Jahrzehnt. 2025 kam es zu einem Zuwachs bei der Anzahl der Produkte, die erfasst werden. „So manche Händler wollen eben nur mehr GS1 Sync Daten. Sie haben die alten Artikelpässe abgelöst und die Digitalisierung komplett durchgezogen“, erklärt Gregor Herzog. Nun gilt es vermehrt: die Kleinsten der Kleinen müssen digital strukturiert werden. So werden die Stammdaten für Händlerportale aller Händler zur Verfügung gestellt. Die österreichischen Markenartikler nutzen diesen Service schon lange und gerne, da es für den Export besonders wichtig ist.

Im Datenpool ist auch das Thema „Bilder“ von großer Bedeutung. Hier schuf GS1 Austria schon vor langem die Möglichkeit die richtigen Produktbilder in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. In Zeiten von schnellen umzusetzenden Aktionen ist das von großem Vorteil. Mittlerweile finden sich in GS1 Sync auch Daten zur Verpackung – wichtige Informationen im Dienste einer Kreislaufwirtschaft – und ob es sich um Einweg- oder Mehrwegpfand handelt.

EDI – Papiere in digital

EDITEL – internationaler Anbieter von EDI-Lösungen als Teil von GS1 Austria – schraubt seit jeher an den digitalen Rädchen, aktuell am elektronischen Frachtbrief. Mit der Lösung FreightLogs bietet EDITEL eine bahnbrechende Entwicklung: Damit können Papierfrachtbriefe ersetzt werden und ermöglichen eine effizientere, transparentere und umweltfreundlichere Abwicklung von Transporten.

Mittels elektronischem Datenaustausch (EDI) wird der gesamte Replenishment-Prozess abgebildet: von der Bestellung, dem Lieferschein über die Lieferbestätigung bis hin zur Rechnung. Im Bereich EDI ist die österreichische FMCG-Branche weltweit übrigens führend.

Bei der eRechnung, die sukzessive in Europa ausgerollt wird, ist EDITEL umfassend vorbereitet – bis hin zur Archivierungsleistung.

Fischerei: digitale Rückverfolgbarkeit wird Pflicht

Seit dem 10.01.2026 ist die Änderung der Fischereikontrollverordnung (EU) 2023/2842 in Kraft. Besonders Artikel 58 rückt die digitale Rückverfolgbarkeit von Fischerei- und Aquakulturerzeugnissen in den Mittelpunkt. Das Ziel der Verordnung ist die Bekämpfung von IUU-Fischerei, mehr Transparenz entlang der Lieferkette und gestärktes Vertrauen in nachhaltige Fischerei.

Was heißt das für Marktteilnehmer? „Für jedes Los müssen umfangreiche Informationen (z. B. Herkunft, Art, Fang/Ernte, Mengen, Fanggerät) digital erfasst, entlang der Lieferkette weitergegeben und Behörden auf Anfrage digital bereitgestellt werden – vom Fang bis zum Einzelhandel“, so Herzog.

Die in der Verordnung geforderten Informationen können über das Rückverfolgbarkeitsservice GS1 Trace von GS1 Austria strukturiert transportiert und zwischen allen Akteuren ausgetauscht werden – auf Basis internationaler GS1 Standards und unabhängig von bestehenden IT-Systemen.

GS1 Austria und die Pläne der EU

Für die FMCG-Branche ist GS1 Austria unersetzlicher Partner, wenn es um Richtlinien und Verordnungen geht. Hier kommt ECR Austria ins Spiel. In diversen Arbeitsgruppen, wie jüngst jener rund um die EUDR (Entwaldungsverordnung), werden gemeinsame Lösungen zwischen Industrie und Handel sowie Branchenempfehlungen erarbeitet.

Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Verpackung (PPWR), Lieferkette – das alles sind EU-Forderungen, die mehr oder weniger umgesetzt werden müssen. „Exakt hier kommen wieder die Begriffe Multifunktionalität und Interoperabilität zum Tragen: wir müssen alle Daten, Zertifikate, und vieles mehr miteinander verbinden und in eine standardisierte Datenstruktur bringen, damit sie gemeinsam und international arbeiten können“, so Herzog abschließend.

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geschrieben am

23.01.2026