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Hochkarätige Podiumsdiskussion mit Armin Wolf (Mitte): Martina Steinberger-Voracek (Agrana), Harald Bauer (dm), Klaudia Atzmüller (Rewe) und Lukas Grumet (Nestlé)

ECR Tag unter dem Motto „Longevity“

Das Thema ist nicht nur brandaktuell, es umfasst auch sehr viele Bereiche des Lebensmittelhandels und der Lebensmittelindustrie.

Der ECR Tag 2025 suchte Antworten auf genau jene Fragen, die gesund alt werden betreffen. Dabei trafen Vision, Wissenschaft und Praxis aufeinander.

Molekularbiologe Slaven Stekovic erklärte, dass nur 5% unserer Lebensdauer genetisch bestimmt sind – der Rest hängt von unserem Lebensstil ab.
Food Futurist Tony Hunter zeigte, wie Ernährung künftig zur Medizin wird: „Food will be a source of wellness, not illness.“
Mit Blick auf die Praxis hob Lukas Grumet von Nestlé Health Science hervor, dass echte Zukunftsprodukte im Longevity-Feld jene sind, die nachweisbare Wissenschaft mit transparenter Kommunikation verbinden.
Und Christine Schäfer vom Gottlieb Duttweiler Institut wiederum machte deutlich, dass sich der Handel zum echten Wellbeing-Partner entwickelt.

Lenneke Schils, YouGov
Lenneke Schils, YouGov

Lenneke Schils von YouGov unterstrich mit globalen Insights, dass Longevity längst ein breiter gesellschaftlicher Trend ist, der Generationen verbindet. Denn die neue YouGov-Analyse zeigt: Österreich entwickelt sich rasant zu einem Hotspot für gesundheitsorientiertes Konsumverhalten. 81 % der Menschen interessieren sich aktiv für Gesundheit, 49 % messen dem Thema hohe Alltagsrelevanz zu – deutlich mehr als im EU-Vergleich. Gleichzeitig arbeiten 63 % der Österreicher bewusst an ihrer körperlichen und 59 % an ihrer mentalen Gesundheit (EU: 48 % bzw. 42 %).

Die Generation 50+ prägt den FMCG-Markt: In Belgien hängt ein Drittel des Werts der 100 jüngsten Marken von 50+-Kunden ab. Österreich zeigt ähnliche Tendenzen: Gesundheitsaktive Ausgabengruppen investieren gezielt in funktionale Produkte – und geben etwa 46 € pro Jahr weniger für Softdrinks aus als gesundheitlich passive Konsumenten.

Gleichzeitig greifen junge Käufer stärker zu Nahrungsergänzungsmitteln, während ältere Konsumenten eher auf Mäßigung und Routine setzen. Nur 1 von 10 Europäern hat überhaupt keine Gesundheitsbedenken – Spitzenreiter sind Sorgen um Gewicht (47 %), Stress (34 %) und Schlaf (33 %).

Wachstumsfelder im Handel

Deutlich überdurchschnittlich wachsen in Österreich u. a.:

  • pflanzliche Alternativen
  • Protein-Produkte
  • laktosefreie Artikel
  • „Free-from“-Kosmetik
  • gesunde Snacks
  • alkoholfreie Getränke
  • Lifestyle-CSDs und hochwertige Säfte
  • Fairtrade-Kaffee
  • Premium-Molkereiprodukte

Longevity-Denken – die Idee, nicht nur länger zu leben, sondern länger gesund aktiv zu bleiben – stärkt zusätzlich das Interesse an Themen wie Darm-Hirn-Achse, Entzündungsprävention und Nutrigenomik.

Mindful Drinking & neue Genusskultur

Der Alkoholkonsum junger Menschen bricht ein: In der Gruppe der 18–24-Jährigen ist der Anteil der Alkohol-Ablehner zwischen 2022 und 2024 um 24 % gestiegen. Auch die Käuferreichweite alkoholischer Getränke ist in den letzten zehn Jahren bei unter-30-jährigen stark gefallen. Davon profitieren neue Kategorien: Premiumwasser, alkoholfreie Alternativen und kleinere Portionsgrößen etablieren sich als moderne Genusslösungen.

Darmgesundheit boomt – europaweit

Die Nachfrage nach laktosefreien, glutenfreien, protein- und ballaststoffreichen Produkten steigt deutlich. Besonders stark ist der Kefir-Trend: In Italien hat sich die Penetration zwischen 2022 und 2025 verdreifacht (12 % → 34 %). Gleichzeitig gewinnen mikrobiomfreundliche Kosmetik und probiotische Reinigungsprodukte an Marktanteilen.

Resilienz wird zum Kaufmotiv

Schlafmangel und Stress belasten alle Altersgruppen. OTC-Beruhigungsmittel verzeichnen in Deutschland ein Plus von 171 % in vier Jahren (45 Mio. € → 122 Mio. €). Parallel wächst das Angebot an Produkten, die Entspannung, Regeneration und mentalen Ausgleich fördern – von ASMR-Beauty bis zu funktionalen Getränken.

Food & Mood: Genuss mit Purpose

In Österreich ist Genuss eng an emotionales Wohlbefinden gekoppelt:

  • 65 % wollen sich regelmäßig etwas gönnen
  • 26 % nutzen Treats aktiv zur Stimmungsaufhellung
  • 21 % kompensieren bewusst nach „ungesunden Momenten“

Daraus entstehen neue Kategorien wie „Flavor Bombs“, präzise formulierte Ein-Portionen-Mahlzeiten oder global inspirierter Comfort Food.

Erfolgreiche ECR Manager: Teresa Mischek-Moritz und Bernhard Voit

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geschrieben am

21.11.2025